Abschreckungsfaktor Studiengebühren
(redaktion) Kurz vor dem Bildungsgipfel in Dresden schreckt eine neue Studie die Bildungsverantwortlichen auf – zumindest in all den Bundesländern, in denen Studiengebühren eingeführt wurden. Laut einer HIS-Untersuchung (Hochschul-Informations-System), die bislang allerdings noch nicht veröffentlicht wurde, halten nämlich Studiengebühren deutlich mehr junge Menschen vom Studium ab als bisher angenommen.
21.10.2008 ArtikelDer Studie zufolge haben sich allein vom Abiturienten-Jahrgang 2006 bis zu 18.000 junge Menschen wegen der Studiengebühren gegen ein Studium entschieden - darunter vor allem Frauen und junge Menschen aus bildungsfernen Elternhäusern.
Die Gebührendebatte habe unter den Abiturienten zu "erheblicher Verunsicherung" beigetragen - auch in Bundesländern, die noch keine Gebühren verlangen, heißt es in der Untersuchung, die der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegt. Mit einer Veröffentlichung der Studie noch vor dem Gipfel ist allerdings nicht zu rechnen, sie ist bereits seit Wochen fertig, soll aber erst in vier Wochen zusammen mit einer Befragung von Studienanfängern des Jahres 2007 der Öffentlichkeit vorgelegt werden.
Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt, (SPD) wie auch andere Abgeordnete forderten die sofortige Veröffentlichung der Studie. "Wir Parlamentarier sind selbst in der Lage, Daten zu interpretieren", wird Burchardt in den Medien zitiert.
"Wer Wahrheiten ignoriert, nur weil sie ihm nicht ins politische Kalkül passen, handelt fahrlässig", erklärte der bildungs- und forschungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagfraktion Jörg Tauss. "Die Ergebnisse der Studie des Hochschul-Informationssystems (HIS) zu den Folgen von Studiengebühren bestärken uns Sozialdemokraten in der Ablehnung dieser Campus-Maut. Unabhängig von der Bewertung ist es aber geradezu grotesk, wenn das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) - wie in den Pressemeldungen unterstellt - die wichtigen Ergebnisse der Studie der zentralen bildungspolitischen Veranstaltung von Bund und Ländern, dem Bildungsgipfel am Mittwoch in Dresden, vorenthalten will." Es bleibe dabei, betonte Tauss: Studiengebühren seien ein bildungspolitischer, steuerungspolitischer und wirtschaftspolitischer Irrweg.
Minister unionsregierter Bundesländer haben sich bereits beschwichtigend zu Wort gemeldet. "Für Bayern ist festzustellen, dass sich die Zahl der Studienanfänger seit Jahren erhöht und sich diese Entwicklung auch nach Einführung der Studienbeiträge fortsetzt", erklärte Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel und auch sein nordrhein-westfälischer Kolleg Andreas Pinkwart erklärte, für Nordrhein-Westfalen sei die Behauptung, Studienbeiträge wirkten abschreckend, wenig plausibel.
- Zu den heutigen Berichten über eine angeblich abschreckende Wirkung von Studienbeiträgen stellt Wissenschaftsminister Thomas Goppel fest:
- Pinkwart: "Kritik der Opposition ist weder konstruktiv noch redlich"
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