Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel stellt erste Erfahrungen der Hochschulen mit der Erhebung von Studienbeiträgen vor

Die Erfahrungen der bayerischen Hochschulen mit der erstmaligen Erhebung von Studienbeiträgen zu Beginn des gerade angelaufenen Sommersemesters 2007 hat Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel gemeinsam mit den beiden Vertretern der Universitäten und der Fachhochschulen Bayerns, Rektor Prof. Dr. mult. Alf Zimmer (Vorsitzender von Universität Bayern e.V.) und Präsidentin Prof. Dr. Marion Schick (Vorsitzende von Hochschule Bayern e.V.), vorgestellt. Der Bericht des Ministers beruht auf einer Umfrage des Wissenschaftsministeriums bei den staatlichen Hochschulen in Bayern.

19.04.2007 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

Goppel betonte am Donnerstag in München, dass das engagierte und konstruktive Miteinander der Hochschulen und der Studierenden bei der Einführung der Studienbeiträge höchste Anerkennung verdiene. "Das Gesamtbild zeigt, dass die Einführung von Studienbeiträgen an den Hochschulen weitgehend reibungslos vonstatten geht", so der Minister. Die Studierenden werden für ihre Beitragszahlung ein entsprechendes Mehr an Studienqualität erhalten, weil die Studienbeiträge bei den Hochschulen verbleiben und dort zweckgebunden zur Verbesserung der Studienbedingungen eingesetzt werden. Goppel: "Diese Zusage, dass die Studierenden für ihren Beitrag einen Mehrwert erhalten, nehmen die Hochschulen und ich sehr ernst. Sie hat den höchsten Stellenwert für die Akzeptanz der Studienbeiträge."

1. Höhe und Verwendung der Einnahmen
Rund 74 Mio. Euro aus Studienbeiträgen stehen Bayerns Hochschulen für die gezielte Verbesserung der Studienbedingungen im Sommersemester 2007 zur Verfügung. Die Hochschulen entscheiden gemeinsam mit den Studierenden selbst, welche einzelnen Maßnahmen sie aus den Beiträgen finanzieren. Als Schwerpunkte nannten die Universitäten und Fachhochschulen Bayerns an erster Stelle zusätzliches Lehrpersonal. Dadurch wird ein Lernen in kleineren Gruppen mit einer intensiveren Betreuung ermöglicht. Zudem erweitern die Hochschulen ihr Bibliotheksangebot und die Studienberatung deutlich. Im Vordergrund stehen beispielsweise auch die Verbesserung der IT-Infrastruktur und der Hörsaalausstattung sowie der Ausbau von Fachsprachkursen.

2. Beteiligung der Studierenden bei der Mittelverwendung
Ergebnis der Umfrage bei den Hochschulen ist, dass sich die Studierenden engagiert und konstruktiv in die Debatte einbringen, was mit ihrem Geld geschehen soll. Die Entscheidungen über konkrete Verbesserungsmaßnahmen aus Studienbeiträgen fallen ganz überwiegend im Konsens mit den Studierenden. Goppel: "Selbstverständlich wird im Einzelfall hitzig diskutiert – aber genau das halte ich für einen großen Gewinn. Völlig zu Recht setzen sich die Studierenden für das ein, was ihnen wichtig ist."

3. Zahl der Studierenden
Derzeit sind die Neueinschreibungen an den Universitäten noch nicht abgeschlossen. Aus dem bereits vorliegenden Zwischenstand lässt sich sagen, dass die Gesamtzahl der Studierenden im Sommersemester 2007 gegenüber dem Sommersemester 2006 geringfügig zurückgehen wird. Das Zwischenergebnis bewegt sich innerhalb der im langjährigen Durchschnitt liegenden Schwankungsbreite: im Moment ergibt sich ein rechnerisches Minus von rund 2,25 Prozent, das sich durch noch erfolgende Einschreibungen weiter reduzieren kann. Goppel: "Die Behauptung, Studienbeiträge würden potentielle Studierende abschrecken, findet in den aktuellen Zahlen keinerlei Beleg. Entgegen dem bundesweiten Trend ist die Zahl der Studienanfänger im Wintersemester 2006/2007 gegenüber dem Vorjahr um 3,5 % gestiegen – obwohl die Neueinschreiber wussten, dass die Hochschulen ab dem Sommersemester 2007 Studienbeiträge erheben."

4. Inanspruchnahme des Bayerischen Studienbeitragsdarlehens und Beitragsbeifreiungen
Zentrales Element der sozialverträglichen Ausgestaltung ist die Möglichkeit, Studienbeiträge über das Bayerische Studienbeitragsdarlehen zu finanzieren. Zum 31. März 2007 haben 3027 Studierende oder 2 Prozent der potentiellen Darlehensnehmer von der KfW-Förderbank eine Darlehenszusage erhalten, weitere Anträge sind noch in Bearbeitung. Goppel: "Das sind weniger als mittelfristig erwartet. Dass es einige Semester dauern wird, bis sich das Angebot etabliert hat, ist nicht verwunderlich. Auch die Erfahrungen aus anderen Ländern, in denen Studienbeiträge über Darlehen finanziert werden können, z. B. in England, haben gezeigt, dass sich zunächst geringe Antragszahlen in wenigen Jahren erheblich gesteigert haben. Der dort mittlerweile selbstverständliche Gedanke, dass das Studium eine Investition in die eigene Zukunft ist und folglich die Studierenden selbst – und nicht in erster Linie ihre Eltern – diese Investition tätigen, wird sich, davon bin ich überzeugt, auch bei uns durchsetzen."

Insgesamt müssen 24,2 Prozent der Studierenden keine Beiträge entrichten, darunter rund 9 Prozent, die etwa wegen eines Praxissemesters oder einer Beurlaubung im betreffenden Semester nicht an der Hochschule sind. Den größten Anteil der Befreiungen, nämlich 11 Prozent der insgesamt Studierenden, machen Studierende aus Familien mit drei oder mehr Kindern aus. Etwa 2 Prozent der Studierenden wurden befreit, weil sie selbst Kinder erziehen. 1 Prozent der Studierenden wurde als allgemeiner Härtefall befreit, das sind insbesondere Studierende mit Behinderung.

Ausführliche Informationen zur Erhebung von Studienbeiträgen in Bayern sind im Internet unter www.stmwfk.bayern.de/studienbeitraege.html abrufbar.


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