Bundesweit einzigartiges Hochschuldidaktikzentrum Baden-Württemberg an Universitäten übergeben
„Nicht nur Forschung, auch die Lehre wird zum Exzellenzkriterium für Hochschulen. Daraus ergeben sich neue, höhere Erwartungen an die Lehrenden, an deren Kompetenzen, Kreativität und ihren Willen zur ständigen Weiterentwicklung. Einige hundert Hochschullehrer im Land sind schon zu Pionieren einer neuen Lehrqualität geworden, indem sie sich aktiv in der akademischen Lehre weiter qualifiziert und das ‚Baden-Württemberg-Zertifikat für Hochschuldidaktik’ erworben haben.“ Dies sagte Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg am 22. Januar in Stuttgart vor Medienvertretern und teilte dabei mit, dass das im Jahr 2001 gegründete „Hochschuldidaktikzentrum des Landes nach einer äußerst erfolgreichen Aufbauphase nun von den Universitäten übernommen wurde“.
22.01.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-WürttembergAls Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz (LRK) erklärte dazu der Konstanzer Universitätsrektor Prof. Dr. Gerhart von Graevenitz: „Das Hochschuldidaktikzentrum ist ein gutes Beispiel für eine gelungene Anschubfinanzierung seitens des Wissenschaftsministeriums. Die Universitäten haben die zur Verfügung gestellten Mittel genutzt, Hervorragendes damit geleistet und bewiesen, dass die Verbesserung der Qualität der Lehre gerade den jungen Hochschullehrern ein besonderes Anliegen ist. Bestätigt werden wir nicht zuletzt durch die hervorragende Bewertung durch eine international besetzte Evaluationskommission. Unseren Studierenden wollen wir in Zukunft eine noch weiter verbesserte Lehre bieten können; deshalb haben wir einstimmig die Finanzierung des Zentrums übernommen und führen es nun gemeinschaftlich weiter. Noch im Februar 2007 wollen wir den Kooperationsvertrag aller neun baden-württembergischen Universitäten unterzeichnen, mit dem das Zentrum auch eine neue Leitungsstruktur erhält, und zwar einen mit den Prorektoren für Lehre besetzten Vorstand.“
Schwerpunkt Lehre in der Hochschulpolitik
Die Förderung der Lehre ist und bleibt nach Frankenbergs Worten ein Kernziel der Hochschulpolitik in Baden-Württemberg. „Durch die Studienstrukturreform nach dem Bachelor-/Master-Modell steht die Lehre vor großen Herausforderungen, etwa was die ‚Employability’ als Ausbildungsziel, die Internationalisierung und auch das lebenslange Lernen betrifft. Nicht zuletzt der internationale Wettbewerb um die besten Studierenden stärkt per se den Stellenwert der Lehre.“
Gute Lehre sei aber - im Vergleich zum Stellenwert der Forschung - leider noch keine Selbstverständlichkeit, so Frankenberg. „Daher haben wir vor gut fünf Jahren mit den Universitäten das Hochschuldidaktikzentrum Baden-Württemberg geschaffen, das 2003 in den Regelbetrieb gelangte. Mit dem Didaktikzentrum ging Baden-Württemberg einen für Universitäten bundesweit einzigartigen Weg, Lehrende und Nachwuchswissenschaftler landesweit auf ihre Lehrtätigkeit vorzubereiten. Denn nur durch professionelle Lehre können wir den Studierenden ein möglichst gutes und erfolgreiches Studium bieten.“
Wie der LRK-Vorsitzende Prof. von Graevenitz hervorhob, ist das Hochschuldidaktikzentrum (HDZ) „von Anfang an bundesweit auf großes Interesse gestoßen. Das HDZ wurde zum Leitbild und Hoffnungsmodell der Hochschuldidaktiker in Deutschland. Zielgruppen waren das gesamte wissenschaftliche Personal sowie die Habilitanden und Juniorprofessoren.“ Das HDZ habe ein zielgenaues Weiterbildungsangebot geschaffen, das „für sehr gute individuelle Qualifizierung auf freiwilliger Basis sorgt“.
Rektor Graevenitz und Minister Frankenberg betonten, das HDZ habe nach anfänglicher Skepsis rasch eine „echte Erfolgsgeschichte“ produziert. Die Kapazitäten des Hochschuldidaktikzentrums seien heute mehr als ausgelastet. „Die Resonanz auf das Weiterbildungsangebot war überwältigend.“ Konnten im Jahr 2002 noch 725 Teilnehmer und Teilnehmerinnen verzeichnet werden, so waren es im Jahr 2006 ca. 1.400. Das Baden-Württemberg-Zertifikat, das jährlich am Tag der Lehre ausgehändigt wird, sei sehr begehrt. Erwarben 2003 noch 47 Lehrende von Universitäten das Zertifikat, so waren es 2004 schon 68, 2005 dann 120 und im vergangenen Jahr (bedingt durch organisatorische und personelle Änderungen) 107 Empfänger des Baden-Württemberg-Zertifikats.
„Internationaler Standard garantiert“
Besonders zufrieden zeigten sich Frankenberg und Graevenitz mit der Besetzung des HDZ-Programmbeirats. „Mit der Berufung von Professorin Anette Kolmos von der Universität Aalborg (Dänemark), Professor James Wilkinson (Harvard University, USA) und Dr. Wolff-Dietrich Webler, damals Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Hochschuldidaktiker (Universität Bielefeld), konnten international hoch renommierte Fachleute gewonnen werden, die Garant für den internationalen Standard des Didaktikzentrums Baden-Württemberg wurden.“
Die Anschubfinanzierung des HDZ durch das Land betrug jährlich ca. 500.000 € bis zum Ende des Jahres 2006. Künftig werden die neun Landesuniversitäten das HDZ aus eigenen Mitteln mit 550.000 € weiter finanzieren. Das Didaktikzentrum arbeitet seit 1. Januar mit zwei Regionalstellenleiterinnen in Freiburg und Stuttgart und neun lokalen Mitarbeiter/-innen.
„Das Baden-Württemberg-Zertifikat soll bei Bewerbungen von Hochschullehrern weit über Baden-Württemberg hinaus als Qualitätsmerkmal Bedeutung erlangen“, unterstrich Minister Frankenberg. „Dieses Ziel haben wir erreicht.“ Die Übernahme durch die Universitäten sei sehr positiv zu bewerten: Es sei ein Beispiel gelebter Autonomie und einer gelungenen Abstimmung unter den Universitäten. „Ich bin überzeugt, dass das HDZ als ‚best practice’ bundesweit Maßstäbe setzen kann.“
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