Föderalismus

Bundesweite Mobilität in der Lehrerbildung ermöglichen

Wechselwillige Studierende sowie Absolventinnen und Absolventen von Lehramtsstudiengängen stoßen immer noch auf gravierende Hürden. Das zeigt eine aktuelle Sonderpublikation des gemeinsamen Projekts "Monitor Lehrerbildung" von Bertelsmann Stiftung, CHE Centrum für Hochschulentwicklung, Deutsche Telekom Stiftung und Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft.

05.03.2013 Pressemeldung CHE Centrum für Hochschulentwicklung

Die Broschüre "Mobilität in der Lehrerbildung – gewollt und nicht gekonnt?!" identifiziert Hindernisse der Mobilität in der Lehrerbildung und zeigt mögliche Lösungswege auf. Die Projektpartner rufen die Kultusminister dazu auf, bei ihrer Konferenz im März verlässliche und transparente Regelungen für Wechselwillige zu beschließen und bei der gegenseitigen Anerkennung von Studienleistungen und -abschlüssen im Bereich der Lehrerbildung flexibel und ergebnisorientiert vorzugehen. Es sei überfällig, auf singuläre Sonderwege der Länder zu verzichten.

"Mit einem deutschen Biologie-Bachelor kann man leicht einen Master in Spanien anschließen und später in Frankreich arbeiten. Warum werden Lehramtsstudierenden dagegen bei einem innerdeutschen Wechsel von einem Land in ein anderes so viele Steine in den Weg gelegt?", sagt Prof. Dr. Frank Ziegele, Geschäftsführer des CHE Centrum für Hochschulentwicklung.

Lehramtsstudierende haben auch heute noch mit enormen Schwierigkeiten zu kämpfen, wenn sie die Hochschule wechseln oder den Vorbereitungsdienst in einem anderen Bundesland beginnen möchten: Die gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen und -abschlüssen durch die Länder und Hochschulen ist noch lange keine Selbstverständlichkeit. So erschweren unter anderem die unterschiedlichen Schulformen und Lehramtstypen sowie verschiedene Studienstrukturen und -abschlüsse, die in den 16 Ländern anzutreffen sind, die Anschlussfähigkeit und einfache Übergänge.

In letzter Zeit erhöht der Bund jedoch den Druck auf die Länder, sich rasch auf verbindliche Lösungen zu einigen: Er will erst dann die Mittel der Qualitätsoffensive für die Lehrerbildung freigeben, wenn durch die Länder bundesweite Mobilität während des Studiums, zum Vorbereitungsdienst sowie im Beruf sichergestellt ist. Die Kultusministerkonferenz plant, noch im März 2013 entsprechende Richtlinien zur Verbesserung der nationalen Mobilität in der Lehrerbildung zu beschließen und in entsprechenden Ländergesetzen und Verordnungen umzusetzen.

Die Bertelsmann Stiftung, das CHE Centrum für Hochschulentwicklung, die Deutsche Telekom Stiftung und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft begrüßen diesen Ansatz, bedarfsorientierte Einzelfallsteuerung durch verbindliche Regelungen zu ersetzen, und weisen aus diesem Anlass in einer Sonderpublikation aus dem Projekt "Monitor Lehrerbildung" auf mögliche Lösungswege hin.

In erster Linie entscheidet sich der Erfolg der angestrebten Regelungen daran, ob die Länder bereit sind, auf singuläre Sonderwege in Bezug auf strukturelle Fragen zu verzichten wie etwa Schulformen oder Fächerkombinationen, die es in kaum einem anderen Land gibt. Ebenfalls wesentlich ist eine Verständigung auf verlässliche und transparente Regelungen zum "Einfädeln" von Studierenden sowie Absolventinnen und Absolventen aus anderen Ländern über einheitliche Einstiegspunkte und -voraussetzungen für einen Wechsel.

"Mindestens ebenso wichtig wie eine Vereinheitlichung der Regeln ist eine liberale Anerkennungspraxis, die auf kleinteilige Überprüfungen verzichtet", sagt Dr. Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes: "Es darf nicht darum gehen, um jeden Preis die Unterschiede in den einzelnen Ausbildungssystemen zu finden, sondern einzig und allein um die Frage: Was kann ein angehender Lehrer und welche Kompetenzen bringt er mit? Hier müssen nicht nur die Länder, sondern auch die Hochschulen und Studienseminare deutlich flexibler werden." Bei der länderübergreifenden gegenseitigen Anerkennung von Studienleistungen sollten daher nicht kleinteilig einzelne Module im Hinblick auf inhaltliche Vergleichbarkeit überprüft werden – es kommt auf die erworbenen Kompetenzen, nicht auf den Input an.

Prof. Dr. Frank Ziegele: "Es ist überfällig und im Interesse aller, dass endlich vernünftige Übergangsregelungen vereinbart werden. Entscheidend wird sein, dass sinnvolle Ansätze von allen Beteiligten gewollt, mitgetragen und auch umgesetzt werden."

Die Broschüre kann unter www.monitor-lehrerbildung.de/schwerpunkt/mobilitaet kostenlos herunter geladen werden.

Der Monitor Lehrerbildung ist seit November 2012 als Informationsangebot im Internet zu finden (www.monitor-lehrerbildung.de). Er zeigt sowohl die landesspezifischen Regelungen zur ersten Phase der Lehrerbildung als auch die Gestaltung der Ausbildung durch die einzelnen Hochschulen. Das Ziel ist aktuelle Diskussionen über die Lehrerbildung mit Fakten zu untermauern und Transparenz über die hohe Komplexität der Lehrerbildung zu schaffen.


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