Deutscher Hochschulverband zur Zukunft der Promotion

Statt das Promotionsrecht auf außeruniversitäre Einrichtungen auszudehnen, will der Deutsche Hochschulverband (DHV) die außeruniversitäre Forschung enger mit der universitären Forschung und Lehre verklammern. "Dass dies der richtige Weg ist, zeigen die Forschungsverbünde, die mit der zweiten Förderlinie des Exzellenzwettbewerbs unterstützt werden", erklärte der Präsident des DHV, Professor Bernhard Kempen. Nur eine Lehre, die sich ständig aus der Forschung erneuere, sei universitäre Lehre. Exzellente Forscher müssten daher grundsätzlich auch akademische Lehrer sein, denen die Heranbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses anvertraut sei. "Außeruniversitäre Einrichtungen, selbst wenn sie Spitzenforschung betreiben, können ein solches Umfeld, in dem sich Forschung und Lehre durchdringen, ohne die Universitäten nicht bieten", betonte Kempen.

11.03.2008 Pressemeldung Deutscher Hochschulverband (DHV)

Mit großer Aufmerksamkeit beobachte der Hochschulverband daher die geplante Gründung einer von der Max-Planck-Gesellschaft und der Universität Mainz gemeinsam betriebenen GmbH als Trägerin einer Graduiertenschule. "Der Senat der Max-Planck-Gesellschaft wird in wenigen Tagen eine für das gesamte Wissenschaftssystem in Deutschland wegweisende Frage entscheiden", erklärte Kempen. Zwar habe die Max-Planck-Gesellschaft inzwischen mehrfach bekräftigt, nicht nach einem eigenständigen Promotionsrecht zu streben. "Solange aber die konkreten Details des Gesellschaftervertrags noch nicht bekannt sind, bleibt festzuhalten, dass ein mediatisiertes oder faktisches Promotionsrecht der Max-Planck-Gesellschaft durch diese Dementi nicht erfasst wird. Die Universität muss bei der Promotion Herrin des Verfahrens bleiben. Es reicht nicht, wenn der Rektor lediglich die Urkunde unterzeichnet", betonte Kempen. Der funktionierenden und in den letzten Jahren erheblich verbesserten Zusammenarbeit von außeruniversitären Einrichtungen und Universität würde der Boden entzogen, wenn einer außeruniversitären Forschungseinrichtung das Promotionsrecht unmittelbar oder mittelbar übertragen würde. "Das Ergebnis wäre keine bessere, sondern eine schlechtere Zusammenarbeit zwischen Universität und außeruniversitärer Forschung, weil die sehr gut aufgestellten außeruniversitären Forschungsinstitute keinen Anlass und Anreiz mehr hätten, mit den Universitäten zu kooperieren", so Kempen.

Zugleich sprach er sich auch gegen die Ausweitung des Promotionsrechts auf Fachhochschlen aus. "Die Verleihung des Promotionsrechts an Fachhochschulen würde zu einer Nivellierung der verschiedenen Hochschularten, einer Verwischung ihrer unterschiedlichen Aufgaben in Ausbildung und Wissenschaft und damit zu einer Schwächung des deutschen Wissenschaftssystems insgesamt führen." Für qualifizierte, promotionswillige Fachhochschul-Absolventen seien in den Hochschulgesetzen der Länder und darauf aufbauend in den Promotionsordnungen der Universitäten Vorkehrungen getroffen, die innerhalb des tertiären Bildungssektors die nötige Durchlässigkeit sicherstellten.

Die Überlegung, das Promotionsrecht zu befristen und an das Instrument eines hochschulinternen Qualitätssicherungssystems mit externer Systemakkreditierung zu binden, wies Kempen zurück. "Eine Universität, die die Heranbildung und Förderung ihres wissenschaftlichen Nachwuchses nicht mehr zu ihren vornehmlichen Aufgaben zählen kann, verliert ihren Charakter und ihr Profil als Universität." Das Promotionsrecht sei ein originäres Recht der Universitäten und keine Leistungsprämie, die von Behörden oder behördenähnlichen Institu-tionen gewährt werde. "Der Vorschlag eines befristeten Promotionsrechts zeugt", so Kempen weiter, "von mangelndem Verständnis, was die Universität seit 600 Jahren eigentlich ausmacht. Er ist zudem autonomiefeindlich, weil er die Macht außeruniversitärer Agenturen beflügelt." Universität und Bundesland stünden bis hin zur Schließung andere Mittel zur Verfügung, um auf unzureichende Forschungsleistungen von Fakultäten zu reagieren.

Kempen räumte ein, dass die Betreuung und Förderung von Doktoranden nicht in allen Universitäten gleich gut und intensiv sei. Von gesetzlichen Vereinheitlichungen und Reglementierungen der Promotionsphase müsse gleichwohl Abstand genommen werden. "Durch den Wettbewerb um die besten Doktoranden zwischen Graduiertenkollegs, universitären Doktorandenprogrammen und anderen Wegen zur Promotion wird die wissenschaftliche Qualität am besten gefördert", betonte Kempen. Um dem prosperierenden Markt der Promotionsberatung den Nährboden zu entziehen, seien Fakultäten, Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer dazu aufgerufen, jedem Verdachtsmoment, dass ein Doktorand die von ihm vorgelegte Dissertation nicht oder nicht vollständig selbst erbracht hat, ohne Zögern nachzugehen.

- Der Deutsche Hochschulverband ist die bundesweite Berufsvertretung der deutschen Universitätsprofessoren und des wissenschaftlichen Nachwuchses mit ca. 23.000 Mitgliedern. -


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