Die Eltern? Der Staat? Der Einzelne?
Im neuen "DSW-Journal", dem Magazin des Deutschen Studentenwerks (DSW), debattieren die parteinahen Studierenden-Organisationen über die neue DSW-Sozialerhebung zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Studierenden. Kernfrage: Wer soll bei der Studienfinanzierung für wen aufkommen, die Eltern für ihre studierenden Kinder, der Staat für den Einzelnen, der Einzelne für sich selbst?
21.06.2010 Pressemeldung Deutsches StudierendenwerkDrei Politik-Studierende von der Freien Universität Berlin, ein Jura-Student von der Universität Freiburg, eine Studie, vier Deutungen, aber überraschend viel Konsens beim Thema Studienfinanzierung. Am Redaktionstisch des "DSW-Journal" trafen aufeinander: die Juso-Hochschulgruppen, der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS), Campusgrün und die Liberalen Hochschulgruppen (LHG). Die Linke.SDS hatte kurzfristig abgesagt.
Kristina Kämpfer, 20, aus dem Bundesvorstand der Liberalen Hochschulgruppen, war die einzige in der Vierer-Runde, die auf Bachelor studiert – Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin (FU). Sie setzt sich im DSW-Journal vehement für ein eltern- und einkommensunabhängiges BAföG ein: "Man sollte den Regelsatz an jeden Studierenden auszahlen." Sie sieht dieses "BAföG für alle" als eine Basis, die mit Stipendien aufgestockt werden könne. Der Einstieg ins Studium wäre besser, "wenn alle das BAföG bekämen."
Ihr pflichtet Jan Krüger von den Juso-Hochschulgruppen bei. Krüger, 23, studiert ebenfalls Politik an der FU, allerdings noch auf Diplom. Beim BAföG müsse man zu einer Elternunabhängigkeit kommen, sagt er. "Das muss die langfristige Perspektive sein." Studienfinanzierung müsse ein Rechtsanspruch sein, fordert Krüger, und langfristig benötige man ein "System des lebenslangen Lernens".
Patrick Luzina, 30, will die Idee eines "flexiblen BAföG weiterspinnen". Luzina, der ebenfalls Politik an der FU auf Diplom studiert, vertrat bei dem Streitgespräch Campusgrün. Er regt an, zum Beispiel den Mietzuschuss beim BAföG nicht pauschal zu berechnen, sondern flexibel an das Mietniveau der jeweiligen Stadt anzupassen. Er sieht hinter den verschiedenen Instrumenten der Studienfinanzierung eine grundsätzliche Frage: "Was für ein Verständnis hat man von einer Gesellschaft – dass die Leute für sich selbst aufkommen oder dass es der Staat macht?"
Eine Frage, die Stefan Holz für den RCDS so beantwortet: "Der Grundsatz ist der, dass jeder Einzelne zunächst für sich aufkommen sollte, und jeder Einzelne Leistung bringen sollte." Holz, 26, studiert Rechtswissenschaften auf Staatsexamen an der Universität Freiburg. Er sagt: "Wir können aber nicht für Rentner, die ein Seniorenstudium aufnehmen, BAföG einführen, das ist schlichtweg nicht machbar." Er hält das geplante nationale Stipendienprogramm der Bundesregierung für eine "in jeder Hinsicht sinnvolle Maßnahme".
Weitere Themen des DSW-Journal 2/2010:
- "Beteiligungsquote von Arbeiterkindern nimmt erfreulicherweise zu": Bundesbildungsministerin Annette Schavan zur 19. Sozialerhebung
- "Den Studierenden wird vorenthalten, was sie begeistern oder motivieren könnte": Was der Studierenden-Forscher Tino Bargel bei Bachelor/Master besser machen würde
- Sommer, Strandbar, Sonnendeck: Neun coole Gastro-Ideen bei den Studentenwerken
- Pater Campus oder wie Joachim Hartmann den interreligiösen Dialog von Studierenden in Frankfurt am Main organisiert
- Mord(s)hunger: In Freiburg und Osnabrück machen die Studentenwerke ihre Mensa zum Tatort
- Die Gründerin von Arbeiterkind.de: Katja Urbatsch kennt die feinen Unterschiede und unsichtbaren Hürden – und sie bietet konkrete Hilfe an
- Mehr Geld? Mehr Einfallsreichtum! Klaus Landfried wettert gegen steuerfinanzierte Obergurus im Bologna-Prozess
- 44 Stunden zwischen Hörsaal und Nebenjob oder Studieren heute – die 19. Sozialerhebung in Daten und Bildern
Das DSW-Journal 2/2010 zum Download (44 Seiten).
Keine Kommentare vorhanden