Wissenschaftsrat

Ergebnisse der Herbstsitzungen des Wissenschaftsrates (Lübeck, 09.-12.11.2010)

Mit der Verabschiedung übergreifender Empfehlungen zur Profilierung der Einrichtungen mit Ressortforschungsaufgaben des Bundes hat der Wissenschaftsrat nach rund sechs Jahren die Begutachtung der Bundesressortforschung abgeschlossen. Insgesamt verfügen die seit 2004 begutachteten 40 Ressortforschungseinrichtungen über beachtliches Potential, das allerdings vielfach nicht hinreichend realisiert wird. Die Qualitätsunterschiede zwischen den Einrichtungen sind erheblich.

15.11.2010 Pressemeldung Wissenschaftsrat

Die Hochschultypen Universität und Fachhochschule allein reichen nicht aus, um die Vielzahl der Erwartungen erfüllen zu können, die an das Hochschulsystem gerichtet werden, so der Wissenschaftsrat in seinen Empfehlungen zur Differenzierung der Hochschulen. Vor allem mit Blick auf eine wachsende und heterogener werdende Gruppe von Studierenden sind mehr alternative Hochschulformen notwendig. "Professional Schools" sollen berufsbezogenen Ausbildungsangeboten einen Ort in der Hochschule geben, "Colleges" sollen breite Bildungsmöglichkeiten eröffnen. Mit neuen Hochschulformen und Verbünden bestehender Hochschulen sollen neue Profile von Studium und Forschung auch zusätzlich zum Paradigma der "Forschungsexzellenz" akzentuiert werden.

In seiner Stellungnahme zum Deutschen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (DQR) unterstützt der Wissenschaftsrat die grundsätzlichen Absichten und Ziele, die mit diesem bildungspolitischen Instrument verfolgt werden. Es wird als sinnvoll und notwendig angesehen, alle Abschlüsse und Qualifikationen, die in Europa an Schulen, Hochschulen und in der beruflichen Bildung erworben werden, in Bezug auf die vermittelten Kompetenzen transparenter und damit vergleichbarer zu machen. Damit erhöht sich die Mobilität von hochqualifizierten Fachkräften und Lernenden in Europa.

Um auch in Zukunft die international anerkannte Stellung Deutschlands in der Meeres- und Polarforschung zu sichern, empfiehlt der Wissenschaftsrat, zeitgerecht Ersatz für die Forschungsschiffe "Polarstern" und "Meteor" zu schaffen. Darüber hinaus sieht er die Chance, Deutschland ein europäisch und international einmaliges Profil und damit eine Vorreiterrolle in der Polarforschung zu verschaffen. Innerhalb der nächsten zehn Jahre werden vier der sieben hochseetauglichen Forschungsschiffe für die Meeres- und Polarforschung aus Altersgründen außer Dienst gestellt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hatte deshalb den Wissenschaftsrat gebeten, eine Stellungnah­me zur Gesamtkonzeption der deutschen Forschungsflotte in den nächsten Dekaden zu erarbeiten und Empfehlungen für Bau und Betrieb der Forschungsschiffe abzugeben.

Sehr positiv bewertet hat der Wissenschaftsrat das Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz, das in international einzigartiger Weise Forschung zur europäischen Universalgeschichte und Religionsgeschichte seit dem ausgehenden Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert verbindet. Er spricht sich für eine Aufnahme des Instituts in die gemeinsame Förderung von Bund und Ländern im Rahmen der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) aus.

Eine insgesamt positive Entwicklung bescheinigt der Wissenschaftsrat auch dem Forschungszentrum L3S, Hannover, das sich mit informationstechnischen Fragen der Entwicklung des World Wide Web beschäftigt. Das Forschungszentrum L3S bearbeitet innovative Fragestellungen äußerst praxisnah. Angesichts der rasanten Entwicklung des World Wide Web ist diese Forschung gesellschaftlich hoch relevant.

Zugestimmt hat der Wissenschaftsrat der Gründung eines neuen medizinischen Standortes an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und damit der Erprobung neuer Wege in der ärztlichen Ausbildung. Er hält das Gründungskonzept, um dessen Bewertung ihn das Land Niedersachsen gebeten hatte, grundsätzlich für überzeugend und die standortspezifische Ausgangssituation für förderlich. Kennzeichnend für das Konzept ist eine enge Kooperation mit der niederländischen Nachbaruniversität in Groningen. Im Rahmen der so genannten "European Medical School Oldenburg-Groningen" sollen Studierende beider Universitäten ein gemeinsames humanmedizinisches Studium von sechs Jahren durchlaufen.

Im Rahmen der Institutionellen Akkreditierung wurden zwei Verfahren beraten. In beiden Fällen gelangte der Wissenschaftsrat zu einem positiven Akkreditierungsvotum. Akkreditiert wurden die Hochschule Fresenius, Idstein und die Karlshochschule International University, Karlsruhe.

Hinweis: Die genannten Empfehlungen und Stellungnahmen werden im Netz als Volltext veröffentlicht (www.wissenschaftsrat.de/veroeffentlichungen/ veroeffentlichungen-ab-1980/), sie können aber auch bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates per E-Mail (post(at)wissenschaftsrat.de) angefordert werden.

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