Erster wichtiger Schritt für bayernweiten Fächerabgleich

Die Umsetzung der Ergebnisse der Mittelstraß-Kommission schreitet voran. Das Kabinett gab am Donnerstag grünes Licht für den Einstieg in einen bayernweiten Fächerabgleich mit ersten Entscheidungen zur Aufhebung und Verlagerung von Studiengängen bzw. -fächern an den bayerischen Universitäten.

02.06.2005 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

Wissenschaftsminister Thomas Goppel hob hervor, dass die Studierenden, die ihre Ausbildung bereits begonnen haben, keine Nachteile haben und ihr Studium an ihrer Hochschule ordnungsgemäß abschließen können. Der Entscheidung des Kabinetts liegen die im Juli 2004 vorgelegten Strukturkonzepte der Hochschulen und die Empfehlungen der "Mittelstraß-Kommission" vom März 2005 zugrunde. "Nachdem die Hochschulen konkrete Rückzugsfelder benannt haben, stehen ihnen frei werdende Ressourcen unmittelbar und zeitnah für neue Schwerpunktsetzungen und den Ausbau von individuellen Stärken zur Verfügung", sagte der Minister. Entscheidend für den Wissenschaftsstandort Bayern sei nicht, dass jede Hochschule alles anbietet, sondern dass sie mit den Studiengängen, die sie anbietet, national und international wettbewerbsfähig ist. Goppel: "Deshalb schärfen die Hochschulen in Abstimmung untereinander ihre Profile." Dies bedeute, dass die Universitäten zum einen gezielt in den Bereichen Schwerpunkte setzen, in denen sie jeweils besondere Entwicklungschancen sehen, und zum anderen dort enger zusammenarbeiten, wo sie gemeinsam besser werden können. "Bayernweit erhalten wir so ein abgestimmtes und erstklassiges Studienangebot", so Goppel.

Eine einvernehmlich eingesetzte internationale Expertenkommission, die sog. "Mittelstraß-Kommission", begutachtete Vorschläge der Hochschulen und unterbreitete eigene Empfehlungen für die Entwicklung des Hochschulraums Bayern. Goppel hob hervor, dass die inhaltliche Umstrukturierung und Optimierung der Hochschullandschaft eine von drei Säulen der Hochschulpolitik der Bayerischen Staatsregierung ist. Grundlage für alle weiteren Planungen ist das Innovationsbündnis 2008, das den Hochschulen Planungssicherheit bis 2008 gewährt. Bundesweit einmalig ist der bayerische Hochschulpakt nicht mit Einsparverpflichtungen für die Hochschulen verknüpft. Die Hochschulen erhalten im Doppelhaushalt 2005/2006 einen Zuwachs von insgesamt 7,2 Prozent und sind damit der Bereich mit der höchsten Steigerungsrate im laufenden Doppelhaushalt überhaupt. Der Freistaat Bayern räumt den Hochschulen gegenüber allen anderen Bereichen des Staates eine bevorzugte Behandlung im Fall von Einsparverpflichtungen im laufenden Doppelhaushalt ein. Der Freistaat sichert den Hochschulen für die Jahre 2005/2006 insgesamt 180 Mio. Euro aus dem "Investitionsprogramm Zukunft Bayern" zu. Die Hochschulen ihrerseits verpflichten sich, aktiv an der Optimierung der bayerischen Hochschullandschaft mitzuwirken. Als Drehscheibe für die Verteilung frei werdender Ressourcen steht der ebenfalls im Innovationsbündnis verankerte "Innovationsfonds" zur Verfügung. Ferner wird Bayern im neuen Hochschulgesetz die Autonomie der Hochschulen stärken und ihnen ein hohes Maß an Gestaltungsspielräumen eröffnen. Goppel: "Mit diesen drei Säulen schaffen wir klare Perspektiven für eine erfolgreiche Zukunft unserer Hochschulen."

Mit der heute vom Kabinett getroffenen Entscheidung, die mit den Hochschulen abgestimmt ist und der der Hochschulausschuss des Bayerischen Landtags zugestimmt hat, sollen in folgenden 30 Studiengängen bzw. -fächern künftig keine neuen Studierenden mehr aufgenommen werden:

Universität Bamberg

  • Diplomstudiengang VWL (unter Beibehaltung des parallel angebotenen Bachelor-/Masterstudiengangs European Economic Studies)

 

  • Diplomstudiengang Soziale Arbeit (Fachhochschul-Studiengang, der an die Fachhochschule Coburg verlagert werden soll)

 

  • Musikwissenschaftliche Magisterfächer (unter Verlagerung nach Würzburg vor dem Hintergrund der dortigen Bündelung der fränkischen Musikwissenschaft)

Universität Bayreuth

  • Studiengänge für
    -das Lehramt an Grundschulen und
    -das Lehramt an Hauptschulen

Universität Erlangen - Nürnberg

  • Assyriologie (Magister-Fach)

 

  • Musikwissenschaften (Magister-Fach) (unter Verlagerung nach Würzburg vor dem Hintergrund der dortigen Bündelung der fränkischen Musikwissenschaft)

 

  • Slavistik (Fach im Magisterstudiengang) bzw. Russisch (Fach im Lehramtsstudiengang Gymnasium) (unter Verlagerung nach Bamberg)

Universität München

  • Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (Magister Haupt- und Nebenfach) (unter Verbindung mit dem Fach Geschichte)

 

  • Logik und Wissenschaftstheorie (Magister Haupt- und Nebenfach) (unter verstärkter Berücksichtigung der Logik und Wissenschaftstheorie im Bachelorstudiengang Philosophie sowie in der Masterausbildung)

 

  • Philologie des christlichen Orients (Magister Haupt- und Nebenfach) (unter Eingliederung in die Gruppe der Nahöstlichen Kulturen und Vernetzung mit anderen Fächern)

 

  • Semitistik (Magister Haupt- und Nebenfach)

 

  • Hethitologie (Magister Haupt- und Nebenfach)

 

  • Sprechwissenschaft (Psycholinguistik) (Magister Haupt- und Nebenfach)

 

  • Theoretische Linguistik (Magister Haupt- und Nebenfach)

 

  • Balkanphilologie (Magister Nebenfach)

 

  • Lateinische Philologie des Mittelalters (Magister Haupt- und Nebenfach) (unter Neuordnung des Fachs Latinistik)

 

  • Meteorologie (Diplom) (unter Überführung in einen Masterstudiengang aufbauend auf einen physikalischen Bachelorstudiengang)

 

  • Geologie / Paläontologie (Diplom)´
    Geophysik (Diplom)
    Mineralogie (Diplom)
    (unter Überführung in einen gemeinsamen Bachelorstudiengang mit fachlicher Differenzierung auf Masterebene)

 

  • Wirtschaftsgeographie (Diplom, Magister Nebenfach) (unter Eingliederung in die Geographie und Umstellung auf ein Bachelor-Master-Modell)

 

  • Geographie (Diplom) (unter Umstellung auf ein Bachelor-/Mastermodell)

Universität Passau

  • Geographie (Magister) (unter Konzentration auf die Lehramtsstudiengänge)

 

  • VWL (Diplom)

Universität Regensburg

  • Geographie / Erdkunde (Diplom, Magister, Lehramtsfächer)

 

  • Soziologie (Magister Haupt- und Nebenfach)

Universität Würzburg

  • Mineralogie und Kristallstrukturlehre (Diplom) (unter Verlagerung an die Universität Erlangen-Nürnberg)

 

  • Geologie-Paläontologie (Diplom) (unter Verlagerung an die Universität Erlangen-Nürnberg)

Zu der ebenfalls zur Diskussion stehenden Einstellung des Lehramtsstudiums Grund- und Hauptschule an der Universität Regensburg wurde gemeinsam mit der Universität Regensburg eine alternative Konzeption gebildet, mit der in veränderter Form die Lehrerbildung gestärkt werden soll. Das Konzept sieht eine zukunftsorientierte Fortentwicklung der Lehramtsausbildung mit Schwerpunktsetzung auf naturwissenschaftliche und technische Ausbildungsinhalte vor. Goppel: "Wir sind uns nach einer sorgfältigen Abwägung aller Belange einig, dass diese zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Grund- und Hauptschullehrerausbildung in Regensburg der richtige Weg ist."


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