Interessenkonflikt

Im Ringen um Transparenz

Nebentätigkeiten von Professoren provozieren immer wieder in der Öffentlichkeit Zweifel über die Unabhängigkeit der Forschung. Der Deutsche Hochschulverband fordert mehr Transparenz. Doch die Hochschulen hierzulande verweisen an die Gesetzgeber der Länder. Ein Vorstoß kommt jetzt aus der Schweiz. Von Michael Lünstroth

12.06.2017 Bundesweit Artikel DUZ - Magazin für Wissenschaft und Gesellschaft
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Fälle wie diese: 2016 erhielt ein Professor der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) von einem Pharmaunternehmen ein Jahreshonorar von 43 500 Euro. Der MHH war das zu viel, sie legte eine Maximalgrenze von 25 000 Euro fest. Seither streitet sich die Hochschule mit dem Arzt vor dem Arbeitsgericht. Und 2013 verschwieg ein Wissenschaftler der Technischen Hochschule (TH) Nürnberg, dass er als Marketingberater 900 000 Euro kassiert hatte; inzwischen hat er die TH Nürnberg verlassen.

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag aus der aktuellen Ausgabe der Deutschen Universitätszeitung (duz).

Die Nebentätigkeiten von Professorinnen und Professoren geben immer wieder Anlass zu öffentlichen Diskussionen. Auch, weil etliche Landesrechnungshöfe festgestellt haben, dass sich sehr viele Hochschullehrer etwas dazuverdienen. Der Nebenjob an sich ist nicht das Problem, es ist die Möglichkeit versuchter Einflussnahme. Wenngleich die Regelung in Deutschland Ländersache ist und es im Detail Unterschiede gibt, so lassen sich drei Grundsätze ausmachen. Erstens: Die Aufgaben in Forschung, Lehre und Verwaltung dürfen unter einer Nebentätigkeit nicht leiden. Zweitens: Ein Arbeitstag pro Woche in einer anderen Tätigkeit ist für die meisten Länder in Ordnung. Drittens: Hochschullehrer, die eine Nebentätigkeit aufnehmen wollen, müssen in der Regel einen Antrag von der Hochschulleitung genehmigt bekommen.

In der Schweiz gibt es seit diesem Jahr an der Universität Zürich einen Vorstoß, die Interessenbindungen über die Homepage offenzulegen (s. Interview). Für Dr. Michael Hartmer, Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbands (DHV), ist das ein guter Weg. „Das Modell ist ein Schritt in die richtige Richtung. Transparenz ist vor allem dort angezeigt, wo die Unparteilichkeit der Wissenschaft gefährdet sein könnte“, sagt er. Der DHV gab 2012 eine entsprechende Resolution heraus, geändert hat sich aber nichts. Zum Bedauern von Hartmer: „Eine Lösung wie in Zürich ist auch in Deutschland möglich. Insofern sind jetzt die Gesetzgeber in den Ländern am Zug.“

Die Hochschulen selbst drängt es nicht, das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen. So antworteten von sechs angefragten Universitäten lediglich zwei auf die Fragen der duz. Nach Angaben der Uni Konstanz müssten die Professoren ihre Nebentätigkeiten an die Personalabteilung melden. Diese sowie das Justiziariat der Uni überwachten die Einhaltung der Regeln, „eine automatische Kontrolle gibt es aber nicht“, sagt Sprecherin Julia Wandt. Ein Transparenzvorstoß wie in Zürich sei in Baden-Württemberg aus rechtlichen Gründen nicht möglich, das ergebe sich aus den gültigen Landesregelungen. „Eine Universität erhält nur die nebentätigkeitsrechtlich relevanten Informationen, darf diese aber aus Gründen des Personendatenschutzes nicht publik machen“, sagt Wandt. Nicht viel anders sieht es an der Technischen Universität München aus. Nebentätigkeitsgenehmigungen werden auf bis zu fünf Jahre erteilt, darüber hinaus existiert seit 2011 ein Code of Conduct für Fundraising und Forschung, sagt Sprecher Dr. Ulrich Marsch.

Dr. Uwe Kamenz, Professor für Wirtschaftswissenschaft an der Fachhochschule Dortmund, bringt eine Lösung auf freiwilliger Basis ins Gespräch. „Innerhalb unserer Community wäre es ohne großen Aufwand möglich, die Nebentätigkeiten von den erfassten rund 40 000 Professoren eingeben zu lassen und dann zu publizieren. Was fehlt, ist die Motivation der Professoren, der mediale oder pekuniäre Anreiz.“ Kamenz führt weiter aus: „Die im Vergleich zur Wirtschaft immer schlechtere Bezahlung der Professoren führt zum Beispiel in Ballungsräumen dazu, Nebentätigkeiten annehmen zu müssen, wenn man seinen sozialen Status halten will.“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat einen eigenen Vorschlag. Sie fordert, die Nebeneinkünfte der Professoren in den Jahresberichten der Hochschulen zu veröffentlichen. Aber auch das hat bislang noch keine Hochschule umgesetzt.

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