Kongress "Hochschule 2012" der Landesregierung

Der Anstieg der Studierendenzahlen erfordert den Ausbau der Hochschulen und Berufsakademien im Land. Diese Entwicklung soll sich am Bedarf des künftigen Arbeitsmarktes orientieren und in mehreren Schritten ab 2007 über fünf Jahre erfolgen. Dies ist der Gegenstand des Kongresses "Hochschule 2012" der Landesregierung am 23. Februar 2006 in Stuttgart.

23.02.2006 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

"Wir werden für die stark wachsende Zahl junger Menschen mit Studienberechtigung eine berufliche Perspektive schaffen, sei es in der Berufsausbildung, im dualen System der Berufsakademien oder in einem Hochschulstudium. In allen drei Segmenten werden zusätzliche Angebote gebraucht. Dazu ist der Schulterschluss mit der Wirtschaft nötig", betonte Ministerpräsident Günther H. Oettinger anlässlich des Kongresses. Die um rund 30 Prozent steigende Nachfrage nach Studienplätzen sei "eine Herausforderung an die Bildungspolitik, aber viel mehr noch eine große Chance, um frühzeitig einem Mangel an Fachkräften mit akademischem Abschluss vorzubeugen", erklärten Ministerpräsident Günther H. Oettinger und Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg.

Der Stuttgarter Kongress mit rund 400 Experten aus Hochschulen, Unternehmen, Verbänden und Politik ist der erste bundesweit, der sich mit den Folgen der demografischen Entwicklung für Bildungseinrichtungen und Arbeitsmarkt befasste. Nach den neuesten Zahlen des Statistischen Landesamtes wird die Zahl der Studienberechtigten, die von 2000 bis 2005 schon um mehr als 20 Prozent auf fast 52.000 gestiegen war, bis zum Jahr 2011 auf rund 64.000 (plus 25 Prozent) ansteigen und 2012 mit dem doppelten Abiturientenjahrgang auf einen Spitzenwert von 87.000 potentiell Studienberechtigten hochschnellen, um dann bis 2020 bei 60.000 zu verharren. Obwohl nicht alle Studienberechtigten ein Studium an einer Hochschule oder Berufsakademie aufnähmen, werde doch die Zahl der Studienanfänger im Land - derzeit gut 56.000 einschließlich ausländischer Studierender - bis zum Jahr 2012 voraussichtlich auf über 75.000 steigen, erläuterte Wissenschaftsminister Frankenberg. Gleichzeitig mit dem starken Anstieg der Studierendenzahlen ist ab 2015 mit einer wachsenden Lücke an akademisch qualifizierten Fachkräften zu rechnen vor allem durch das altersbedingte Ausscheiden stärkerer Jahrgänge aus dem Berufsleben.

"Die hohe bildungs- und wirtschaftspolitische Bedeutung dieser Entwicklung muss uns allen bewusst werden. Das gilt auch für die Tatsache, dass es zum Ausbau der Bildungsangebote - im Interesse der jungen Menschen wie auch im gesamtwirtschaftlichen Interesse - keine Alternative gibt. Ziel des Kongresses ´Hochschule 2012´ ist es, mit den Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Handlungsoptionen zu diskutieren", betonte Ministerpräsident Oettinger. Beiträge der Wirtschaft zur Lösung der Aufgabe seien vielfältig denkbar: durch Angebote im Bereich der beruflichen Bildung, durch Ausbau der Studienplätze an Berufsakademien, durch Stiftungsprofessuren, finanziell dotierte Patenschaften für spezielle Studienangebote oder durch Kooperationen zwischen Unternehmen und Hochschulen.

Notwendig sei ein Masterplan für den Ausbau von Studienangeboten in solchen Berufsfeldern, in denen mittel- und langfristig vorrangig Arbeitskräfte benötigt werden, sagte Ministerpräsident Günther H. Oettinger. Im Dialog mit der Wirtschaft, mit Bildungs- und Arbeitsmarktexperten ließen sich Fächer und Fächergruppen bestimmen, die für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung besonders bedeutsam seien und in denen ein Fachkräftemangel drohe. Auf solche Fächer und Fächergruppen müsse sich der Ausbau der Studienplatzressourcen konzentrieren.

Wissenschaftsminister Frankenberg kündigte an, dass der Aufbau zusätzlicher Ausbildungsplätze im tertiären Bereich ab 2007 in Tranchen erfolgen soll, um dem Spitzenbedarf ab 2012 gerecht zu werden. "Wir wollen in den nächsten Monaten inhaltliche und finanzielle Rahmenbedingungen definieren und Ausschreibungen über einige Jahre durchführen, so dass die Hochschulen und Berufsakademien sowie Unternehmen konkrete Vorschläge für den Ausbau von Kapazitäten machen können."

Das Angebot zusätzlicher Studienplätze setzt nach den Worten Oettingers voraus, dass ausreichende Planungssicherheit für das bestehende Studienplatzangebot besteht. "Notwendig ist deshalb eine Fortschreibung des in diesem Jahr auslaufenden Solidarpakts unter Einbeziehung der Rahmenbedingungen für den Studienplatzausbau." Ein solcher neuer Solidarpakt solle verbindliche Spielregeln enthalten etwa für den Erhalt der bisher an den Standorten vorhandenen Studienanfängerplätze auch bei Umstellung auf die neuen Bachelor-/Master-Studiengänge.

"Zu einem solchen Pakt für den Hochschulausbau gehört auch das Bemühen um eine Steigerung der Effizienz für die Hochschulen, etwa durch verbesserte Abstimmung in Hochschulregionen. Dadurch werden die Hochschulen angemessene Eigenbeiträge bei der Erweiterung von Studienangeboten leisten können", betonten Ministerpräsident Günther H. Oettinger und Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg. Unverzichtbar sei auch der Aufbau eines professionellen Führungsinformationssystems, um Transparenz über Qualität und Quantität in den verschiedenen Leistungsbereichen der Hochschulen herzustellen. "Wir brauchen ein umfassendes Qualitätssicherungssystem mit interner und vergleichender externer Evaluation, deren Ergebnisse dann mit dem Finanzierungssystem verknüpft werden können."

Hinweis an die Redaktionen:

Verlauf und Ergebnisse des Kongresses "Hochschule 2012" mit den drei Foren zu den Themen Arbeitsmarkt, Wirtschaft, Finanzierung und Qualität der Hochschulen werden in einem Dokumentationsband veröffentlicht. Fotos von dem Kongress finden sich aktuell unter www.mwk.baden-wuerttemberg.de.


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