Deutscher Bundestag

Linke wollen Promotionsverfahren transparenter gestalten

(hib/ROL) - Das Promotionswesen in Deutschland muss reformiert werden. Das fordert die Linke in ihrem Antrag "Arbeitsbedingungen und Berufsperspektiven von Promovierenden verbessern" ([17/11044](http://dip.bundestag.de/btd/17/110/1711044.pdf)). Schätzungen im Rahmen des Bundesberichtes Wissenschaftlicher Nachwuchs gingen davon aus, dass etwa zwei Drittel der angestrebten Promotionen nicht erfolgreich abgeschlossen würden. Auch seien die Einkommensverhältnisse der Promovierenden oftmals "prekär".

23.10.2012 Pressemeldung Deutscher Bundestag

Die Fraktion bemängelt zudem, dass bereits die Zugangswege zur Promotion intransparent sind. Außerhalb strukturierter Programme verliefen die Auswahlverfahren auf informellem Wege – etwa über die persönliche Ansprache von Professorinnen und Professoren. Dieses von persönlichen Kontakten abhängige Verfahren schließe einerseits viele Absolventen ganz aus, schränke andererseits die Möglichkeit der Begünstigten ein, ein eigenständiges Projekt einzureichen. Der Wissenschaftsrat weise in seiner Stellungnahme zur Qualitätssicherung in der Promotion darauf hin, dass die Hochschullehrer bei der Annahme von Promovierenden zumeist gleichzeitig auch ihre Angestellten auswählen. Um das Auswahlverfahren zu objektivieren, empfehle der Wissenschaftsrat, Promotionsstellen auszuschreiben, die Auswahlentscheidung zudem in die Hände der Fakultäten zu legen und die Kriterien transparent zu gestalten.

Die Linke fordert die Bundesregierung auf, sich in den Steuerungsgremien für die außeruniversitären Forschungsorganisationen, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Begabtenförderwerke sowie der Akademien für verbesserte Standards der Promotionsförderung einzusetzen. Nach Auffassung der Linken gehört dazu die flächendeckende Einführung objektivierter Zugangsverfahren zur Promotion. Ferner spricht sich die Fraktion dafür aus, einen Entwurf für eine Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes vorzulegen. Außerdem fordert sie in ihrem umfangreichen Katalog die empirischen Erkenntnisse, also die Erhebung von Daten über die Promotionstätigkeit im deutschen Wissenschaftssystem zu verbessern.

Etwa 200.400 Promovierende forschten nach einer Studie des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2010 an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Davon waren etwa 104.000 formell als Promotionsstudierende eingeschrieben. Trotz eines Anstiegs der Stipendien und anderer Finanzierungsinstrumente befanden sich 83 Prozent der Promovierenden in einem Beschäftigungsverhältnis in Hochschulen, Forschungseinrichtungen oder bei privaten und sonstigen Arbeitgebern.

Ansprechpartner

Deutscher Bundestag

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden