Philologen-Verband und Landeselternschaft der Gymnasien: Debakel droht - 2013 großer Mangel an Studienplätzen
Der Doppelabiturjahrgang in Nordrhein-Westfalen steuert auf eine Katastrophe zu. Der nordrhein-westfälische Philologen-Verband und die Landeselternschaft der Gymnasien schlagen Alarm. Sie befürchten, dass die bereits heute prekäre Studienplatzsituation im nächsten Jahr eskalieren wird.
26.04.2012 Pressemeldung Philologenverband NRW (PhV NRW)Nach aktuellen Angaben der Kultusministerkonferenz vom Januar 2012 und Daten des Zentrums für Hochschulentwicklung (CHE Consult) liegt die Zahl der Studienanfänger für NRW 2013 bei 130.433 und damit um 20.000 Studierende höher als die Berechnungen der Landesregierung.
Der Philologen-Verband wie auch die Landeselternschaft machen seit Jahren auf die Notwendigkeit aufmerksam, hinreichende Studienplätze zu schaffen. Die Landesregierung bleibt tatenlos. Man verweist auf ein Hochschulmodernisierungsprogramm für die nächsten Jahre, auf die Anmietung und den Bau von Gebäuden, den Ausbau studentischer Versorgungseinrichtungen wie Mensen und Wohnheimen, den Ausbau des Fachhochschulangebotes und die Verbesserung bei der Studienberatung. Doch löst dies alles nicht die drängenden Probleme.
Um dem Ansturm zu begegnen, schrauben die Universitäten den Numerus clausus in extreme Höhen. Um beispielsweise das Fach Deutsch für das Lehramt "Gymnasium/Gesamtschule" zu studieren, benötigte man im letzten Wintersemester zum Beispiel in Duisburg und Münster einen Abiturdurchschnitt von 2,2, in Dortmund von 1,8 und in Bielefeld von 1,6; für Englisch in Duisburg und Siegen benötigte man 2,2, für Mathematik in Münster 2,0, in Köln 1,8 und in Aachen 1,7. Auch diese Entwicklung hält viele junge Menschen davon ab, ein Lehramtsstudium aufzunehmen.
"Sich vorzustellen, die Schulzeitverkürzung unter größten Mühen und Beanspruchungen für alle Beteiligten umgesetzt zu haben, und im nächsten Jahr durch den massiven Mangel von Studienplätzen vor die Wand zu laufen, ist unerträglich und ein Super-Gau für Eltern und Schüler. Es ist zynisch, die jungen Menschen damit zu vertrösten, sie könnten ja irgendwo, irgendwas, irgendwann studieren.", kritisiert Peter Silbernagel, Vorsitzender des nordrhein-westfälischen Philologen-Verbandes.
Seit 2009 liegen die Studienanfängerzahlen für Nordrhein-Westfalen oberhalb der Prognose der Kultusministerkonferenz. Der ursprünglich für den doppelten Abiturjahrgang 2013 errechnete Wert wurde bereits im letzten Jahr übertroffen.
Philologen-Verband und Landeselternschaft fordern mit Nachdruck ein, dass man die Probleme endlich ernst nimmt.
Der stv. Vorsitzende der Landeselternschaft der Gymnasien und Vorsitzender des für den Doppeljahrgang zuständigen Fachausschusses, Ralf Leisner: "Was nutzt uns eine Studienberatung, die um je eine Stelle pro Hochschule ausgeweitet wird, wenn diese unseren Kindern nur Frustrierendes vorzutragen vermag. Seit Jahren legen wir unsere Finger in die Wunde, mahnen und warnen. Und die Politik relativiert nur die Befürchtungen, wartet ab und hofft auf ein Wunder."
Die Politik muss jetzt schnellstens reagieren und der neu gewählte Landtag diese Thematik schul- und hochschulpolitisch mit höchster Priorität versehen!
Keine Kommentare vorhanden