Politik muss endlich die Lehren aus dem Scheitern des Bologna-Prozesses ziehen!

Heftige Kritik hat der DPhV-Bundesvorsitzende Heinz-Peter Meidinger daran geübt, dass weder die Kultusminister- noch die Hochschulrektorenkonferenz und das Bundesbildungsministerium bislang die notwendigen, umfassenden Konsequenzen aus dem bisherigen offenkundigen Scheitern des Bolognaprozesses zögen.

10.12.2009 Pressemeldung Deutscher Philologenverband (DPhV)

Alle großen angestrebten Ziele der Bolognareform mit der Einführung gestufter Studiengänge seien gescheitert: Es habe sich weder mehr Mobilität innerhalb Deutschlands für Studenten ergeben noch sei die Möglichkeit, ins Ausland zu wechseln, verbessert worden. Die Studienzeiten hätten sich in vielen Studiengängen verlängert statt verkürzt und die Studienabbrecherquoten in den Bachelor-Studiengängen seien gestiegen statt gesunken. Zudem gebe es nach wie vor – trotz gegenteiliger Behauptungen der Bolognaanhänger – auf dem Arbeitsmarkt viel zu wenige, der akademischen Ausbildung entsprechend adäquat bezahlte, Stellenangebote für Bachelorabsolventen.

Gleichzeitig beschuldigte der Verbandsvorsitzende die Verantwortlichen für diese verfehlte Politik der ´systematischen Verantwortungsverschleierung´: "Es ist geradezu grotesk, wie heute die Hauptverantwortlichen für den Bologna-Scherbenhaufen wie Hochschulrektorenkonferenz, Wissenschaftsrat und KMK ständig ihr großes Verständnis für die Studentenproteste bekunden. Als vor acht Jahren in Deutschland die Bolognareform in die Umsetzungsphase ging, sind die warnenden Stimmen des Hochschulverbands und des Philologenverbands als ewiggestrig abgetan worden, obwohl wir schon damals die entscheidenden Kritikpunkte klar benannt haben: Verschulung, mangelnde Akzeptanz des Bachelorabschlusses im In- und Ausland, Gefahr steigender Studienabbruchquoten, Abschaffung bewährter Abschlüsse wie Diplom und Staatsexamen. Die derzeitige Nichtanerkennung des deutschen Bachelor in den USA bei gleichzeitiger Kürzung der Studiendauer und des Gymnasiums war bereits absehbar!"

Die Vorschläge der heute tagenden Kultusministerkonferenz zur Korrektur des Bolognaprozesses nannte Meidinger "viel zu kurz gegriffen". Eine nun mögliche Verlängerung des Bachelorstudiums bei gleichzeitiger weiterer Deckelung der Gesamtstudiendauer auf 5 Jahre würde nicht nur die Mobilität innerhalb Deutschlands noch weiter einschränken, weil dann beispielsweise nach einem achtsemestrigen Bachelor kein Wechsel mehr in einen viersemestrigen Master möglich wäre, sondern auch einen massiven Qualitätsverlust in den in der Folge zu kürzenden Master-studiengängen bedeuten, so Meidinger. Er forderte dazu auf, die Beschränkung der Gesamtstudiendauer auf 5 Jahre aufzuheben. In einer weiteren Revision von Bologna müsse insbesondere die Wiedereinführung des Diplomabschlusses in den technisch-naturwissenschaftlichen Studiengängen erreicht und die seit der Studienreform völlige Zersplitterung und Atomisierung der Lehramts-studiengänge an deutschen Universitäten beseitigt werden. Einer Abschaffung der Akkreditierungsverfahren erteilte der Verbandsvorsitzende aber eine Absage: "Ich glaube nicht, dass sich die Situation an den Hochschulen verbessert, wenn wir die Verantwortung für die Gestaltung der Studiengänge völlig in die Hand der Professoren und Universitäten legen. Erfahrungsgemäß nimmt dann die Vergleich-barkeit eher ab als zu!"

Abschließend ermahnte er die Bildungspolitik, die Lehren aus den Erfahrungen mit verfehlten Reformen wie der gymnasialen Schulzeitverkürzung und dem Bologna-Desaster zu ziehen: "Überhastete Reformen nach dem Vorbild anderer Länder, die unbesehen auf Deutschland übertragen werden, bergen die Gefahr, dass sich statt Verbesserungen massive Verschlechterungen einstellen!"


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