Studie

Private Hochschulen als mögliche Wegbereiter für Chancengleichheit

Wer als Erste oder Erster in der Familie studiert, steht häufig vor einem doppelten Aufbruch: dem in die akademische Welt und dem aus traditionellen Milieus heraus.

13.11.2025 Bundesweit Pressemeldung IU Internationale Hochschule
  • Junge Leute sitzen in einem Meeting und brainstormen. © www.pixabay.de Private Hochschulen können entscheidend zur sozialen Durchlässigkeit im deutschen Bildungssystem beitragen.

Das Forschungsprojekt „FIPHO – First Generation Studierende als Zielgruppe privater Hochschulen“, das an der IU Internationalen Hochschule in Kooperation mit der Universität Magdeburg durchgeführt wird, beleuchtet diesen Übergang. Ein vorläufiges Ergebnis der Untersuchung: Private Hochschulen können entscheidend zur sozialen Durchlässigkeit im deutschen Bildungssystem beitragen. 

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Projekts untersuchen Prof. Dr. Stefanie Kessler und ihr Team, wie private Hochschulen Studierende der ersten Generation – also junge Menschen ohne familiäre Hochschulerfahrung – in ihrem Bildungsweg unterstützen. Erstmals werden dabei strukturelle, habituelle und organisationale Faktoren privater Hochschulen systematisch analysiert. „An der IU sind rund 70 Prozent der Studierenden die ersten in ihrer Familie, die ein Studium aufnehmen“, konstatiert Prof. Dr. Kessler. „Das zeigt, dass private Hochschulen längst keine elitären Inseln mehr sind, sondern Orte der Öffnung und des sozialen Aufstiegs“, so die Professorin für Soziale Arbeit weiter. 

Studienberatung als Schlüsselfaktor

Die qualitative Erhebung, die sich über drei Teilprojekte erstreckt, kommt zu einem weiteren zentralen Ergebnis: Die Studienberatung privater Hochschulen spielt eine Schlüsselrolle beim Hochschulzugang. Viele Erstakademiker:innen erfahren erstmals echte Unterstützung bei der Bewerbung und Zulassung, eine „positive Resonanzkette“, wie Prof. Dr. Kessler es nennt. Bewerbungen werden ernst genommen, Rückmeldungen erfolgen schnell, die Beratenden begleiten den Prozess bis zur Immatrikulation persönlich. Doch der Erfolg in der Eingangsphase birgt auch einen Bruch: „Mit dem Studienstart endet diese intensive Betreuung abrupt“, sagt Prof. Dr. Kessler. Für viele First-Generation-Studierende entstehe dann eine Lücke. Sie fühlten sich plötzlich allein. Studienbegleitungen seien oft stark standardisiert und weniger empathisch ausgerichtet, wodurch sich Enttäuschung und Orientierungslosigkeit verstärken könnten.

Zwischen Praxisnähe und akademischem Habitus

Das Projekt untermauert ebenso, dass private Hochschulen – insbesondere mit dualen und praxisorientierten Studienmodellen – strukturell besser auf die Bedürfnisse nichttraditioneller Studierender reagieren können. Die Nähe zu Unternehmen, die klare Anwendungsorientierung und der Verzicht auf NC-Hürden senken Barrieren. Gleichwohl bleiben laut Prof. Dr. Kessler „implizite Erwartungen an den akademischen Habitus“, die für First-Generation-Studierende zu Stolpersteinen werden können. Hier sieht sie einen Reformbedarf: „Die Passung zwischen Hochschulstrukturen und Bildungsbiografien muss aktiv gestaltet werden – mit mehr Reflexion über Lehrkulturen, differenzierter Betreuung und gezielter Förderung.“

Fest steht: Private Hochschulen haben sich in den vergangenen Jahren von einem Nischensegment zu einem zentralen Element des deutschen Hochschulsystems entwickelt. Rund dreizehn Prozent¹ aller Studierenden sind inzwischen an privaten Einrichtungen eingeschrieben. 

Über das Projekt FIPHO

Das Verbundprojekt FIPHO („First Generation Studierende als Zielgruppe privater Hochschulen – Formen und Bedingungen organisationaler Unterstützung“) läuft noch bis Mitte 2026 und wird vom BMFTR im Rahmen der Förderlinie „Nichtstaatliche Hochschulen“ finanziert. Ziel ist es, Handlungsempfehlungen für Hochschulleitungen, Politik und Studienberatung zu entwickeln.

Hinweis für Redaktionen: FIPHO-Fachtagung in Hannover

Im Rahmen des Forschungsprojekts FIPHO findet von 26. - 27. November 2025 die gleichnamige Fachtagung am Standort der IU Internationalen Hochschule Hannover statt. Dort werden erste Ergebnisse und Perspektiven zur Förderung von First-Generation-Studierenden vorgestellt und diskutiert. 

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt und zur Fachtagung unter: 
https://www.iu.de/forschung/projekte/fipho/
https://www.iu.de/forschung/fachtagungen/fipho/


Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden