Studienreform des HWI
Das Wirtschaftsingenieur-Studium soll in Hamburg zukünftig in zwei unterschiedlichen Modellen im Bachelor-Master-Studiensystem angeboten werden. Statt des bislang von Universität, Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) und Technischer Universität Hamburg-Harburg (TUHH) angebotenen "Hochschulübergreifenden Studiengangs Wirtschaftsingenieur" (HWI) soll es zukünftig einen konsekutiven Wirtschaftsingenieur (Master) an der TUHH und einen integrierten, von Universität und HAW gemeinsam verantworteten Wirtschaftsingenieur (Bachelor und Master) geben.
05.10.2006 Hamburg Pressemeldung Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung Hansestadt HamburgWissenschaftssenator Jörg Dräger: "Mit dem neuen Konzept für das Wirtschaftsingenieur-Studium wird das Potenzial des Bachelor-Master-Systems voll genutzt: Zwei unterschiedlich profilierte Studiengänge bieten mehr Wahlmöglichkeiten für Studierende. Der gemeinsame Wirtschaftsingenieur von HAW und Universität erhält die inhaltlichen Stärken des HWI, beseitigt aber dessen organisatorische Mängel. Der Wirtschafts-Master für Ingenieure ist inhaltlich spezialisiert, ergänzt das Studienangebot der TUHH und trägt damit zu ihrer Profilbildung bei."
Das integrierte Studienmodell an Universität und HAW sieht ein paralleles Ingenieur- und Wirtschaftsstudium an beiden Hochschulen in Bachelor und Master vor. Dabei übernimmt die HAW den ingenieurwissenschaftlichen Teil, die Universität den betriebswirtschaftlichen Teil der Ausbildung. Schnittstellen zwischen zwei ingenieurwissenschaftlichen Studienteilen an HAW und TUHH wie im alten HWI werden vermieden. Dieses Studium zeichnet sich durch einen stärker berufsqualifizierenden Bachelor und eine größere Bandbreite in der Betriebswirtschaft aus. Das neue Studienmodell könnte zum Wintersemester 2007/08 mit ca. 150 Studienanfängern starten.
Das konsekutive Studienmodell an der TUHH sieht zunächst ein sechssemestriges Bachelor-Studium in einem ingenieurwissenschaftlichen Fach vor. Daran schließt sich ein vier Semester dauerndes Master-Studium in Betriebswirtschaftslehre mit technischer Orientierung an. Diese international kompatible Struktur ermöglicht "echten" Bachelor-Ingenieurinnen und Ingenieuren, unternehmerische Qualifikationen zu erwerben. Damit bietet das konsekutive Modell BA-Absolventen der Ingenieurwissenschaften erweiterte Wahlmöglichkeiten: Neben den existierenden ingenieurwissenschaftlichen Master-Angeboten an der TUHH kommt nun (eine auf Ingenieure spezialisierte) Wirtschaft als neue Option hinzu. Der neue Master-Studiengang könnte zum Wintersemester 2007/08 an der TUHH mit 50 Studienanfängern starten.
Die Herausforderungen an ein verbessertes Modell für das Wirtschaftsingenieur-Studium bestanden vor allem darin, die Verantwortlichkeiten eindeutiger zu gestalten, die Organisation zu vereinfachen, die Schnittstellen zu minimieren und die Zahl der Studienorte zu verringern. Durch die Umsteuerung des bisherigen 20%-Anteils der TUHH am HWI in einen eigenständigen Master-Studiengang werden diese Anforderungen mit den Reformmodellen umgesetzt.
Warum eine Reform notwendig ist
Der Studiengang wurde 1974 als "Integrierter Studiengang Wirtschaftsingenieur" von der Universität Hamburg und der Fachhochschule Hamburg (heute HAW) gegründet. 1982 kam mit der TUHH ein dritter Partner hinzu, der "Hochschulübergreifende Studiengang Wirtschaftsingenieur" (HWI) wurde etabliert. Stärken des Studiengangs liegen vor allem in der fachlichen Breite, besonders durch den BWL-Anteil der Universität, eine gute Betreuung an der HAW sowie in dem lebendigen und produktiven Austausch zwischen den unterschiedlichen Hochschulkulturen von Universität und Fachhochschule. Bereits 1996 wurden Überlegungen zu einer umfassenden Reorganisation des HWI wegen erheblicher Schwierigkeiten mit der Organisationsstruktur angestellt. Eine Reform ist dringend notwendig, denn:
- Die Studienerfolgsquote liegt mit ca. 30 Prozent zu niedrig.
- Die Fachstudiendauer von ca. 13 bis 14 Semestern ist zu hoch.
- Der Studiengang ist unverhältnismäßig teuer, insbesondere im Verhältnis zu Studienerfolg und –dauer.
- Hinzu kommt die notwendige Umstellung auf das Bachelor-Master-Studiensystem, die jetzt eine Reform des HWI bedingt. Denn die heutige Struktur des Drei-Hochschulmodells ist nicht mit dem Bachelor-Master-System kompatibel.
Für die TUHH bietet sich zudem die Chance, ihre bereits heute im Northern Institute of Tech-nology (NIT) und der Hamburg School of Logistics (HSL) etablierten betriebswirtschaftlichen Master-Angebote zu bündeln und dadurch konkurrenzfähiger gegenüber den neun großen Technischen Universitäten in Deutschland (TU9) zu werden.
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