Thüringer Hochschulen: Sorge vor unzureichender Finanzierung ab 2027
Die GEW Thüringen sieht die Zukunft der Hochschulen im Land gefährdet: Trotz Dialogbereitschaft fehlen im Doppelhaushalt 2026/27 die Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung von Studium, Lehre und Forschung. Ein allein von Sparzwängen getriebener Umbau wäre bildungs- und strukturpolitisch fatal.
17.04.2026 Thüringen Pressemeldung GEW ThüringenDie Rahmenvereinbarung V+ mit den Hochschulen läuft Ende Dezember 2026 aus. Mit Blick auf den Doppelhaushalt 2026/2027 zeigt sich jedoch Ernüchterung bei vielen Akteur:innen der Thüringer Hochschullandschaft. Die Steigerungsrate für 2027 bleibt hinter den zu erwartenden Kostensteigerungen zurück, sodass das Geld für eine auskömmliche Finanzierung von Studium, Lehre und Forschung nicht ausreichen wird. Die wiederholt betonte Wertschätzung der Leistungsfähigkeit der Thüringer Hochschulstandorte und damit der Beschäftigten ist im aktuellen Konsolidierungsagieren der Landespolitik nicht erkennbar und entzieht den Hochschulen die Grundlage nachhaltig und langfristig zu wirtschaften. Die Hochschulen sind jedoch Schlüsselakteurinnen gesellschaftlicher, technologischer und wirtschaftlicher Transformation in Thüringen und müssen entsprechend im Landeshaushalt und in der Rahmenvereinbarung VI berücksichtigt werden.
Das Bildungsministerium hat einen Prozess gestartet, der Transparenz und Akzeptanz schaffen soll. Staatssekretär Teichert nimmt sich Zeit und ist an den Hochschulen vor Ort unterwegs. Auch bei diesen Terminen zeigt sich Ernüchterung, denn den „großen Wurf“ hat er nicht im Gepäck. Aber er regt zum Mitmachen an, lässt Hochschulleitungen und die Gremien vor Ort nicht außen vor und gibt Hausaufgaben auf. Die Hochschulen sind aufgefordert, gemeinsam mit ihren Gremien erste Konzepte zu entwickeln. „Das ist ein Ansatz, dem wir als Gewerkschaft durchaus folgen können – ein Ansatz, der unser Demokratieverständnis von Hochschulen stärkt und stützt“, so Katrin Glaser, zuständig für Hochschule und Forschung in der GEW Thüringen, dazu. Doch die entscheidende Frage bleibt: Reicht das aus?
An einer Reihe von Hochschulen finden seit geraumer Zeit bereits Konsolidierungsprozesse statt. Alleine werden die Hochschulen den Prozess einer nachhaltigen Weiterentwicklung nicht stemmen können. Bildungspolitik ist Landessache, eine aufgabengerechte Hochschulfinanzierung ist daher keine freiwillige Leistung, sondern Voraussetzung. Die Landesregierung trägt die Verantwortung dafür, dass Thüringen auch im Jahr 2040 ein leistungsfähiger, innovativer und attraktiver Wissenschaftsstandort bleiben kann.
„Für uns als Gewerkschafter:innen ist klar, dass es nicht nur um Geld gehen darf. Es braucht ein klares Bekenntnis zu Wissenschaft, Forschung und vor allem auch Lehre!“, so Glaser weiter. Aus Sicht der GEW sind stärkere inhaltliche Zielvorgaben seitens des Landes erforderlich. Und diese steuern nicht nur ein Staatssekretär oder ein Minister, eine Hochschulleitung oder eine Interessenvertretung, sondern alle am Hochschulwesen beteiligten Akteur:innen.
Ein übereilter, allein von Sparlogik getriebener Rückbau der Hochschullandschaft wäre nicht nur bildungspolitisch, sondern auch strukturpolitisch fatal. Denn Bildungspolitik ist immer auch Demokratiepolitik.
Über die GEW Thüringen
Als mitgliederstärkste Bildungsgewerkschaft Thüringens vertritt die GEW die Interessen derjenigen, die Bildung im Land tagtäglich tragen. Sie setzt sich für faire Arbeitsbedingungen, eine leistungsfähige Bildungsinfrastruktur und mehr Bildungsgerechtigkeit ein – in Kitas, Schulen, Hochschulen und weiteren Einrichtungen. Die GEW Thüringen ist Teil des Deutschen Gewerkschaftsbunds und eine zentrale Akteurin in bildungs- und tarifpolitischen Auseinandersetzungen. Vorsitzende ist Kathrin Vitzthum.
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