"Universitäten Marburg und Gießen bieten beste Voraussetzungen für die Etablierung Islamischer Studien in Hessen"
Die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann, unterstützt den gemeinsamen Antrag der Universitäten Marburg und Gießen beim Bundesministerium für Bildung und Forschung, Islamische Studien an den Hochschulen aufzubauen. Die Philipps-Universität Marburg und die Justus-Liebig-Universität Gießen bieten in Hessen beste Voraussetzungen, um sich für die Institutionalisierung Islamischer Studien und die beabsichtigte Etablierung eines bekenntnisorientierten Religionsunterrichts einzusetzen, sagte Kühne-Hörmann heute in Wiesbaden. Auch das Land werde erhebliche Mittel für den Aufbau und die Verstetigung dieses Projekts aufwenden.
10.09.2010 Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und KunstDiese Universitäten haben nach den Worten der Ministerin im Rahmen der regionalwissenschaftlichen Zentrenbildung des Landes seit 2006 geistes- und sozialwissenschaftliche Schwerpunkte für Kulturräume aufgebaut, aus denen die meisten Migranten islamischer Religion in Deutschland stammen, nämlich für den Nahen und Mittleren Osten, das östliche Europa, die Türkei und die islamisch geprägten Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion. Im Centrum für Nah- und Mitteloststudien in Marburg und im Gießener Zentrum Östliches Mitteleuropa sind daher die Bezugswissenschaften für Islamische Studien bereits in großer Breite vertreten, hob die Ministerin hervor und fügte hinzu: Beide Hochschulen engagieren sich außerdem mit einem breiten Fächerspektrum und Studiengängen für alle Schulstufen für die Lehrerbildung. Darüber hinaus sei die interdisziplinäre Religionsforschung ein ausgewiesener Schwerpunkt der Universität Marburg.
Kühne-Hörmann verwies auch auf das gute Zeugnis, das der Wissenschaftsrat bei seiner Überprüfung der geisteswissenschaftlichen Zentren in Hessen im Mai dieses Jahres diesem Konzept ausgestellt hatte. Das Gremium das die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung berät hatte unter anderem hervorgehoben, die Gründung regionenbezogener wissenschaftlicher Zentren an Hochschulen könne auch ein gutes Instrument sein, um den Fortbestand so genannter Kleiner Fächer in Forschung und Lehre sicherzustellen und im Zuge interdisziplinärer Kooperationen die Entwicklung innovativer Forschungsfragen und Studiengänge zu fördern.
In seinen Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen hatte der Wissenschaftsrat im Januar 2010 festgestellt, dass diese Felder der wachsenden Pluralität religiöser Bekenntnisse in Deutschland und der steigenden Nachfrage nach wissenschaftlicher Expertise zu Fragen der Religion Rechnung tragen sollten. Er empfiehlt, an ausgewählten staatlichen Universitäten, an denen bereits andere religionsbezogene Wissenschaften etabliert sind, Islamische Studien aufzubauen. Diese sollen Zentren islamisch-theologischer Forschung werden, eine zentrale Rolle bei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses spielen und islamische Religionslehrer und -lehrerinnen ausbilden.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung will den Aufbau solcher Zentren im Rahmen der Projektförderung unterstützen. Danach könnten an drei bis vier Hochschulen für jeweils fünf Jahre bis zu zwei Professuren und bis zu zwei Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter sowie für jeweils vier Jahre bis zu zwei Nachwuchsgruppen gefördert werden. Voraussetzungen für eine Bundesförderung sind ein etabliertes Fächerspektrum (Christliche Theologien, Islamwissenschaft, Religionswissenschaft, Lehramtsausbildung für die Sekundarstufe), ein tragfähiges Konzept für den Beirat zur Mitwirkung der islamischen Gemeinschaften und standortübergreifende Kooperationen. Für eine erste Auswahlrunde, die im Oktober stattfindet, soll jedes interessierte Bundesland einen Standort vorschlagen.
Der Antrag auf die Förderung der Einrichtung eines Instituts für Islamische Studien an der Philipps-Universität Marburg und für die Etablierung der Lehrerbildung für den bekenntnisorientierten Religionsunterricht in Hessen an der Philipps-Universität Marburg und der Justus-Liebig-Universität Gießen, den die beiden Hochschulen nun mit Unterstützung von Wissenschaftsministerin Kühne-Hörmann in Berlin stellen wollen, sieht vor, ein solches Institut mit sechs Professuren einzurichten, das mit den Bezugswissenschaften der beiden geisteswissenschaftlichen Zentren, den Theologien und weiteren Fächern kooperieren soll. Die Aktivitäten des Instituts werden in die bestehenden Strukturen der Universitäten, wie die Zentren für Lehrerbildung und die Graduiertenzentren zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses integriert. Die Nachwuchsgruppe, die die religiöse Praxis von Muslimen in Europa untersuchen wird, wird auf diese Weise zu einem Kern für die nachhaltige interdisziplinäre Ausbildung junger islamischer Theologen.
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