Unternehmer statt wissenschaftlicher Angestellter

Wer nach dem Studium den Schritt in die Selbstständigkeit wagen will, der kann unterdessen auf vielfältige Unterstützung hoffen: Beinahe jede Hochschule bietet ihren Absolventen und wissenschaftlichen Mitarbeitern vielfältige Hilfen und auch die Länder und der Bund spendieren Stipendien, Weiterbildung oder andere spezielle Programme für die zukünftigen Unternehmer.

07.02.2008 Artikel

Neben der Beratung und Unterstützung bei der Unternehmensgestaltung stellen die Hochschulen häufig auch Räume zu günstigen Konditionen zur Verfügung sowie die eigene Infrastruktur. Als einer der Pioniere gilt die Universität des Saarlandes. 1995 wurde hier das Starterzentrum gegründet. Mittlerweile haben mehr als 150 Existenzgründer von hier aus den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt, knapp 1000 Arbeitsplätze sind dabei entstanden.

Ranking: Welche Uni bietet die besten Chancen? Andere Hochschulen warten mit ähnlichen Programmen auf. Wie erfolgreich sie damit sind, versucht der Lehrstuhl für Wirtschaftsgeografie der Universität Regensburg in seinem jährlichen Universitäts-Ranking "Vom Studenten zum Unternehmer: Welche Universität bietet die besten Chancen?" herauszufinden. Die ersten drei Plätze von den 65 im Jahr 2007 untersuchten Hochschulen belegten die Bergische Universität Wuppertal, die Universität Potsdam und die Technische Universität Dresden.

Landesprogramme

Aber nicht nur einzelne Hochschulen kümmern sich um ihre Absolventen, auch so manches Bundesland fördert seine unternehmerisch ambitionierten Landeskinder. "Junge Innovatoren" heißt das baden-württembergische Förderprogramm für Hochschulabsolventen, bei dem die Gründer finanzielle Unterstützung zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes und ein begleitendes Coaching durch praxiserfahrene Experten aus der Wirtschaft erhalten. Auch hier konnten, so die Bilanz von Prof. Dr. Peter Frankenberg nach zehn Jahren, knapp 1.000 Arbeitsplätze geschaffen werden.

"Flügge" (Förderprogramm zum leichteren Übergang in eine Gründerexistenz) nennt sich ganz kess das bayerische Angebot für Absolventen und wissenschaftliche Mitarbeiter bayerischer Hochschulen, die mit einer innovativen Idee ein Unternehmen gründen wollen. Die Gründer können auf ein gesichertes Einkommen durch eine Halbtagsstelle an der Hochschule bauen, zugleich dürfen sie die Einrichtungen der Hochschule nutzen und werden in betriebswirtschaftlichen Fragen durch einen Coach und die Gründerbüros an den Hochschulen beraten.

Spezielle Angebote

Auch andere wissenschaftliche Einrichtungen beraten und helfen in Sachen Existenzgründung. So erhalten die Wissenschaftler der Max-Planck-Institute kompetente Unterstützung, wenn sie aus einer gesicherten Angestelltenposition den Schritt in die Unabhängigkeit wagen wollen. Der "Zentrale Technologie-Transfer" steigt bereits bei der ersten Unternehmensidee ein, hilft mit Evaluierung, bei der Business- und Finanzplanung, bei der Vermittlung von Netzwerkpartnern und dem Management-Coaching. Und die unternehmerischen Ambitionen und Kompetenzen von Nachwuchswissenschaftlerinnen aus der Nanotechnologie fördert das Karrierenetzwerk nano4women - Teil des Aktionsprogramms "Power für Gründerinnen" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Das Konzept: In Gründungs-Akademien werden die zukünftigen Unternehmerinnen fit gemacht für unternehmerisches Denken.

Forderung: Mehr Selbstverpflichtung der Gründer

Es scheint, als ob hierzulande dem wissenschaftlichen Nachwuchs bei der Existenzgründung die meisten Steine aus dem Weg geräumt würden. Wie erfolgreich die Jungunternehmer aber letztlich werden, das hat eine Studie des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Bundestag (TAB) im letzten Jahr untersucht. Demnach konnten die Unternehmensgründungen die in sie gesetzten Hoffnungen nur teilweise erfüllen. Wirkliche "Stars" seien selten, da sich die Mehrheit nicht zu großen Einheiten entwickle. Jedoch sei es durch gezielte Förderung möglich, ihren Anteil behutsam zu steigern, heißt es in der Untersuchung mit vorsichtigem Optimismus. Ein Umdenken sei auch in der Finanzierung nötig. Die Studie des TAB plädiert für weniger Förderinstrumente und für mehr Eigenkapital in der Gründungsfinanzierung und Darlehensförderung, um "das unternehmerische Engagement und die Selbstverpflichtung der Gründer zu steigern". Außerdem schlagen die Experten eine gründlichere Prüfung von kaufmännischen Kenntnissen bei der Existenzgründung vor und empfehlen, gründungswilligen Wissenschaftlern erfahrene Kaufleute an die Seite zu stellen. Auf diese Weise könne auch die Markttauglichkeit der wissenschaftlich oft vielversprechenden Produkte besser ausgelotet werden.

Dazu auf der didacta 2008 in Stuttgart

  • Hochschulen und Fachhochschulen stellen sich und ihre Angebote auf der Messe in Halle 9 vor.

Der Beitrag "Unternehmer statt wissenschaftlicher Angestellter" ist abgedruckt im Themendienst 2 zur didacta 2008, der zum Download (.pdf) bereitsteht unter


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Weiterführende Links

  • FLÜGGE
  • EXIST Gründerstipendium
  • nano4women
  • Ranking: Welche Uni bietet die besten Chancen? (pdf)

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