Debatte

ver.di fordert: Schluss mit dem Befristungsunwesen in der Wissenschaft

Anlässlich der heutigen Debatte im Deutschen Bundestag zu befristeten Arbeitsverträgen in der Wissenschaft (#ichbinhanna) bekräftigt die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) ihre Forderungen nach einer grundlegenden Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG).

24.06.2021 Bundesweit Pressemeldung Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di)
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Unbefristete Stellen müssten die Regel und nicht die Ausnahme sein, und die Tarifsperre müsse gestrichen werden. "Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler leiden unter immer neuen Kurzzeit-Arbeitsverträgen ohne verlässliche Perspektive. Von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) gab es in dieser Legislatur nur unverbindliche Ankündigungen und Aufrufe an Länder und Hochschulen", kritisiert Sylvia Bühler, für Bildung, Wissenschaft und Forschung zuständiges Mitglied im ver.di-Bundesvorstand. "Die nächste Bundesregierung muss das Thema frühzeitig angehen und das Befristungsunwesen in der Wissenschaft endlich abstellen. Dass neun von zehn wissenschaftlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nur einen Fristvertrag haben, ist nicht hinzunehmen."

ver.di fordert auch klare Mindeststandards für Doktorandinnen und Doktoranden: Sie bräuchten Arbeitsverträge, in deren Laufzeit sie ihre Promotion tatsächlich abschließen könnten. Stellen für Promovierte sollten in der Regel unbefristet sein. Wer sich nach der Promotion für eine wissenschaftliche Laufbahn entscheidet, braucht dafür auch klare Perspektiven.

Außerdem müsse die nächste Bundesregierung die Tarifsperre im WissZeitVG streichen, so Bühler weiter. "Es muss möglich sein, in einem Tarifvertrag die Beschränkung von befristeten Arbeitsverträgen auf ein nachvollziehbares Maß vorzunehmen. Gewerkschaftlich organisierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hier in ihren Rechten zu beschränken, ist nicht zu akzeptieren."

Hintergrund

2016 war das WissZeitVG novelliert worden mit dem Ziel, die Beschäftigungsbedingungen zu stabilisieren. Wie der im März dieses Jahres vom BMBF vorgelegte Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs zeigt, liegt der Anteil befristet Beschäftigter beim hauptberuflichen wissenschaftlichen und künstlerischen Personal unter 45 Jahre und ohne Professur (sogenannter wissenschaftlicher Nachwuchs) bei 92 Prozent und hat sich damit kaum verändert (2015: 93 Prozent).

Im den vergangenen zwei Wochen haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter dem Hashtag #IchbinHanna ihre Erfahrungen in der Wissenschaft geteilt. Anlass ist ein Erklärvideo des BMBF, in dem anhand einer Comicfigur namens Hanna der schnelle Wechsel des Personals als vorteilhaft für die Wissenschaft beschrieben wird, damit "nicht eine Generation alle Stellen verstopft". Der Hashtag #IchbinHanna schaffte es zeitweise auf Platz 1 der deutschen Twitter-Trends. Das Video ist vom BMBF inzwischen aus dem Netz genommen worden.


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