Verzahnung von Theorie und Praxis: Rheinland-Pfalz möchte das Angebot an dualen Studiengängen an Fachhochschulen sukzessive ausbauen

In Mainz hat heute die im vergangenen Jahr eingesetzte Landeskommission für duale Studiengänge ihre bisherige Arbeit resümiert.

21.10.2005 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, Rheinland-Pfalz (bis 11/06)

"Mich freut sehr, wie engagiert Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam an dem Ziel arbeiten, das Angebot an solchen Studiengängen in den nächsten Jahren auszubauen", kommentierte Professor Dr. E. Jürgen Zöllner, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, den Halbzeitbericht.

Duale Studiengänge kombinieren die berufliche Ausbildung mit einem wissenschaftlichen Studium an einer Fachhochschule. Innerhalb von drei bis vier Jahren erhalten die Absolventinnen und Absolventen zwei berufsqualifizierende, anerkannte Abschlüsse: den der Industrie- und Handelskammer (IHK)/Handelskammer (HWK) sowie den Fachhochschulabschluss - und bekommen dafür noch eine Ausbildungsvergütung von Seiten des Unternehmens.

Die Vorteile liegen auf der Hand. "Die Verzahnung von Studium und Ausbildung verkürzt die Gesamtausbildungszeit ganz erheblich. Das dient der oder dem Einzelnen ebenso wie es unserer Volkswirtschaft nutzt", sagte Zöllner.

Die intensive Verknüpfung von Theorie und Praxis verbessere die Qualifikation der Absolventinnen und Absolventen und damit ihre zukünftigen Arbeitsplatz- und Karrierechancen. Die Unternehmen wiederum erhielten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die schon während ihres Studiums die betrieblichen Abläufe kennen lernten.

Das Land habe deshalb ein Interesse daran, duale Studiengänge großflächig anzubieten, sagte Zöllner. Um dies zu erreichen, habe er, wie dies im rheinland-pfälzischen Hochschulgesetz vorgeschrieben sei, im vergangenen Jahr eine Landeskommission für duale Studiengänge eingesetzt. Ihr gehörten zehn staatliche Mitglieder, zehn Vertreter der Unternehmensseite, drei Gewerkschaftsrepräsentanten und drei Studierende an.

Gesetzlicher Auftrag der für drei Jahre eingerichteten Landeskommission sei es, Empfehlungen für die Einrichtung und Ausgestaltung der dualen Studiengänge sowie deren Änderung an die Fachhochschulen zu geben. Zugleich solle sie geeignete Instrumente für eine informative Öffentlichkeitsarbeit entwickeln, die sich gleichermaßen an die Unternehmen und an die Studierenden richte.

"Hier sind wir einen großen Schritt vorangekommen", resümiert Fritz Krieg, Leiter der Ausbildung der BASF Aktiengesellschaft und Vorsitzender der Landeskommission, die Arbeit des letzten Jahres: "Das am deutlichsten sichtbare Ergebnis ist das neu erstellte Internetportal, in dem erstmals alle dualen Studienangebote in Rheinland-Pfalz dargestellt sind." Das Portal biete einerseits ein Forum für bereits beteiligte Fachhochschulen und Betriebe, andererseits Empfehlungen und Unterstützung für Fachhochschulen und Betriebe, die eine zukünftige Beteiligung an einem dualen Studiengang in Erwägung ziehen. Neben einer "Scoring-Datei", mit der interessierte Unternehmen duale Studiengänge als Rekrutierungs- und Personalentwicklungsinstrument für den eigenen Betrieb bewerten können, befinden sich hier auch Musterverträge und weitere nützliche Informationen rund um das Thema duale Studiengänge. Das Internetportal ist unter www.dualesstudium.rlp.de abrufbar.

"Die BASF führt in Kooperation mit der Fachhochschule Ludwigshafen bereits seit zehn Jahren erfolgreich einen dualen Studiengang durch. Deshalb freut es mich besonders, dass wir durch die Arbeit der Landeskommission dazu beitragen können, das Angebot an dualen Studiengängen besser bekannt zu machen und weiter auszubauen", so Krieg.

Zöllner verwies in diesem Zusammenhang auf die Broschüre "Duales Studium Rheinland-Pfalz", die in der Landeskommission erarbeitet worden sei. Sie wende sich sowohl an Studierende als auch an Unternehmen. "Ich freue mich über die Bereitschaft der Kammern, die Broschüre auch ihren Mitgliedsunternehmen für eine erste kurze Information zur Verfügung zu stellen", so Zöllner. Die Kammern seien ein wichtiger Multiplikator im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit und würden darüber hinaus insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen bei der Beteiligung an dualen Ausbildungsangeboten unterstützen.

Zöllner hob auch die Vorzüge der dualen Studiengänge an Fachhochschulen gegenüber dem sehr ähnlichen Angebot der Berufsakademien hervor. Rheinland-Pfalz habe mit seinen vorhandenen ausbildungsintegrierenden Studiengängen gute Erfahrungen gemacht. "Wir müssen keine zusätzliche Dozentenstruktur aufbauen und können auf bewährte Kompetenz zurückgreifen. Außerdem haben wir keine Probleme bei der Anerkennung der Abschlüsse. Ich sehe deshalb und auf Grund ihres hohen Qualitätsniveaus alle Vorteile auf Seiten der Fachhochschulen", sagte der Minister.

Er verwies darauf, dass im Rahmen des Hochschulprogramms Wissen schafft Zukunft in diesem und im nächsten Jahr insgesamt 28,3 Millionen Euro für die Verbesserung der Grundausstattung zur Verfügung stehen. Davon profitiere auch der Ausbau der dualen Studienangebote. Speziell für die Anschubfinanzierung dualer Studiengänge habe das Land in 2005 und 2006 200.000 Euro etatisiert.

Die Landeskommission habe hierbei die Aufgabe, Förderempfehlungen für entsprechende Anträge auszusprechen. Dabei sei die Fachhochschule Mainz mit ihrem neuen ausbildungsintegrierten Bachelorstudiengang Wirtschaftsinformatik bereits erfolgreich begutachtet worden. Sie werde in den nächsten dreieinhalb Jahren eine Förderung von 100.000 Euro erhalten, so Zöllner.

Die zukünftige Arbeit der Landeskommission wird insbesondere darin bestehen, die Konzepte und Materialien, die in den ersten anderthalb Jahren entwickelt wurden, im Land umzusetzen, erläuterte der Vorsitzende der Landeskommission Professor Dr. Rüdiger Falk von der Fachhochschule Koblenz. Duale ausbildungsintegrierte Studiengänge müssten bekannt werden; die Partner Studierende, Bewerberinnen und Bewerber, Fachhochschulen, Betriebe und Berufsschulen müssten ihre Vorteile kennen und erkennen. "Im Marketing für duale Studiengänge liegt der eindeutige Schwerpunkt der zukünftigen Arbeit", so Falk.

Wichtig sei, dass viele Fachhochschulen, viele Fachbereiche und letztlich auch viele Professorinnen und Professoren für duale Studiengänge gewonnen werden können. Dies sei kein Automatismus, denn zunächst einmal seien duale Studiengänge aufwändiger als Regelstudiengänge; vor allem hätten sie einen größeren Abstimmungsbedarf.

Daher gelte es, die Vorteile zu vermitteln. Hier seien insbesondere zwei Aspekte zu nennen: motivierte Studierende und Wissenstransfer. Hoch motivierte, im Leistungsvergleich deutlich vorne liegende Studierende, die auf Grund ihrer dualen Qualifikation quasi eine Jobgarantie hätten, seien die Regel. Eine durchschnittliche Sucharbeitslosigkeit nach dem Examen von 1,6 Monaten spreche eine deutliche Sprache. Zudem blieben die Studierenden fast alle an Bord, die so genannte "Drop-Out-Quote", sei äußerst gering.

Diese Studierenden seien gleichermaßen Botschafter der Hochschulen in den beteiligten Betrieben. Oft entstünden aus den Praxisphasen Forschungsprojekte zwischen Betrieben und Fachhochschulen. So könnten Drittmittel eingeworben und ein unmittelbarer Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis realisiert werden.

"Insofern hofft die Landeskommission, dass sie in den nächsten Jahren noch viele Modelle initiieren und unterstützen kann, um das rheinland-pfälzische Modell von kooperativer Hochschul- und Berufsbildung weiterentwickeln zu dürfen", so Falk.


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