Zöllner stellt Vorschläge für Weiterentwicklung der Fachhochschulen vor

Im Rahmen einer Pressekonferenz hat Professor Dr. E. Jürgen Zöllner, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, heute in Mainz Vorschläge zur qualitativen Weiterentwicklung der sieben Fachhochschulen des Landes erläutert. "Es ist unser aller Interesse, die Attraktivität und Leistungsfähigkeit unserer Fachhochschulen weiter zu erhöhen", sagte Zöllner.

20.12.2004 Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, Rheinland-Pfalz (bis 11/06)

Hintergrund für die Vorschläge des Wissenschaftsministers ist ein Gutachtern externer Fachleute zu den rheinland-pfälzischen Fachhochschulen, das er im Februar 2003 in Auftrag gegeben hatte. Zöllner betonte, dass seine Umsetzungsvorschläge auf einer gemeinsamen Auseinandersetzung mit dem Bericht der Arbeitsgruppe beruhten. "Meine Vorschläge stellen das Ergebnis einer Abwägung der Gutachterempfehlungen, der Stellungnahmen der Fachhochschulen und der in zahlreichen Gesprächen ausgetauschten Argumente dar", so Zöllner.

Unzweifelhaft sind für ihn die schon jetzt spürbaren positiven Auswirkungen des Berichts der externen Arbeitsgruppe. "Meines Erachtens wird das Gutachten bereits heute in den Fachhochschulen genutzt, um vorhandene Entwicklungen zu beschleunigen und neue Initiativen zu starten", sagte er. Durch die zahlreichen Gespräche in den Fachhochschulen und mit ihren Repräsentanten habe aber auch er selbst wichtige Anregungen bekommen. Sein Dank gelte deshalb den Gutachtern für ihre hervorragende Arbeit.

Die Umsetzungsvorschläge Zöllners zu den Gutachterempfehlungen konzentrieren sich auf fünf zentrale Bereiche:

  1. Einführung der neuen Studienabschlüsse Bachelor/Master

  2. Verbesserung der Organisationsstruktur

  3. Neustrukturierung des Studienangebotes

  4. Erweiterung des Fächerspektrums

  5. Strukturpolitische Stärkung kleiner Hochschulstandorte

Zu 1) Einführung der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge:

Wie ein roter Faden zieht sich die Forderung der Gutachter nach einer Umstellung auf die neue Studienstruktur durch den 150-seitigen Bericht. "Die Zielsetzung liegt auf der Hand" erläuterte Zöllner. "Eine zügige Einführung der neuen Studiengänge sichert uns in Rheinland-Pfalz einen Wettbewerbsvorteil." Die Fachhochschule Ludwigshafen stellt zurzeit bereits ihr gesamtes Studienangebot auf Bachelor- und Master um. Darüber hinaus hätten sich viele Fachhochschulen bereits in ihren Stellungnahmen zu den Gutachterempfehlungen auf einen Zeitpunkt verpflichtet, zu dem die Umstellung erfolgt sein soll. In Mainz und Kaiserslautern soll dies bereits zum WS 2005/2006, in Trier zum SS 2006 und in Koblenz WS 2006/2007 der Fall sein. Dies könne als erster Erfolg des Gutachtens verbucht werden.

Wichtig sei darüber hinaus die Forderung der Gutachter, bei der Einrichtung von Masterstudiengängen hochschulübergreifende Absprachen zu treffen, damit den Bachelorabsolventinnen und -absolventen ein attraktives, abgerundetes Angebot zur Verfügung gestellt werden könne. Auch darum habe er die Fachhochschulen nachhaltig gebeten. "Die Fachhochschulen konkurrieren im Masterbereich auf gleicher Qualifikationsebene mit den Universitäten. Es gilt, diese Herausforderung zu nutzen", so der Minister. Ziel sei die Schaffung eines qualitativ hochwertigen Angebotes, das auch wegen seines Bezugs zur angewandten Forschung und Entwicklung überzeugen könne. Eine hochschulübergreifende Zusammenarbeit könne dabei nur Vorteile bringen, weil die Stärken der einzelnen Fachhochschulen breit genutzt werden könnten.

Zu 2) Verbesserung der Organisationsstruktur:

Die Gutachter haben sich in ihren Empfehlungen vielfach für die Bildung größerer Organisationseinheiten ausgesprochen, um Kompetenzen verstärkt fachübergreifend zu nutzen. Dazu zählt die Empfehlung, die bestehenden Fachbereiche Architektur und Bauingenieurwesen jeweils an den Fachhochschulen Koblenz, Kaiserslautern und Trier zusammenzuführen.

Zur Nutzung von Synergien im Bereich der naturwissenschaftlichen Grundlagen empfehlen die Gutachter jeweils die Bildung eines gemeinsamen Fachbereichs "Ingenieurwissenschaft" in Koblenz, Kaiserslautern und Trier, der die Bereiche Elektrotechnik und Maschinenbau sowie Informationstechnik oder Versorgungstechnik miteinander verknüpft.

Zöllner erklärte, dass er zugunsten einer Verkürzung der Entscheidungswege und der gemeinsamen Verantwortungswahrnehmung deshalb dafür plädiere, dem Votum der Gutachter zu folgen. Er freue sich, dass die Fachhochschule Trier bereits in ihrer Stellungnahme zum Gutachtervotum eine Reduzierung der derzeit am Standort Trier bestehenden zehn Fachbereiche auf nunmehr fünf angekündigt habe. Auch der Senat der Fachhochschule Koblenz habe am 01. Dezember dieses Jahres die Zusammenlegung im Bereich Bau- und Ingenieurwissenschaft beschlossen. "Dies ist ein weiterer Erfolg des Gutachtens, es hat Bewegung in die rheinland-pfälzische Fachhochschullandschaft gebracht", so der Wissenschaftsminister.

Gemeinsame fachübergreifende Berufungen, studiengangsübergreifende Modularisierung, gegenseitige Nutzung von Lehrangeboten könnten beispielsweise auf diesem Wege zur Selbstverständlichkeit werden und hingen nicht mehr vom Engagement Einzelner ab.

3) Neustrukturierung des Studienangebotes:

Darüber hinaus sehen die Vorschläge Zöllners eine Neustrukturierung des Studienangebotes vor, die in einigen Fachbereichen durch eine Verminderung der Ausbildungskapazitäten erreicht werden soll. Studiengänge zu schließen beabsichtigt Zöllner jedoch nicht.

Zu den umstrittensten Empfehlungen der Arbeitsgruppe gehört ihr Votum, den Fachbereich Architektur in Trier zu schließen. Hintergrund ist der zu hohe Anteil der Architekturstudierenden in Rheinland-Pfalz und die derzeitige und zukünftige ungünstige Arbeitsmarktsituation. Konsens besteht zwischen allen Beteiligten, dass die Anzahl der Studienplätze und der Absolventen in diesem Bereich reduziert werden müssen. Der Empfehlung, den Studiengang in Trier komplett zu streichen, schließt sich der Minister aus strukturpolitischen Gründen nicht an. Keine Region solle benachteiligt werden. Es gelte deshalb eine Lösung zu finden, die sowohl ein flächendeckendes und zugleich qualitativ hochwertiges Studienangebot garantiere als auch die Reduzierung der Ausbildungskapazitäten ermögliche. Der Weg dazu werde durch eine hochschulübergreifende Zusammenarbeit eröffnet. An den Fachhochschulen Kaiserslautern, Koblenz und Trier, die Architektur-Studiengänge anbieten, könnten Stellenreduzierung erfolgen, wenn die Hochschulen ihr eigenes Angebot zukünftig auf einen Bachelorstudiengang beschränken und im Masterbereich kooperieren. Für die Fachhochschule Kaiserslautern käme darüber hinaus eine Zusammenarbeit mit der Universität in Frage. "Ich halte dies für ein zukunftsweisendes Projekt, das sicherlich eine besondere Ausstrahlung über die Landesgrenzen hinweg mit sich bringen würde", meinte der Minister.

Eine besondere Stellung nehme die Fachhochschule Mainz ein. Der Vorschlag berücksichtige insbesondere, dass sich die Fachhochschule Mainz als einzige in Rheinland-Pfalz für die Realisierung eines achtsemestrigen Bachelors und eines zweisemestrigen Masters entschieden habe. Um diesen Weg nicht zu behindern, solle der Fachhochschule Mainz ein eigenständiger Masterstudiengang ermöglicht werden.

Einer weiteren Empfehlung zur Schließung eines Studiengangs, nämlich dem der Landwirtschaft an der Fachhochschule Bingen, stimmt Zöllner ebenfalls nicht zu. Stattdessen unterstützt er den Alternativvorschlag der Fachhochschule, die bisherigen Diplomstudiengänge Landwirtschaft und Internationaler Agrarhandel durch einen neuen Bachelorstudiengang Agrarwirtschaft mit den Schwerpunkten Landwirtschaft, Intensivkulturen und Agrarmanagement zu ersetzen. "Ich sehe darin einen richtigen Weg, die Hochschullehre weiterzuentwickeln sowie dem wirtschaftspolitischen Anliegen, weiterhin ein landwirtschaftlich ausgerichtetes Ausbildungsangebot in Rheinland-Pfalz bereitzuhalten, Rechnung zu tragen", sagte Zöllner.

Er machte deutlich, dass Stellenreduzierungen in einzelnen Studiengängen nicht mit einer Kürzung der Personalmittel verbunden seien. "Hintergrund der Stellenreduzierungen sind strukturelle und qualitative Erfordernisse und keinesfalls Einsparzwänge", so der Minister. Die frei werdenden Ressourcen sollen genutzt werden, um andere Bereiche in den Fachhochschulen weiter zu entwickeln und zu stärken.

Mit seinem Programm "Wissen schafft Zukunft" unternehme Rheinland-Pfalz große Anstrengungen für die Hochschulen. Angesichts der allgemeinen Haushaltslage sei dies ein großes Privileg. "Gerade die Bereitstellung zusätzlicher Mittel verpflichtet uns noch mehr, dieses Geld so einzusetzen, dass es sich für künftige junge Generationen und die Gesellschaft insgesamt auszahlt", erklärte Zöllner. Die Reformen im Fachhochschulbereich seien dafür ein leuchtendes Beispiel.

Zu 4) Erweiterung des Fächerspektrums:

Im Hinblick auf die wirtschaftswissenschaftlichen Fachhochschulen Ludwigshafen und Worms aber auch Mainz mit seinem Schwerpunkt in diesem Bereich raten die Gutachter, die Kapazitäten in den Wirtschaftswissenschaften deutlich zu reduzieren und mit den frei werdenden Kapazitäten neue Fächer aufzubauen. Auch wenn der Minister dieser Empfehlung kurzfristig auf Grund der hohen Bewerberzahl nicht folgen möchte, hält er es nicht für sinnvoll, das Votum zu übergehen. Das Studienangebot zu diversifizieren bringe den Vorteil, von Nachfrageschwankungen unabhängig zu sein und neue Impulse für die Lehre durch die fachliche Erweiterung zu erhalten.

Er habe deshalb insbesondere die Fachhochschule Ludwigshafen gebeten, ein Konzept zur mittel- bis langfristigen Erweiterung und Umgestaltung des Fächerspektrums in den Hochschulgremien zu erarbeiten.

Zu 5) Strukturpolitische Stärkung kleiner Hochschulstandorte:

Kontrovers diskutiert wurde in den vergangenen Monaten auch die Empfehlung der Arbeitsgruppe, den Studiengang Werkstofftechnik Glas und Keramik vom Standort Höhr-Grenzhausen der Fachhochschule Koblenz an den Standort Koblenz zu verlagern. Der Minister schlägt vor, den bisherigen Studiengang "Werkstofftechnik Glas und Keramik" auf der Masterebene, d.h. auf hohem Qualifikationsniveau, in Höhr-Grenzhausen anzubieten. Das spezialisierte Masterangebot soll der regionalen Ausrichtung Rechnung tragen, aber auch überregional Studierende für Höhr-Grenzhausen gewinnen.

Die grundlegende Ausbildung im Bereich der Werkstofftechnik soll zukünftig in Koblenz in Form eines breit angelegten Bachelors erfolgen, um die Zusammenarbeit mit den dort vorhandenen ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen zu nutzen. Dies schließt einen Schwerpunkt im Bereich "Glas und Keramik" ein, der weiterhin zur Nutzung der vorhandenen Einrichtungen in Höhr-Grenzhausen gelehrt werden soll. Abgerundet werden soll das Angebot in Höhr-Grenzhausen durch den Aufbau eines Kompetenzzentrums, das in Weiterbildung, Forschung und Transfer Angebote des gesamten Fächerspektrums der Fachhochschule Koblenz bereitstellen soll.

Hintergrund des Vorschlages des Ministers ist die seit Jahren geringe studentische Nachfrage für den vorhandenen Studiengang. "Meine Erachtens ist es deshalb nicht sinnvoll, den bisherigen Diplomstudiengang eins zu eins in ein Bachelor- und Masterangebot umzuwandeln", so Zöllner. "Ich halte es für angezeigt, ein neues innovatives Konzept zu entwickeln, das junge Menschen dafür gewinnt, ein Studium im Bereich der Werkstofftechnik zu ergreifen."

Die gleiche Herausforderung stelle sich für den Studiengang "Edelstein- und Schmuckdesign" am Standort Idar-Oberstein der Fachhochschule Trier. Auch hier soll der Bachelor zukünftig in Trier angeboten werden. Da der Studiengang in Bezug auf seine Inhalte breit gefächert auf den Bereich Design aufgebaut sein soll, bietet sich eine Verlagerung an. In Trier besteht die Möglichkeit, mit den dortigen Design-Studiengängen zusammenzuarbeiten und Synergien zu nutzen. Auch hier sollen Master und Kompetenzzentrum in Idar-Oberstein den Standort strukturpolitisch stärken.

Während der Minister in Idar-Oberstein auf Zustimmung von Seiten der Fachvertreter, der regionalen Wirtschaft und der politisch Verantwortlichen gestoßen ist, zeigt man sich in Höhr-Grenzhausen nicht offen für einen neuen Weg. "Ich werde nicht gegen den Willen der regionalen Wirtschaft und der Fachvertreter entscheiden", betonte Zöllner. Aber wenn die Hochschule einen Bachelor in Höhr-Grenzhausen favorisiere, der sich an dem bisherigen unterausgelasteten Diplomstudiengang orientiert, müsse sie zunächst den Erfolg ihres Konzeptes unter Beweis stellen. Erst dann könne über den Aufbau eines Masters oder eine Stärkung des Kompetenzzentrums diskutiert werden, alles andere widerspreche einem sorgsamen Umgang mit staatlichen Mitteln.

Zu den Umsetzungsvorschlägen können die Fachhochschulen in den kommenden Wochen erneut Stellung nehmen. Mit der Umsetzung der Vorschläge soll dann im Februar 2005 begonnen werden.

Download der Zusammenfassung der Umsetzungsverschläge:
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