Gastbeitrag

Mehr als Sprachvermittlung

Deutsche Auslandsschulen ermöglichen die Begegnung mit anderen Kulturen. Und sie sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Von Thilo Klingebiel

04.07.2019 Bundesweit Artikel didacta – Das Magazin für lebenslanges Lernen
  • © www.pixabay.com

Die Deutschen Auslandsschulen sind Partner der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik und erfüllen mehrere Aufgaben parallel: Sie gewährleisten die schulisch Versorgung deutscher Kinder im Ausland. Gleichzeitig ermöglichen sie die Begegnung und den Austausch mit anderen Kulturen: Sie sollen die deutsche Sprache fördern und den Studien- und Wirtschaftsstandort Deutschland stärken. Welche Wertschöpfung die Auslandsschulen dabei generieren, ließ der Weltverband Deutscher Auslandsschulen 2018 vom Wifor-Institut in der Studie „Weltweite Wertschöpfung: Quantifizierung des Wertbeitrags der Deutschen Auslandsschulen“ untersuchen. Das Institut befragte dazu die 140 Deutschen Auslandsschulen und wertete aktuelle Zahlen der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen aus.

     

Thilo Klingebiel ist seit 2010 Geschäftsführer des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen. Er selbst unterrichtete fünf Jahre an der Deutschen Schule in Shanghai.

462 Millionen Euro an Wertschöpfung

Im Schnitt generiert eine Deutsche Auslandsschule im Jahr rund 3,3 Millionen Euro an Wertschöpfung. Für alle 140 Deutschen Auslandsschulen zusammen entspricht dies einer Wertschöpfung von 462 Millionen Euro. Die weltweite Wirtschaftskraft der 140 Schulen entspricht ungefähr der Wertschöpfung des Sektors Erziehung und Unterricht des Saarlandes. Im Durchschnitt erhält jede Deutsche Auslandsschule eine öffentliche Förderung in Höhe von etwa 1,36 Millionen Euro pro Jahr, dies entspricht rund 28 Prozent der Gesamteinnahmen einer Schule. 72 Prozent ihrer Mittel generieren die Schulen eigenständig durch Schulgebühren oder Spenden.

Die Studie verdeutlicht weiter, dass die Deutschen Auslandsschulen weltweit ganzheitliche Bildung ermöglichen, die über Sprachkurse hinausgeht. Etwa 58 Prozent des gesamten Unterrichts an Deutschen Auslandsschulen findet auf Deutsch statt. Im Schnitt erhält jeder zweite Absolvent eine deutsche Hochschulzugangsberechtigung. Zugleich fördern die Schulen den Austausch der Kulturen: Im Durchschnitt kommen die Schüler an den Deutschen Auslandsschulen aus 13 verschiedenen Nationen. Nur jeder vierte Schüler hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Damit bilden die Deutschen Auslandsschulen globale Knotenpunkte der kulturellen Infrastruktur Deutschlands. Bei jungen Menschen im Ausland erzeugen sie nachhaltiges Interesse an Deutschland. Geplant ist, dass die Absolventen mit guten Deutschkenntnissen künftig sechs Monate nach Deutschland kommen können, um sich einen Ausbildungsplatz zu suchen.

Deutsche Auslandsschulen

  • Weltweit gibt es 140 Deutsche Auslandsschulen in 72 Ländern.
  • 1575 wurde die erste Deutsche Auslandsschule in Kopenhagen gegründet.
  • Rund 8400 Lehrkräfte, etwa jede sechste aus Deutschland vermittelt, arbeiten an einer Deutschen Auslandsschule. Aktuelle Jobangebote sind zu finden auf: www.lehrer-weltweit.de
  • Rund 83 000 Schülerinnen und Schüler, davon etwa drei Viertel nicht deutschsprachig, besuchen eine Deutsche Auslandsschule.
  • Die Studie „Weltweite Wertschöpfung: Quantifizierung des Wertbeitrags der Deutschen Auslandsschulen“ gibt es auf: www.auslandsschulnetz.de/wifor-studie

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in: didacta – Das Magazin für lebenslanges Lernen, Ausgabe 2/2019, S. 23, www.didacta-magazin.de


Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden