Abiturprüfungen haben begonnen
Für insgesamt rund 77.000 Schülerinnen und Schüler hat am heutigen Montag (19. März) die schriftliche Abiturprüfung begonnen, davon für rund 60.000 Prüflinge an einem allgemein bildenden und für rund 17.000 Prüflinge an einem Beruflichen Gymnasium. Um 8 Uhr startete das Abitur mit dem Fach Deutsch. Bis 13.30 Uhr saßen die Schülerinnen und Schüler der allgemein bildenden und Beruflichen Gymnasien an ihren Aufgaben. Für deren Bearbeitung, einschließlich Einlesezeit, standen 330 Minuten zur Verfügung.
19.03.2012 Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-WürttembergAn den allgemein bildenden Gymnasien konnte zwischen den nachfolgenden fünf Themen gewählt werden:
- Interpretation einer Textstelle aus Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame" unter Einbeziehung der sprachlichen und szenischen Gestaltung. Daran schließt sich eine Untersuchung an, in der vergleichend betrachtet werden soll, inwieweit die Figur Alfred ILL und die Figur Josef K. in Kafkas "Der Proceß" verantwortungsbewusst handeln.
- Eine gestaltende Interpretation zu Heinrich von Kleists "Michael Kohlhaas". Die Schülerinnen und Schüler erläutern zunächst kurz die Situation, in der sich Kohlhaas in der vorgelegten Textstelle befindet. Sie gehen dann von der Annahme aus, dass es einige Zeit nach der Hinrichtung des Michael Kohlhaas zu einer Begegnung zwischen dem Kurfürsten von Brandenburg und Martin Luther kommt. Sie sprechen über Michael Kohlhaas - über sein Leben und sein Ende. Die Aufgabe verlangt die Gestaltung dieses Dialogs.
- Eine literarische Erörterung greift folgende Aussage von Susan Sontag auf: "Ein Schriftsteller, der sich der Literatur verpflichtet fühlt, beschäftigt sich natürlich mit moralischen Problemen, mit der Frage, was gerecht und ungerecht, was besser oder schlechter, was abstoßend, bewundernswert oder beklagenswert ist, was Freude bereitet und Beifall findet. Damit meine ich nicht krudes Moralisieren. Seriöse Schriftsteller setzen sich konkret mit moralischen Problemen auseinander. Sie erzählen Geschichten. Sie evozieren unser Menschsein in Erzählungen, mit denen wir uns identifizieren können, auch wenn uns die Figuren fremd sind. Sie regen unsere Phantasie an. Ihre Geschichten erweitern und vertiefen unser Mitgefühl. Sie bilden unsere moralische Urteilskraft aus." (Aus: Susan Sontag: Die Erweiterung der Welt. Warum Literatur lebensnotwendig ist. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.12.2004, S. 39)
Die Schülerinnen und Schüler erörtern anhand ihrer Leseerfahrung, inwieweit sie diesem Verständnis von Literatur zustimmen können. - Eine vergleichende Interpretation zu den Gedichten "Ein Beispiel von ewiger Liebe" von Erich Kästner (1899-1974) und "Nur nicht" von Erich Fried (1921-1988).
- Analyse und Erörterung des Textes "Der Wettlauf gegen sich selbst" von Tobias Schall (in: Stuttgarter Zeitung, 31.12.2010). Die Schülerinnen und Schüler sollen zunächst die Position herausarbeiten, die der Autor in diesem Text vertritt. Danach sollen sie sich mit Schalls Ausführungen auseinandersetzen.
Alternativ dazu können die Schülerinnen und Schüler eine gestalterische Teilaufgabe wählen. Sie gehen dabei von der Annahme aus, dass ihre Schule einen Projekttag mit dem Titel "Menschenbilder heute" veranstaltet und sie in diesem Rahmen eine Rede zum Thema "citius, altius, fortius?" [schneller, höher, stärker] halten. Die Aufgabe verlangt das Verfassen dieser Rede unter kritischer Berücksichtigung von Schalls Ausführungen.
An den Beruflichen Gymnasien konnte zwischen den nachfolgenden fünf Themen gewählt werden:
- Interpretation einer Textstelle aus Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame" unter Einbeziehung der sprachlichen und szenischen Gestaltung. Daran schließt sich eine Untersuchung an, in der vergleichend betrachtet werden soll, inwieweit die Figur Alfred ILL und die Figur Josef K. in Kafkas "Der Proceß" verantwortungsbewusst handeln.
- Eine literarische Erörterung greift folgende Aussage von Susan Sontag auf: "Ein Schriftsteller, der sich der Literatur verpflichtet fühlt, beschäftigt sich natürlich mit moralischen Problemen, mit der Frage, was gerecht und ungerecht, was besser oder schlechter, was abstoßend, bewundernswert oder beklagenswert ist, was Freude bereitet und Beifall findet. Damit meine ich nicht krudes Moralisieren. Seriöse Schriftsteller setzen sich konkret mit moralischen Problemen auseinander. Sie erzählen Geschichten. Sie evozieren unser Menschsein in Erzählungen, mit denen wir uns identifizieren können, auch wenn uns die Figuren fremd sind. Sie regen unsere Phantasie an. Ihre Geschichten erweitern und vertiefen unser Mitgefühl. Sie bilden unsere moralische Urteilskraft aus." (Aus: Susan Sontag: Die Erweiterung der Welt. Warum Literatur lebensnotwendig ist. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.12.2004, S. 39)
Die Schülerinnen und Schüler erörtern anhand ihrer Leseerfahrung, inwieweit sie diesem Verständnis von Literatur zustimmen können. - Eine vergleichende Interpretation zu den Gedichten "Ein Beispiel von ewiger Liebe" von Erich Kästner (1899-1974) und "Nur nicht" von Erich Fried (1921-1988) oder eine Interpretation des Textes "Countdown" von Gabriele Wohmann (geb. 1932).
- Die Analyse und Erörterung des Textes "Fahr dahin" von Christian Kortmann (in: Süddeutsche Zeitung vom 13.11.2010). Die Schülerinnen und Schüler erläutern die Argumentationsstrategie des Autors, untersuchen die verwendeten sprachlichen Mittel und nehmen kritisch Stellung zur Meinung des Autors.
Die Erstellung eines Essays auf der Grundlage eines vorgelegten Dossiers mit Texten und Schaubildern. Die Schülerinnen und Schüler verfassen einen Essay mit dem Titel "Werkstatt Zukunft - 'Hinterm Horizont geht's weiter'".
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