Abschlussbericht zum Schulvermeider-Projekt Lahn-Dill an die Staatssekretäre Oda Scheibelhuber und Joachim Jacobi von Innen- und Kultusministerium übergeben

Nach dem planmäßigen Ende des Modellprojekts Schulvermeider im Lahn-Dill-Kreis zum 31. Dezember 2006 und rund drei Jahren Laufzeit hat die Projekt- und Steuerungsgruppe bei ihrer letzten Sitzung im Hotel Wetzlarer Hof ihren Abschlussbericht den Staatssekretären Oda Scheibelhuber vom Hessischen Ministerium des Innern und für Sport und Joachim Jacobi vom Hessischen Kultusministerium übergeben.

09.02.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

"Schule schwänzen führt in die Abwärtsspirale – vom fehlendem Schulabschluss, über mangelnde Berufsausbildung bis hin zu Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe", warnte Joachim Jacobi unter Hinweis auf den engen Zusammenhang von schulaversivem Verhalten und ausbleibendem Schulerfolg.

"Schulschwänzen darf nicht verharmlost werden. Eine erhöhte Anzahl von Fehltagen weist darauf hin, dass etwas nicht in Ordnung ist", sagte Innenstaatssekretärin Oda Scheibelhuber anlässlich der Vorstellung des Abschlussberichtes in Wetzlar. Die Innenstaatssekretärin wies darauf hin, dass die Polizei im Rahmen des täglichen Streifen- und Ermittlungsdienstes auf schulpflichtige Kinder und Jugendliche achte, insbesondere an Orten, wo sich erfahrungsgemäß Schülerinnen und Schüler beim Schuleschwänzen aufhalten, wie zum Beispiel in Einkaufszentren, Bahnhofshallen und Spielotheken. "Die Polizei meldet Schulschwänzer der jeweiligen Schule, damit diese angemessene Maßnahmen einleiten kann", so Innenstaatssekretärin Oda Scheibelhuber.

Beide Staatssekretäre dankten allen am Modellprojekt Beteiligten in Schulen, Staatlichem Schulamt, Polizei, der Arbeitsgruppe "Gewalt an Schulen", der Jugendhilfe der Stadt Wetzlar, Gesundheitsamt, schulärztlichem Dienst und Amtsgericht für ihren Einsatz. Eine Umfrage des Kultusministeriums habe im Jahr 2000 allein für Hessen 4.417 aktenkundige Fälle von Schulpflichtverletzungen – verteilt auf insgesamt 3.137 Schülerinnen und Schüler – ergeben, berichtete der Staatssekretär: Hinzu komme die statistisch nicht erfasste Dunkelziffer. "Wir beobachten diese Entwicklung mit Sorge, zeigt sie doch, dass eine zu große Anzahl Schülerinnen und Schüler Bildungschancen nicht nutzen und so Berufschancen leichtfertig aufs Spiel setzen." Erziehungsvereinbarungen seien ein Instrument, mit dem Hessens eigenverantwortliche Schulen "gezielt gegensteuern können", sagte Joachim Jacobi. Große Hoffnungen verbinde er auch mit dem von der Vodafone Stiftung Deutschland unterstützten Buddy-Projekt, wo "Buddys" unter anderem Mitschülerinnen und Mitschüler zur Schule begleiten.

Der Abschlussbericht des Modellprojekts zeige ein breites Spektrum an pädagogischen Maßnahmen, um Schülerinnen und Schüler an Schule und Unterricht zu binden. Dieses Potenzial gelte es zu nutzen, wobei sich das Projekt auf praxistaugliche Wege konzentriert habe. "Dazu zählt die Frage, wie sich Schule gegebenenfalls wandeln muss, um Schülerinnen und Schülern Attraktivität und Notwendigkeit des Schulbesuchs zu vermitteln", sagte der Staatssekretär: "Hier hätten die Schulen der Modellregion wertvolle Arbeit geleistet.

Joachim Jacobi ließ allerdings auch keine Zweifel daran, dass wenn alle pädagogischen Maßnahmen unwirksam bleiben, Mittel des Schulzwangs und das Verhängen von Geldbußen angezeigt sein können. Vor einseitigen Schuldzuweisungen an die Eltern von Schulverweigerern warnte er: "Wir wissen, dass die Institution Familie ständigen Veränderungsprozessen unterworfen ist und nicht wenige Familien mit einer schwierigen sozialen Situation konfrontiert sind, die Auswirkungen auf Lebensführung und Kinder hat. Auch und gerade Alleinerziehende müssen viele Schwierigkeiten bewältigen. Unsere Gegenwart und deren Herausforderungen gestalten sich für Eltern und Familien viel komplexer als noch vor 10 oder 20 Jahren."


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