Abstimmung mit den Füßen geht weiter

„Die Abkehr von der Hauptschule schreitet ungebremst voran", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW). „Die Landesregierung muss diesen seit vielen Jahren anhaltenden Trend endlich zur Kenntnis nehmen und darf nicht ignorieren, dass das Schulwahlverhalten zu einer Ausdünnung der Schullandschaft führen wird, wenn alles so bleibt, wie es ist.“

11.01.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Die Übergangsquote zur Hauptschule liegt im Schuljahr 2006/07 mit 15,1% auf einem historischen Tiefstand. Im Vergleich zum Schuljahr 2005/06 sind 2165 Kinder weniger von der Grundschule zur Hauptschule gewechselt. Das ist ein Verlust von 6,8%.In circa 60 Kommunen in NRW liegen die prozentualen Übergangsanteile zur Hauptschule inzwischen im einstelligen Bereich. Eindeutiger Gewinner des Schulwahlverhaltens ist das Gymnasium. An dieser Schulform wurden zum laufenden Schuljahr 1081 Kinder mehr angemeldet als zum Schuljahr 2005/06. Das entspricht einem Gewinn von 1,5%.

„Eltern wollen für ihre Kinder den höchstmöglichen Bildungsabschluss und wenden sich deshalb in ihrem Wahlverhalten weiter von der Hauptschule ab“, so Beckmann weiter. „Wenn NRW-weit 69.912 Kinder am Gymnasium angemeldet werden und nur 27.250 an Hauptschulen, dann sprechen diese Zahlen für sich.“

Der VBE hat wiederholt auf diese Entwicklung hingewiesen und die Politik aufgefordert, von dem starren Festhalten am strikt gegliederten Schulsystem abzurücken und über Alternativen nachzudenken. Mit dem Konzept der Allgemeinen Sekundarschule hat der VBE bereits im Mai 2005 ein Schulstrukturmodell vorgelegt, das eine Antwort auf diese Fragen gibt. Dabei handelt es sich um eine organisatorische, schulrechtliche und pädagogische Einheit, in der ein Kollegium für alle Schülerinnen und Schüler von Klasse 5 bis einschließlich Klasse 10 verantwortlich ist. Dieses Modell wird sowohl der demografischen Entwicklung als auch dem beispielsweise von den EU-Bildungsministern eingeforderten längeren gemeinsamen Lernen gerecht.

„Die Landesregierung steckt den Kopf in den Sand, wenn sie glaubt, diese Entwicklung lediglich mit der Umwandlung von Hauptschulen in Ganztagsschulen stoppen zu können“, so Beckmann abschließend.


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