Ahnen: Ganztagsschule ist ein Erfolgsmodell

55 Schulen im Land erhalten jetzt nach den verbindlichen Anmeldungen von Schülerinnen und Schülern für das kommende Schuljahr die Errichtungsgenehmigung als Ganztagsschulen in Angebotsform zum 1. August 2009. "Damit gibt es im Schuljahr 2009/2010 insgesamt 504 Ganztagsschulen, die durch das Landesprogramm zum Ausbau des Ganztagsschulangebots seit 2001 entstanden sind", sagte Bildungsministerin Doris Ahnen, die heute in Mainz den aktuellen Ausbaustand der Ganztagsschulen vorstellte.

16.03.2009 Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz

In dieser Gesamtzahl seien auch bereits die Auswirkungen der Schulstrukturreform zum kommenden Schuljahr berücksichtigt. Die Strukturreform führe einerseits dazu, dass die Zahl der Ganztagsschulen im Jahresvergleich weniger wachse als der Zuwachs erwarten lasse, weil in einigen Fällen zwei Ganztagsschulen zusammengehen. Andererseits hätten aber mittelfristig mehr Schülerinnen und Schüler die Chance ein Ganztagsschulangebot wahrzunehmen, weil der Ganztagsschulstatus beim Zusammengehen einer Ganztagsschule in Angebotsform und einer Halbtagsschule auf die gesamte neue Schule übertragen werde.

Interesse an Ganztagsschulen weiterhin sehr hoch

"Die von den 55 neuen Ganztagsschulen erarbeiteten Konzepte haben zum großen Teil deutlich mehr Schülerinnen und Schüler sowie Eltern überzeugt als dies für die Errichtung mindestens erforderlich gewesen wäre. Dies zeigt, dass der vom Land abgesteckte Rahmen für die Ganztagsschulen eine echte Erfolgsgeschichte ausgelöst hat", unterstrich Doris Ahnen. Angehende Ganztagsschulen müssen als Grundschulen bei den verbindlichen Anmeldungen bis zum 15. März mindestens 36, als Förderschulen mindestens 26 und als weiterführende Schulen mindestens 54 künftige Ganztagsschülerinnen und Ganztagsschüler nachweisen. "Diese Mindestzahlen haben alle 55 Schulen erreicht, die im Dezember 2008 eine Option zur Errichtung einer Ganztagsschule in Angebotsform erhalten hatten. Beim größeren Teil lagen die Anmeldezahlen sogar deutlich höher", resümierte die Ministerin. Auch bei Schulen und Schulträgern sei das Interesse an der Ganztagsschule weiterhin sehr ausgeprägt. Für das Schuljahr 2009/2010 habe es bekanntlich – wie in den Vorjahren – erneut etwa doppelt so viele Bewerbungen für das Ganztagsschulprogramm wie Errichtungsmöglichkeiten gegeben. "Und schon jetzt gibt es eine Menge Voranfragen für die nächste Auswahlrunde im Herbst dieses Jahres."

"Mit den rund 3.900 Schülerinnen und Schülern, die sich bis Mitte März für die 55 neuen Ganztagsschulen angemeldet haben, wächst die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den Ganztagsschulen in Angebotsform auf mehr als 51.000 Kinder und Jugendliche", hielt Doris Ahnen fest. Diese Prognose könne allerdings noch übertroffen werden, da Nachmeldungen für die Ganztagsschulen noch bis zum Sommer möglich seien und dies erfahrungsgemäß auch von einer ganzen Reihe von Eltern genutzt werde. Die Ganztagsschulen in Angebotsform halten an vier Tagen pro Woche jeweils von 8 bis 16 Uhr ein pädagogisches Angebot vor, das vom Land zu 100 Prozent personell ausgestattet wird. Die angemeldeten Ganztagsschülerinnen und Ganztagsschüler nutzen dieses Angebot über das ganze Schuljahr hinweg regelmäßig.

Ganztagsangebote in jeder zweiten allgemeinbildenden Schule

Insgesamt sei das Ganztagsschulangebot im Land allerdings noch um einiges umfangreicher, betonte die Ministerin. Im kommenden Schuljahr gebe es neben den dann 504 Ganztagsschulen in Angebotsform 79 "verpflichtende" Ganztagsschulen, die von allen dort angemeldeten Schülerinnen und Schüler ganztags besucht werden. Organisatorisch gesehen eine Mischform dieser beiden Ganztagsschultypen seien die Ganztagsgymnasien mit achtjährigem Bildungsgang (G8GTS), deren Zahl zum kommenden Schuljahr auf 13 Gymnasien steige. In der Orientierungsstufe würden diese Ganztagsschulen in Angebotsform geführt, ab Klassenstufe 7 sei dann für alle Schülerinnen und Schüler das ganztägige pädagogische Angebot verpflichtend. "Mit dem Marion-Dönhoff-Gymnasium in Lahnstein (Rhein-Lahn-Kreis), dem Thomas-Morus-Gymnasium in Daun (Landkreis Vulkaneifel), dem Hannah-Arendt-Gymnasium in Haßloch (Landkreis Bad Dürkheim) und mit dem Privaten Gymnasium Nonnenwerth (Landkreis Ahrweiler) wird der Kreis der Ganztagsgymnasien um weitere vier Schulen erweitert", hielt Doris Ahnen fest. Zusätzlich zu diesen Ganztagsschulformen mit einer hohen Teilnahmeverbindlichkeit böten zusätzlich weitere 281 "offene Ganztagsschulen", die – zum Teil mit Landesunterstützung – auf kommunaler Ebene organisiert werden, an mindestens drei Wochentagen Schülerinnen und Schülern zur freien täglichen Auswahl in jeweils sieben Zeitstunden neben dem Unterricht beispielsweise eine Hausaufgabenbetreuung oder Maßnahmen zur Förderung und zur Freizeitgestaltung an. "Alles in allem gibt es also zum nächsten Schuljahr landesweit an 877 der rund 1.600 allgemeinbildenden Schulen im Land Ganztagsangebote, die voraussichtlich von deutlich mehr als 72.000 Schülerinnen und Schülern genutzt werden", bilanzierte Doris Ahnen.

Flächendeckender Ausbau des Ganztagsschulangebots weit fortgeschritten Ziel der Landesregierung sei es seit dem Start des Landesprogramms zum Ausbau von Ganztagsschulen, flächendeckend ein Angebot an Ganztagsschulen in Angebotsform zu schaffen, das die Nachfrage bei den Eltern abdecke, unterstrich Doris Ahnen und ergänzte: "Heute können wir feststellen, wir sind noch nicht ganz am Ziel, aber wir sind bereits hervorragend aufgestellt."

  • Zu dem 2006 formulierten Ziel, bis zum Ende der Legislaturperiode möglichst in jeder der 212 Verbandsgemeinden und verbandsfreien Gemeinden mindestens eine Ganztagsgrundschule zu haben, sei es jedenfalls nicht mehr weit. In 165 Verbandsgemeinden oder verbandsfreien Gemeinden werde die Planung zum kommenden Schuljahr erfüllt, in einer ganzen Reihe von Kommunen gebe es das Angebot sogar mehrfach. Die Ministerin unterstrich, mit den vorhandenen 234 Ganztagsgrundschulen in Angebotsform könnten immerhin fast 90 Prozent aller Grundschülerinnen und Grundschüler ein solches Angebot erreichen, wenn der Besuch einer Ganztagsgrundschule gewünscht sei.
  • Sogar ein noch etwas höherer Versorgungsgrad ergebe sich bei den Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Die Zielvorgabe, ein Ganztagsschulangebot in jeder der 12 kreisfreien Städte und in jedem der 24 Landkreise, sei in 20 Landkreisen und 9 kreisfreien Städten durch eine Ganztagsschule in Angebotsform realisiert, im Landkreis Vulkaneifel und in der Stadt Worms gebe es zudem Förderzentren, die als verpflichtende Ganztagsschulen geführt werden.
  • Eine gute Ganztagsschulquote ergebe sich mit mehr als 40 Prozent aller Standorte auch bei den weiterführenden allgemeinbildenden Schulen insgesamt. Von den Integrierten Gesamtschulen im Land seien sogar bereits mehr als 70 Prozent Ganztagsschulen in Angebotsform. Von den 144 Gymnasien werden im kommenden Schuljahr 30 Gymnasien als Ganztagsschule in Angebotsform und weitere 13 als G8-Ganztagsgymnasien am Start sein. Bei den Schulen mit Haupt- und Realschulbildungsgang seien dann rund 45 Prozent Ganztagsschulen in Angebotsform. Durch die Schulstrukturreform und das Zusammengehen von Ganztagsschulen und Halbtagsschulen sei hier mit einer weiter steigenden Ganztagsschulquote zu rechnen.

Die Ganztagsschule – Markenzeichen mit guter Ausstattung-

"Die Ganztagsschule in Rheinland-Pfalz ist ein Erfolgsmodell, das wir stetig weiterentwickeln und das über die Grenzen des Landes hinaus Anerkennung findet", resümierte Bildungsministerin Ahnen und verwies dabei auf die jüngsten Ergebnisse der bundesweiten "Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG)". Darin sei dokumentiert worden, dass Lehrkräfte, Eltern, Schülerinnen und Schüler aus Rheinland-Pfalz das Ganztagsschulkonzept im Land klar besser bewerteten als die Lehrer-, Eltern- und Schülerschaft der anderen Bundesländer die dortigen Konzepte. Dies gelte für die personelle Ausstattung und für die Organisationsstrukturen ebenso wie für den Nutzwert der Angebote für den Lernerfolg und die soziale Entwicklung der Schülerinnen und Schüler sowie für die Zufriedenheit der Lehrkräfte. Ein Grund dafür seien sicherlich die Rahmenbedingungen für den Personaleinsatz, den in Rheinland-Pfalz – im Gegensatz zu manchen anderen Ländern – zu 100 Prozent das Land finanziere. Die Ganztagsschulen in Angebotsform nutzten ihren weitgehenden Handlungsspielraum beim Personaleinsatz über die Jahre hinweg durchweg so, dass 50 Prozent oder mehr des Zusatzangebots von Lehrkräften gestaltet werde. "Das zeigt die hohe Wertschätzung, die die Schulen den zusätzlichen Angeboten in der Ganztagsschule zumessen", hielt die Ministerin fest. Allerdings habe sich auch die Einbindung von Fachkräften außerschulischer Partner als feste und verlässliche Größe etabliert. Ihr Anteil am Zusatzangebot liege stabil um die 40 Prozent. Den Rest des Zusatzangebots gestalteten eigens verpflichtete pädagogische Fachkräfte wie beispielsweise Erzieherinnen und Erzieher oder Sozialpädagoginnen und Sozialarbeiter.

"Die Ganztagsschulen im Land sind zudem zu einem zentralen Baustein der pädagogischen Schulentwicklung geworden", unterstrich Doris Ahnen. Im Vordergrund aller pädagogischen Angebote in den Ganztagsschulen stehe der Förderaspekt. Umgesetzt werde dies beispielsweise durch Angebote zur Sprachförderung für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, zur Leseförderung für alle Schülerinnen und Schüler, zur Förderung besonderer Begabungen und Talente oder zur Verbesserung der Berufsfähigkeit. "Mit zusätzlicher Lernzeit erhalten Üben, Vertiefen und Wiederholen aber auch Experimentieren und Forschen einen neuen und größeren Stellenwert. Hausaufgaben im eigentlichen bisherigen Sinn werden zur absoluten Ausnahme", so die Ministerin. Erfreulicherweise organisierten dabei mittlerweile 40 Prozent der Ganztagsschulen ihr Angebot in Ganztagsklassen, womit sich besonders gute Chancen für eine rhythmisierte Gestaltung des Unterrichtstags, also für einen Wechsel von Lern-, Übungs- und Entspannungsphasen über den Tag hinweg, ergäben. "Dass die Ganztagsschulen daneben auch einen wichtigen Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Eltern leisten, darf nicht unerwähnt bleiben", hielt Bildungsministerin Ahnen abschließend fest.


Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden