Alarmsignal: Lehrergesundheit massiv gefährdet
Fast 2/3 aller Lehrerinnen und Lehrer gehören einer gesundheitlichen Risikogruppe an. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Lehrkräfte mehr als Beschäftigte im Strafvollzug und Pflegedienst, bei Polizei oder Feuerwehr, als Ärzte oder Manager gesundheitlich gefährdet sind. Die Befunde sind nicht altersabhängig. Bei Frauen liegt der Gefährdungsgrad – nicht zuletzt wegen der zusätzlichen häuslichen Beanspruchung – noch höher.
01.03.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Philologenverband NRW (PhV NRW)Die erschreckenden Befunde rütteln auf. Daher führt der Philologen-Verband am 01.03.2008 einen Gesundheitstag für Lehrerinnen und Lehrer in Düsseldorf durch. Die maximale Teilnehmerzahl von 350 war bereits nach Tagen erreicht. Dies zeigt das außerordentlich hohe Interesse.
"Seit Jahren wird das Thema tabuisiert. Fast immer muss die einzelne Lehrerin und der einzelne Lehrer mit den Problemen alleine fertig werden. Das ist ein Skandal! Das Totschweigen muss ein Ende haben. Mit unserer Veranstaltung informieren wir und bieten ebenso Perspektiven möglicher Bewältigung an.", stellt Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes fest.
Der Philologen-Verband fordert, dass bereits in der Lehrerausbildung Zeit-, Stress- und Konfliktmanagement vermittelt werden. In der Fort- und Weiterbildung müssen Entspannungs- und Kommunikationsseminare verpflichtend angeboten werden. "Wir erwarten, dass die schulpolitisch Verantwortlichen den Arbeits- und Gesundheitsschutz für Lehrkräfte ernst nehmen und notwendige Gegenmaßnahmen initiieren. Es kann nicht angehen, jungen Menschen den Lehrberuf als einen schönen und reizvollen vorzustellen, gleichermaßen aber zuzulassen, dass die psychosozialen Belastungen Lehrerinnen und Lehrer krank machen!", mahnt Peter Silbernagel im Rahmen der Fachtagung.
Als besonders belastend empfinden die meisten Lehrerinnen und Lehrer das Verhalten schwieriger Schüler, die großen Klassen, die mehrfach angehobene Pflichtstundenzahl, die oft hierarchische Organisationsstruktur im Schulbereich und die mangelnde Anerkennung in der Gesellschaft. Das hohe Reformtempo im Schulbereich und der Veränderungsdruck auf Schulen tragen mit dazu bei, dass Lehrkräfte zur masochistischen Selbstausbeutung neigen. Doch eine gute Schule gelingt nur mit ausgeglichenen, stabilen und gesunden Lehrerinnen und Lehrern.
Zu den Referenten der Fachtagung zählen u.a. Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt (Verfasser der Potsdamer Belastungsstudien, ehem. Universität Potsdam) und der Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüther (Universität Göttingen). "Bewältigungsstrategien stellen vor: Dr. Artur Hornung, Dr. Dieter Nowotny, Reinhard Hollunder, Dr. Peter Vogt und Christoph Emmelmann.
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