Grüne Niedersachsen

Anfrage an die Landesregierung: Schulvergleichsarbeit VerA – "Testeritis" oder Unterstützung für die Schulen?

Am 5. Mai 2014 haben sich die Bildungsverbände GEW, Grundschulverband, VBE und Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband kritisch mit der Vergleichsstudie VerA auseinandergesetzt und [Änderungen verlangt](http://bildungsklick.de/pm/91215/vera-ist-inklusionsfeindlich/).

14.05.2014 Pressemeldung Bündnis 90/Die Grünen

Die Vergleichsarbeit VerA wird seit 2004 im 3. Schuljahrgang der Grundschulen durchgeführt, seit dem Schuljahr 2007/08 flächendeckend an allen Grundschulen in Deutschland, und soll den Schulen Rückmeldungen für ihre Qualitätsentwicklung liefern. Mittlerweile wird VerA auch im 8. Schuljahrgang durchgeführt.

Die schulpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Ina Korter, hat hierzu die folgende Kleine Anfrage an die Landesregierung gerichtet:

"Schulvergleichsarbeit VerA – "Testeritis" oder Unterstützung für die Schulen?

Seit 2004 wird an Grundschulen die Vergleichsarbeit VerA durchgeführt. Seit dem Schuljahr 2007/08 nehmen alle Bundesländer an dieser Vergleichsuntersuchung teil. Die Vergleichsarbeiten VerA werden flächendeckend an allen Grundschulen jährlich in den Fächern Deutsch und Mathematik durchgeführt. Mittlerweile wird VerA auch im 8. Schuljahrgang durchgeführt. Die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten sollen "Lehrkräften als Grundlage zur Unterrichtsentwicklung dienen und dabei helfen, ihre Schüler aus einem anderen Blickwinkel zu bewerten. So können Lehrkräften den Lernstand ihrer Schüler/-innen, ihrer Klasse und ihrer Schule im Vergleich mit anderen einschätzen", so das Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung (zepf) der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau, das die Vergleichsarbeiten auswertet und Rückmeldungen für die Schulen erstellt.

Am 5. Mai 2014 haben die Bildungsverbände GEW, Grundschulverband, VBE und Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) ein Manifest unter dem Titel "10 Jahre VerA – das Ziel ist verfehlt. Schulen brauchen Unterstützung statt Testeritis." vorgestellt, mit dem sie Kritik an VerA üben und eine grundlegende Änderung des Konzeptes von VerA fordern.

In einer Auswertung der bisherigen Erfahrungen mit VerA kritisiert der Grundschulverband vor allem, dass VerA die Kompetenzen der Kinder nur unvollständig erfasse, weil nur Testaufgaben verwendet würden, die eindeutig und rasch auszuwerten seien. Die Aufgaben seien so umfangreich, dass langsame und auch besonders sorgfältige Schülerinnen und Schüler entmutigt würden. Es werde die Lernausgangslage der Kinder unzureichend berücksichtigt. Bei den Textaufgaben würde ein Wissen vorausgesetzt und würden Begriffe verwendet, über die viele Kinder im 3. Schuljahr noch nicht verfügten. Besonders für bildungsbenachteiligte Kinder und Kinder, für die Deutsch die erste Fremdsprache sei, seien diese Aufgaben kaum lösbar. Insbesondere für inklusive Schulen seien die Testaufgaben deshalb unangemessen und ungeeignet.

Der Grundschulverband schlägt vor,

  • VerA nicht mehr flächendeckend, sondern stichprobenweise und nicht mehr jährlich, sondern nur noch alle drei bis fünf Jahre durchzuführen,
  • mehrere Teststufen anzubieten, damit auch Kinder mit schwächeren Voraussetzungen ihr Können zeigen können,
  • Sprache und Inhalt der Leseaufgaben an die Alltagserfahrung von Grundschulkindern anzupassen und die Mathematikaufgaben weniger sprachlastig zu gestalten,
  • auch andere Lernbereiche wie den Sachunterricht und musisch-ästhetische Fächer im Wechsel mit Lesen und Mathematik zu überprüfen,
  • Instrumente zu entwickeln, die eine differenzierte Beobachtung der individuellen Lernentwicklung anregen und unterstützen
  • den Aufwand für die Lehrkräfte bei der Vorbereitung und Auswertung der Vergleichsarbeiten zu reduzieren.

Ich frage die Landesregierung:

  1. Wie bewertet die Landesregierung die von den Bildungsverbänden BLLV, GEW, Grundschulverband und VBE vorgebrachte Kritik an der Vergleichsarbeit VerA?

  2. Wird die Vergleichsarbeit VerA in Niedersachsen jährlich verpflichtend in Deutsch und Mathematik durchgeführt oder nur in einem der beiden Fächer?

  3. An wen werden in Niedersachsen die Testergebnisse zurückgemeldet (an die Lehrkräfte der einzelnen Klassen, an die Schulen, an die Schulaufsicht, an die Schulinspektion oder an andere?)

  4. In welcher Weise soll auch zukünftig sichergestellt werden, dass die Ergebnisse von VerA nicht für ein Schulranking verwendet werden können?

  5. Werden die Ergebnisse in Niedersachsen mit einem Vergleich mit Schulen zurückgemeldet, deren Schülerinnen und Schüler eine vergleichbare Lernausgangslage haben, oder nur mit einem Vergleich zum Ergebnis des Landes insgesamt?

  6. Welche Erkenntnisse hat die Landesregierung darüber, in welcher Weise die Ergebnisse der Vergleichsarbeit VerA von den einzelnen Schulen ausgewertet und tatsächlich für die Qualitätsentwicklung genutzt wurden?

  7. Welche Unterstützungsangebote gibt es für die Schulen, die Ergebnisse von VerA auszuwerten und für die Unterrichtsentwicklung zu nutzen?

  8. Wie bewertet die Landesregierung die Vorschläge des Grundschulverbandes und der GEW, des VBE und des BLLV zur Weiterentwicklung der Vergleichsarbeit VerA und wie wird sie sich für die Umsetzung dieser Vorschläge einsetzen?"

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