Anteil der Schüler ohne Hauptschulabschluss erneut bedrohlich zugenommen

Einen Tag, nach dem der Wirtschaftsminister des Landes Sachsen-Anhalt künftigen Fachkräftemangel prognostizierte, weist die Bildungsgewerkschaft des Landes auf eine Verschärfung der Situation bei den Schulabschlüssen als Schlüssel zum Berufseinstieg hin.

02.10.2008 Sachsen-Anhalt Pressemeldung GEW Sachsen-Anhalt

GEW-Landeschef, Thomas Lippmann, sagte dazu: "Der Anteil der Schüler ohne Hauptschulabschluss nimmt auch in diesem Jahr zu. Das ist eine bedrohliche Situation. Jeder sechste Schüler muss um seine berufliche und persönliche Zukunft bangen."

Hintergrund dieser Aussage ist, dass nach vorläufigen Angaben des Statistischen Landesamtes über die im zurückliegenden Schuljahr erreichten Schulabschlüsse der Anteil der Schüler am Altersjahrgang erneut steigt, der die allgemein bildenden Schule ganz ohne Abschluss bzw. nur mit einem Abschluss der Schulen für Lernbehinderungen sowie für geistige Behinderungen verlassen.

"Entgegen allen bisherigen Behauptungen, die Situation habe sich in den vergangenen Jahren verbessert, sprechen die nüchternen Zahlen eine deutlich andere Sprache," sagte Lippmann. Erneut verließen im letzten Schuljahrfast 2.600 Schülerinnen und Schüler die allgemein bildenden Schulen, ohne nach Erfüllung der neunjährigen Vollzeitschulpflicht zumindest einen Hauptschulabschluss erreicht zu haben. Der Anteil dieser Jugendlichen an der Gesamtheit ihrer Altersgruppe (das sind aus den extrem schwachen Geburtsjahrgängen 1992/93 nur noch ca. 15.000 Schülerinnen und Schüler) steigt damit auf etwa 17 Prozent. Das ist jeder sechste Schüler aus diesem Jahrgang. Dabei verharrt der Anteil von Schülerinnen und Schülern, die die Schulen ganz ohne Abschluss verlassen, auf dem hohen Niveau von ca. 8 Prozent, während der Anteil der Jugendlichen, die nur Abschlüsse der Förderschulen (für Lernbehinderte bzw. geistig Behindert) erreichen, seit der Wende kontinuierlich ansteigt und inzwischen fast 10 Prozent der Gesamtschülerzahl eines Altersjahrganges ausmacht. "Beides sind bundesweite `Spitzenwerte` und eine erdrückende Last für die weitere persönliche und berufliche Entwicklung der betroffenen Jugendlichen", fügte Lippmann hinzu.

Nach diesem Befund erweisen sich nach Auffassung der GEW auch alle bisherigen Versuche, den gleichzeitig rasant ansteigende Anteil von Hauptschulabschlüssen als das positive Ergebnis einer besseren Förderung der besonders leistungsschwachen Schülerinnen und Schüler in den Sekundar- und Förderschulen zu deuten, als untauglich. "Der Anstieg bei den Hauptschulabschlüssen steht in Gegenteil in direktem Zusammenhang mit dem dramatisch sinkenden Anteil von Realschulabschlüssen – eine Entwicklung, die die ohnehin bestehenden Probleme bei der Nachwuchsgewinnung für die mittelständische Wirtschaft und die Handwerksbetriebe im Lande noch weiter verschärft".

Die GEW erwartet von allen Verantwortlichen, dass angesichts dieser dramatischen Entwicklung die bisher in der Öffentlichkeit betriebene "Augenwischerei" beendet wird. "In den im Bildungskonvent anstehenden Beratungen zur künftigen Entwicklung des Schulsystems in Sachsen-Anhalt muss endlich die wirkliche Dimension unserer Probleme zur Kenntnis genommen und konstruktiv und zielgerichtet an deren Überwindung gearbeitet werden", sagte Lippmann.

Grafische Darstellungen der Abschlussentwicklungen können unter bzw. von der Homepage der GEW Sachsen-Anhalt als pdf-Dateien abgefordert werden.

Weitere Infos unter www.gew-lsa.de/

Ansprechpartner

GEW Sachsen-Anhalt

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