Auszeichnung der besten KESS 7-Schulen:

Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig hat heute im Rathaus vier Schulen ausgezeichnet, die bei der Schulleistungsstudie KESS 7 ("Kompetenzen und Einstellungen von Schülerinnen und Schülern – Jahrgangsstufe 7") im Vergleich zu ähnlichen Schulen die höchsten Lernzuwächse verzeichneten. Anschließend stellte Senatorin Dinges-Dierig ausgewählte Ergebnisse der vertiefenden Analysen des KESS-Datensatzes vor.

27.04.2007 Hamburg Pressemeldung Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB)

Die Auswahl der prämiierten Schulen erfolgte unter Berücksichtigung des Lernzuwachses von KESS 4 zu KESS 7 in allen getesteten Domänen (Mathematik, Leseverständnis, Rechtschreibung, Englisch, Naturwissenschaften). Dabei wurden die Lernzuwächse mit den Lernzuwächsen solcher Schulen verglichen, die eine ähnlich zusammengesetzte Schülerschaft haben. Folgende vier Schulen wurden heute von Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig mit einer Urkunde und einem Gutschein über 1.000 Euro ausgezeichnet:

Schule Am Falkenberg (Grund-, Haupt- und Realschule, Neugraben-Fischbek)
Hansa-Gymnasium Bergedorf
Schule Möllner Landstraße (Grund-, Haupt- und Realschule, Billstedt)
Julius-Leber-Schule (Integrierte Gesamtschule, Schnelsen)

Im Anschluss daran überreichte die Senatorin den erfolgreichsten Lehrerteams eine Urkunde und einen Gutschein über 500 Euro. Die KESS-Klassen dieser beiden Schulen hatten im Leseverständnis bzw. in Mathematik den höchsten Lernzuwachs in der 5. und 6. Jahrgangsstufe erreicht:

Julius-Leber-Schule (Leseverständnis)
Schule Möllner Landstraße (Mathematik)

Überblick über die wichtigsten Befunde der vertiefenden KESS 7-Studie

KESS 7 wurde zu Beginn des Schuljahres 2005/06 im Auftrag der Behörde für Bildung und Sport in allen siebten Klassen der Hamburger Schulen mit Sekundarstufe I durchgeführt. Insgesamt waren 14.200 Schülerinnen und Schüler aus 172 Schulen in die Untersuchung einbezogen. Die Untersuchung erfasst die Lernstände und Leistungsverteilungen in den Bereichen Deutsch (Leseverständnis, Orthografie), Mathematik, Naturwissenschaften und Englisch (allgemeine Sprachfähigkeit, Leseverständnis) am Ende der Beobachtungsstufe bzw. Jahrgangsstufe 6. Darüber hinaus bildet sie die Lernentwicklung in den Kompetenzbereichen Leseverständnis und Mathematik seit der ersten Erhebung im Jahre 2003 (KESS 4) ab.

Schließlich vergleicht die Studie die Lernstände und Lernentwicklungen mit denen der Schülerinnen und Schüler, die 1998 an der LAU 7-Studie teilgenommen haben. An einer Zusatzerhebung nahmen alle 640 Schülerinnen und Schüler der siebten Jahrgangsstufe an Hamburger Förderschulen teil.

Lernstände am Ende der Jahrgangsstufe 6

Die Lernstände der Schülerinnen und Schüler in Mathematik, Deutsch, Naturwissenschaften und Englisch wurden bereits im Sommer letzten Jahres vorgestellt. Ergänzt werden diese Befunde nun um die Lernstände in Rechtschreibung und um Befunde aus weiteren vertiefenden Analysen:

  • Wie bereits in früheren Studien festgestellt, erzielen Mädchen am Ende der Klasse 6 in der Rechtschreibung bessere Leistungen als die Jungen. Die mittleren Rechtschreibleistungen der Mädchen liegen ein halbes Lernjahr über denen der Jungen.
  • Im Verlauf der 5. und 6. Jahrgangsstufe ist der Abstand in der Rechtschreibleistung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Kindern ohne Migrationshintergrund geringer geworden. Auch der Abstand zwischen Schülerinnen und Schülern mit unterschiedlicher sozialer Belastung hat sich in der Rechtschreibung verringert. Beide Befunde sprechen für nennenswerte kompensatorische Effekte des Unterrichts resp. ergänzender Fördermaßnahmen.
  • Anders als im Leseverständnis und in der Mathematik erreichten sowohl die Mädchen als auch die Jungen des "KESS-Jahrgangs" in der Rechtschreibung einen höheren Lernstand und Lernzuwachs als die sieben Jahre zuvor getesteten Schülerinnen und Schüler des "LAU-Jahrgangs".
  • Die zum Schuljahr 2003/04 in Kraft getretene Regelung, den Schülerinnen und Schülern den Übergang in Klasse 6 des Gymnasiums nur dann zu gestatten, wenn Sie eine erfolgreiche Mitarbeit in dieser Klassenstufe erwarten lassen, hat dazu geführt, dass bereits Ende der 5. Jahrgangsstufe 210 Schülerinnen und Schüler von der Beobachtungsstufe des Gymnasiums bzw. der 5. Klasse der Gesamtschule in die Beobachtungsstufe der Haupt- und Realschule wechselten. Nach der Beobachtungsstufe wechselten weitere 197 Schülerinnen und Schüler vom Gymnasium auf eine Gesamtschule oder HR-Schule.
  • 708 Schülerinnen und Schüler (70,5 Prozent), die ohne Gymnasialempfehlung am Ende der Grundschulzeit in der 5. und 6. Klasse das Gymnasium besucht haben, waren auf dieser Schulform erfolgreich. Demgegenüber haben 160 Schülerinnen und Schüler (4,2 Prozent) mit Gymnasialempfehlung das Gymnasium nach der 6. Klasse in Richtung einer anderen Schulform verlassen. Insgesamt sprechen hohe Verbleibsquoten auf dem Gymnasium (85 Prozent bei Kindern aus Familien der unteren sozialen Lage bis über 96 Prozent bei Kindern aus Familien mit einer privilegierten sozialen Lage) für eine gute Prognosesicherheit der Grundschulempfehlungen.
  • Die unterschiedlichen Schulformen entfalten in den Jahrgangsstufen 5 und 6 eine differenzielle Förderwirksamkeit: So lässt sich ein bedeutsamer positiver "institutioneller Effekt" für das Gymnasium nachweisen. Auch bei Kontrolle zentraler Merkmale der unterschiedlichen Eingangsselektivität, d.h. des Vorwissens und der sozialen Herkunft, zeigen die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums höhere mittlere Lernleistungen als die Schülerinnen und Schüler, die Haupt- und Realschulen oder Gesamtschulen besuchen. Relativieren muss man dieses Ergebnis durch den Befund, dass die Leistungsspitze an den Gymnasien nicht zu gleichermaßen hohen Lernzuwächsen gelangt.
  • Analog zu KESS 4 wurde im Rahmen der KESS 7-Studie ein sechsstufiger Belastungsindex erstellt, der die soziokulturelle Situation der Schulen widerspiegelt und Einschätzungen zu den sozialen und familiären Ressourcen der Schülerinnen und Schüler einzelner Schulen zulässt. Hierzu wurden Daten über die soziale Lage von allen Schülerinnen und Schülern erhoben und auf Schulebene aggregiert. Relevante Angaben der Familien sind in diesem Zusammenhang u. a. das Bruttojahreshaushaltseinkommen, der höchste Bildungsabschluss der Eltern und der Sprachgebrauch in der Familie.

Außerschulische Rahmenbedingungen

  • Der Anteil von Schülerinnen und Schülern, die in der 5. und 6. Klasse außerschulischen Nachhilfeunterricht hatten, fällt sowohl in Deutsch mit 22,8 Prozent als auch in Mathematik mit 23,1 Prozent an Haupt- und Realschulen am höchsten aus, gefolgt von den Schülerinnen und Schülern an Gesamtschulen (20,9 Prozent Deutsch; 18,9 Prozent Mathematik). An den Gymnasien erhielten nach Angaben der Eltern in Deutsch 8,4 Prozent, in Mathematik 15,9 Prozent Nachhilfe in der Beobachtungsstufe. Nur im Fach Englisch lassen sich zwischen den Schulformen keine Unterschiede in der Inanspruchnahme von Nachhilfe feststellen (Quote zwischen 20 und 21 Prozent).
  • Die Nachhilfequoten unterscheiden sich auch nach der sozialen Lage der Schülerfamilien: In ungünstigeren sozialen Lagen nimmt in Deutsch und Mathematik ein höherer Schüleranteil Nachhilfeunterricht in Anspruch (ca. 17 Prozent in Deutsch und knapp 19 Prozent in Mathematik) als Schülerinnen und Schüler in privilegierter sozialer Lage (knapp 13 Prozent in Deutsch und knapp 17 Prozent in Mathematik). Es ist anzunehmen, dass ungünstige Ausbildungs- und Arbeitsmarktchancen dazu führen, dass zunehmend auch sozial schlechter gestellte Familien Nachhilfe finanzieren, um ihren Kindern den Erwerb eines höheren Bildungsabschlusses zu ermöglichen.

Erste Ergebnisse der Zusatzerhebung an Hamburger Förderschulen

  • Schülerinnen und Schüler, die eine Förderschule besuchen, sind in der Regel sozial, kulturell und ökonomisch (z. T. erheblich) benachteiligt.
  • Die Schülerinnen und Schüler an Förderschulen verfügen im Vergleich mit Regelschülerinnen und -schülern an den Haupt- und Realschulen über deutlich geringere kognitive Fähigkeiten.
  • Benachteiligungen erschweren es den Schülerinnen und Schülern, im gleichen Maße wie ihre Mitschülerinnen und Mitschüler die Anforderungen der allgemeinen Schule zu bewältigen. Die Siebtklässlerinnen und Siebtklässler der Förderschulen erreichen selbst im Vergleich mit den Schülerinnen und Schülern aus den vierten Klassen der Hamburger Grundschulen deutlich niedrigere Lernstände.
  • Jungen sind mit einem Anteil von 59 Prozent deutlich überrepräsentiert.
  • Während an Förderschulen im Leseverständnis kein Unterschied zwischen Jungen und Mädchen festzustellen ist, verzeichnen Mädchen in Mathematik einen erheblichen Leistungsrückstand gegenüber den Jungen.

Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig: "Der insgesamt gute Lernzuwachs der Schülerinnen und Schüler in der Rechtschreibleistung und die Verbesserung der Rechtschreibleistung im Vergleich zu den sieben Jahre zuvor getesteten Schülerinnen und Schülern des ´LAU-Jahrgangs´ sind ein toller Erfolg für die Arbeit in den fünften und sechsten Klassen. Auch die Verringerung der Abstände in der Rechtschreibleistung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund und zwischen Kindern mit unterschiedlicher sozialen Belastung spricht für einen nennenswerten Fördereffekt des Unterrichts."

Mit der Weiterführung der KESS-Studie im Juni 2007 in allen achten Klassen werden die Lernentwicklungen dieser Schülerinnen und Schüler in den Klassenstufen 7 und 8 weiter verfolgt werden können. Durch die Verknüpfung der bereits am 27. Februar 2007 durchgeführten "Lernstandserhebung Mathematik" in der Jahrgangsstufe 8 mit den KESS 8-Ergebnissen ist außerdem erstmalig eine Einschätzung der mathematischen Kompetenzen mit Blick auf die nationalen Bildungsstandards möglich.

Der vertiefende KESS 7-Bericht kann im Laufe der nächsten Woche auf dem "Hamburger Bildungsserver" eingesehen und heruntergeladen werden. www.hamburger-bildungsserver.de

Grafik: Siehe rechte Spalte


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