Bayerische Eltern proben den Aufstand
(bikl.de) 180.000 bayerische Eltern haben bei der landesweiten Unterschriftenaktion "Mehr Lehrer für Bayern" unterzeichnet. Eine zentrale Forderung der Eltern: kleinere Klassen. Heute wurden die Unterschriften Kultusminister Siegfried Schneider übergeben. Doch der erklärte, es sei wissenschaftlich nicht belegbar, dass sich kleinere Klassen positiv auf die Unterrichtsergebnisse auswirken.
13.07.2007 Bayern ArtikelDie Initiative selbst war von der Menge der Unterschriften überrascht. "Wir hatten mit 50 000 bis 60 000 Unterschriften gerechnet", erklärte der Initiator der Aktion, Albert Orterer von der Elterninitiative einer Grundschule in Wackersberg (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Unterstützung hatte die Initiative von Elternbeiräten an mehr als 500 bayerischen Schulen bekommen.
Mit zwei Leiterwagen hatten die Eltern schließlich die Unterschriften ins Kultusministerium transportiert. Dort aber erhielten sie eher enttäuschende Antworten Kultusminister Schneider versprach zwar 150 zusätzliche sogenannte "Mobile Reserven" - Grundschullehrer, die an unterschiedlichen Orten eingesetzt werden können, erklärte aber gleichzeitig, die Klassenstärke allein entscheide laut wissenschaftlichen Studien nicht über den Klassenerfolg. Er verwies auf "tolle Ergebnisse" bei manch großen Klassen und wies die Erklärungen der Elterninitiative als "Einzelfallbeobachtungen" zurück.
"Es ist wissenschaftlich sehr wohl nachgewiesen, dass Schüler in kleinen Klassen in ihren Leistungen profitieren, wenn die Lehrkräfte diesen Vorteil nutzen und einen anderen Unterrichtsstil als in großen Klassen pflegen", konterte der Bayerische Philologenverband und zitierte unter anderem eine amerikanische Langzeituntersuchung mit 5.000 Beteiligten, die belegt hatte, dass Schüler, die in kleinen Schulklassen mit maximal 17 Schülern lernten, noch Jahre später als Collegestudenten bessere Leistungen zeigten als ihre Mitstudenten, die ehemals in großen Klassen unterrichtet wurden.
Die BEV-Landesvorsitzende Isabell Zacharias sagte zur Übergabe der Unterschriften: "Auch Eltern lesen wissenschaftliche Studien, und zwar gründlich. Alle Studien betonen, dass Lehrer die Chance kleiner Klassen nicht nutzen und hier denselben Unterricht halten wie in großen Klassen. Deswegen zeigt sich auch kein Unterschied." Wenn Lehrer mehr Zeit für jedes Kind hätten, könnten sie aber ganz anders unterrichten. "Sie müssten es einfach mal probieren!"
Und der bayerische SPD-Bildungssprecher Hans Ulrich Pfaffmann schließlich zeigte sich empört über die Haltung von Kultusminister Schneider gegenüber der Initiative. "Reichen 180 000 Unterschriften aus ganz Bayern nicht aus, um das berechtigte Anliegen der Eltern ernst zu nehmen? Diese 180 000 Eltern haben Recht: Wir haben zu große Klassen, zu wenig Lehrer und es fällt zu viel Unterricht aus. Schneider hat offensichtlich den Bezug zur Realität im Schulalltag verloren", so Pfaffmann.
- Besserer Unterricht in kleinen Klassen
- Philologenverband zur Übergabe von 180.000 Unterschriften für kleinere Klassen an Kultusminister Schneider:
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