Bayern

Bayerisches Kultusministerium lehnt das SPD-Modell der Einheitsschule ab

"Die einzelne Schülerin und der einzelne Schüler stehen im Mittelpunkt des bayerischen Bildungswesens", unterstrich Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle. "Die jungen Menschen mit ihren unterschiedlichen Begabungen und Interessen werden durch das differenzierte bayerische Bildungswesen sehr gut gefördert." Eine Strukturdebatte, wie sie die SPD mit ihrer neuerlichen Forderung nach einer vermeintlichen "Gemeinschaftsschule" propagiert, sei kontraproduktiv. Damit bezieht das bayerische Kultusministerium Stellung zu den heute neuerlich von der Landtags-SPD vorgetragenen Überlegungen. Für das Bayerische Kultusminister lautet die Priorität: Individuelle Förderung statt Einheitsschule.

19.01.2011 Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Die von der SPD angekündigte Werbekampagne kommentiert das Kultusministerium: "Die SPD-Werbekampagne dient zwar finanziell einer PR-Agentur, erhöht aber nicht die individuelle Förderung an der sogenannten Gemeinschaftsschule."

Zum Alltag an bayerischen Schulen mit dem Fokus auf die individuelle Förderung nimmt das Ministerium wie folgt Stellung:

  1. Das differenzierte bayerische Schulwesen bietet nämlich den Schülerinnen und Schülern im Anschluss an die Grundschule nicht nur die Kernschularten Haupt-/Mittelschule, Wirtschafts- und Realschule sowie Gymnasium, sondern in diesen einzelnen Schularten auch verschiedene Schwerpunkte und Zweige. In der Mittelschule z.B. können die Schülerinnen und Schüler einen der drei berufsorientierenden Zweige Technik, Wirtschaft und Soziales wählen. Vergleichbare Richtungen bzw. Zweige gibt es auch an Realschulen und Gymnasien. Dort werden die Schülerinnen und Schüler entsprechend ihren Neigungen und Begabungen intensiv unterstützt.

  2. Mit dem Modellversuch "Flexible Grundschule" erprobt Bayern gegenwärtig Wege, die Grundschule noch stärker als bisher auf die Bedürfnisse und die Lernsituation der Kinder auszurichten. An 20 Standorten in Bayern können dabei Jungen und Mädchen die Eingangsstufe der Grundschule (die ersten beiden Jahrgangsstufen) in ein, zwei oder drei Jahren durchlaufen. Auf einem soliden Fundament in Lesen, Schreiben und Rechnen besuchen sie dann die dritte Jahrgangsstufe. Insgesamt können dann junge Menschen die Grundschule in drei, vier oder fünf Jahren durchlaufen.

  3. Mit der Weiterentwicklung der Hauptschule zur Mittelschule sowie der Organisation von Schulverbünden kann wohnortnah ein hochwertiges Bildungsangebot mit verschiedenen Schwerpunkten gesichert werden. Rund 600 Hauptschulen haben sich zu diesem Schuljahr zur Mittelschule weiterentwickelt.

  4. An den Haupt-/Mittelschulen gibt es seit diesem Schuljahr durch die neu eingeführte Intensivierungsstunde eine Möglichkeit, bereits ab der 5. Jahrgangsstufe zusätzlich nach dem Leistungsvermögen der Kinder differenziert zu fördern.

  5. Die zusätzlichen berufsorientierenden Angebote der Mittelschule und die Modellversuche der Kooperation von Haupt-/Mittelschule und Realschule bzw. Haupt-/Mittelschule und Wirtschaftsschule und die damit verbundenen Neugründungen von Wirtschafts- und Realschulen im ländlichen Raum eröffnen den jungen Menschen in der Region seit dem Schuljahr 2009/2010 neue zusätzliche Chancen auf der Basis des differenzierten Schulwesens.

  6. Auch an den Realschulen und Gymnasien wird den jungen Menschen in der fünften Klasse in der Form von Förder- bzw. Intensivierungsstunden ein Angebot zur individuellen Förderung unterbreitet.

  7. Der Ausbau der Ganztagsschulen wird konsequent fortgesetzt.

Mit ihrem Vorschlag einer "Gemeinschaftsschule" in kleinräumiger Struktur, die von den Schülerinnen und Schülern nach der 4. Jahrgangsstufe besucht werden soll, will die SPD nur auf Umwegen die Einheitsschule von der 1. bis zur 10. Jahrgangsstufe einführen.

Die Bandbreite der differenzierten Förderangebote des bayerischen Schulwesens würde nach dem SPD-Konzept entfallen.

Das bayerische Kultusministerium setzt auch in Zukunft auf ein differenziertes Schulwesen, bei dem das einzelne Kind im Mittelpunkt steht und für das ein vielfältig differenziertes Bildungsangebot geschaffen wird.


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