Bayern ist kein Bildungsparadies

Zur Regierungserklärung des bayerischen Kultusministers Siegfried Schneider, in dem dieser Bayerns Bildungspolitik über den grünen Klee lobte, sagte die Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbands Isabell Zacharias: "Das klingt alles wunderbar: bayerischen Schüler sind Spitze bei Pisa, und die Staatsregierung gibt jedem Kind eine Chance. Wer die Zustände nicht kennt, könnte Bayern für das Bildungsparadies schlechthin halten. Aber Eltern und Kinder leiden unter diesem Bildungssystem."

03.07.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Elternverband

So seien die Stunden im achtjährigen Gymnasium zwar gekürzt worden, der Lernstoff aber nicht, was noch mehr Unterricht nach Hause verlagere. Ohne Unterstützung der Eltern könnten bayerische Kinder nicht einmal lesen lernen, geschweige denn weiterführende Schulen besuchen. "Das ist Outsourcing der Bildung auf Kosten der Familien."

Lehrer an Förderschulen arbeiteten unter unzumutbaren Bedingungen, hätten die bundesweit größten Klassen und überdies nur befristete Arbeitsverträge. Ein besonders gutes Beispiel für die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit seien die Ganztagsschulen. An Gymnasien und Realschulen gebe es fast nirgends Ganztagsunterricht, obwohl viele G8-Schüler den ganzen Tag Unterricht haben. Die 30 Förderzentren, für die Ganztagsklassen genehmigt seien, kämpften derzeit mit dem Problem, dass viele Eltern das Mittagessen nicht bezahlen können. "Hier hat die Staatsregierung, die eigentlich einen Zuschuss geben wollte, mittlerweile einen Rückzieher gemacht", sagte Zacharias.

Den Eltern, die ihr Kind in eine Ganztagshauptschule schicken wollen, werde das sehr schwer gemacht. "Es gibt viel zu wenige Ganztagsklassen an Hauptschulen", sagte Zacharias. Im kommenden Schuljahr werde zwar ca. ein Drittel aller Hauptschulen einen Ganztagszug oder eine Ganztagsklasse haben, aber der Bedarf sei sehr viel größer. "Geradezu grotesk ist es, dass Eltern, die ihr Kind aus pädagogischen Gründen in eine Ganztagsschule schicken wollen, das gar nicht dürfen. Wenn sie nicht zufällig eine Ganztagsschule am Ort haben, müssen sie einen Gastschulantrag stellen und darin behaupten, ihr Kind brauche nachmittags Betreuung." Nur ein kleiner Teil solcher Anträge werde dann genehmigt. "Von einer echten Wahl der Eltern zwischen Halbtags- und Ganztagsschule kann beim größten Wohlwollen also nicht die Rede sein."


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