Berliner Netzwerk für Lehrkräfte mit Migrationshintergrund wächst kontinuierlich und zieht positive Bilanz
Anlässlich des bevorstehenden Schülercampus "Mehr Migranten werden Lehrer" zog Claudia Zinke, Staatssekretärin für Bildung, Jugend und Familie, eine erste positive Bilanz der Netzwerkarbeit. Das am 15. September 2010 ins Leben gerufene Netzwerk für Lehrkräfte mit Migrationshintergrund kann auf erfolgreiche Monate zurückblicken: Mit 40 Lehrkräften gestartet, ist es inzwischen auf über 80 angewachsen.
16.06.2011 Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und ForschungDas Netzwerk hat in den letzten Monaten die Kontakte zu den Schulen mit gymnasialer Oberstufe und hohen Migrationsanteilen intensiviert, den Schülercampus vorbereitet und die Schülerinnen und Schüler dafür ausgewählt. Über 30 Netzwerklehrkräfte lassen sich zur Zeit von der Humboldt-Universität zu Berlin zu Mentorinnen und Mentoren weiterbilden, um Schülerinnen und Schüler sowie Studierende zu beraten und auf ihrem weiteren Berufsweg zu begleiten. Diese Qualifizierung ist eine im Rahmen der Lehrerfort- und -weiterbildung anerkannte Maßnahme, die von der Senatsbildungsverwaltung entsprechend zertifiziert wird und so auch für die weitere Personalentwicklung der Mentoren eine positive Berücksichtigung findet. Dies ist eine Besonderheit des Berliner Netzwerks und zeigt die systematische Entwicklung und Anerkennung durch die Bildungsverwaltung. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal bildet die Konzentration der Werbung für lehramtsbezogene MINT-Studiengänge.
"Das Netzwerk hat hervorragende Arbeit geleistet, wofür ich allen Beteiligten herzlich danke. Lehrkräfte mit Migrationshintergrund sind Vorbilder gelungener Integration, ihr Beispiel ermutigt Kinder und Jugendliche, einen guten Bildungsabschluss zu erwerben. Denn Bildung bedeutet berufliche Perspektiven und Aufstiegschancen", so Bildungsstaatssekretärin Claudia Zinke. "Eine heterogene Schülerschaft braucht auch eine heterogene Lehrerschaft. Berlin freut sich auf junge Menschen, die die verantwortungsvolle Aufgabe der Schulentwicklung als positive Zukunftsperspektive für sich begreifen und bereit sind, aktiv an diesen Entwicklungen teilzuhaben."
Das Netzwerk trifft sich monatlich und auf Wochenendworkshops. Beispielhaft sind die Vorbereitungen für ein Elternprojekt, das im Schuljahr 2012 zunächst an einem Gymnasium in Kreuzberg Beratungs- und Informationsangebote über Ausbildungs- und Studienwege starten will. In den vergangenen Monaten war die Netzwerkarbeit von den Vorbereitungen zum Schülercampus geprägt. Gemeinsam mit den Kooperationspartnern Hertie-Stiftung und Zeit-Stiftung wurden aus den Bewerbungen 30 Schülerinnen und Schüler ausgewählt, die in den kommenden vier Tagen testen können, ob ihnen der Lehrerberuf liegt. In der Bildungsstätte wannseeFORUM erwartet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein konzentriertes Programm: Sie hospitieren an Neuköllner Schulen, treffen auf Lehrkräfte mit Migrationshintergrund, führen Gespräche mit Professorinnen und Professoren aus der Lehrerbildung und verbringen wahlweise einen Vormittag an der Freien Universität Berlin oder an der Humboldt-Universität zu Berlin. Für die erfolgreiche Teilnahme bekommen die Schülerinnen und Schüler am Sonntag, dem 19. Juni, um 11.00 Uhr von der Staatssekretärin ihr Zertifikat überreicht.
Der Schülercampus "Mehr Migranten werden Lehrer" wurde 2008 von der ZEIT-Stiftung initiiert und fand bereits in Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen und Bayern statt. Ziel ist es, bei Schülerinnen und Schülern mit Zuwanderungshintergrund Interesse für den Lehrerberuf zu wecken.
Statements von Netzwerkteilnehmerinnen und -teilnehmern:
Zilan Yildirim, Studentin im 7. Semester (Bachelor) an der TU zu Berlin und der FU Berlin für die Fächer Arbeitslehre und Deutsch
"Auf das Berliner Netzwerk für Lehrkräfte mit Migrationshintergrund bin ich - glücklicherweise - ganz zufällig im November 2010 gestoßen. Mein damaliger Tutor Cem Elit, der mich durch das Abitur begleitet hat, inspirierte mich dazu auch den Lehrerberuf zu erlernen. Ausschlaggebend war dabei nicht minder seine Zuwanderungsgeschichte. Seitdem ich mich ehrenamtlich beim Netzwerk engagiere, habe ich vielmehr Selbstvertrauen und Stärke gewonnen. Die Mitarbeit innerhalb der Gemeinschaft ist überragend und bereichert nach jedem Treffen meinen Horizont.
Das Netzwerk hat es uns ermöglicht, verschiedene Karriereperspektiven im Lehrerberuf kennenzulernen, welche uns zu Beginn unseres Studiums nicht bewusst waren.
Durch die Projekte wie die des Schülercampus´ und Mentorings soll Schülerinnen und Schülern Mut gemacht werden, ein lehramtsbezogenes Studium zu ergreifen. Auch sie werden dann für die kommenden Generationen selbstbewusste Vorbilder sein."
Dilan Mete, Netzwerkmitglied und Studentin im 6. Semester (Bachelor) für die Fächer Wirtschaftswissenschaften und Betriebliches Rechnungswesen an der HU zu Berlin
"Die richtige Berufswahl zu treffen ist nicht immer leicht. Im Berliner Netzwerk für Lehrkräfte mit Migrationshintergrund habe ich nochmals die Bestätigung erhalten, tatsächlich die richtige Wahl getroffen zu haben. In erster Linie bietet das Netzwerk für uns Studierende eine besondere Möglichkeit uns auszutauschen. Wobei man an dieser Stelle betonen muss, dass dieser Austausch nicht nur zwischen den studentischen Mitgliedern stattfindet, sondern insbesondere mit den langjährigen erfahrenen Lehrkräften.
Unsere Treffen sind immer sehr lebendig und bereichernd. Durch unsere unterschiedlichen Erfahrungen und Meinungen ergänzen wir uns alle hervorragend. Die Zusammenarbeit und die Atmosphäre ist von daher einzigartig."
Engin Catik, Master-Student an der Universität Potsdam mit der Fächerkombination Geschichte / LER (Ethik) für das Gymnasium (10 Semester)
"Das Berliner Netzwerk für Lehrkräfte mit Migrationshintergrund ermöglicht mir an einem intensiven Austausch zwischen Studierenden, Referendaren und erfahrenen Lehrkräften teilzunehmen, und zwar auf Augenhöhe. Der Mentoringkurs und die regelmäßigen Netzwerktreffen helfen dabei nicht nur die beruflichen Kompetenzen weiterzuentwickeln, sondern vor allem durch die Erfahrungsberichte Gleichgesinnter und die gegenseitige Unterstützung die individuellen Fähigkeiten zu erkennen und zu stärken.
Ich hoffe, dass wir mithilfe des Schülercampus weitere Jugendliche mit Migrationshintergrund für den Lehrerberuf gewinnen können, um sie auf ihrem Weg so zu begleiten, wie ich zurzeit vom Netzwerk begleitet werde."
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