Schleswig-Holstein

Bildungsminister Klug im Landtag: Neues Schulgesetz stellt die Weichen für ein zweigliedriges Schulsystem in Schleswig-Holstein

"Wir eröffnen den Schulen in Schleswig-Holstein Freiräume, die sie bislang nicht hatten." Bildungsminister Dr. Ekkehard Klug sagte heute (6. Oktober) im Kieler Landtag bei der ersten Lesung des neuen Schulgesetzes. Die Landesregierung lasse den Formulierungen des Koalitionsvertrages Taten folgen: "Schulen sollen vieles, was bisher verordnet wurde, in pädagogischer Eigenverantwortung selbst bestimmen." Zugleich würden die Weichen für ein zweigliedriges Schulsystem in Schleswig-Holstein gestellt.

06.10.2010 Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Kernpunkt der Gesetzesnovelle sei es, den neunjährigen Bildungsgang an den Gymnasien wieder möglich zu machen. "Ich bin fest davon überzeugt, dass es richtig und wichtig ist, den Elternwillen ernst zu nehmen", sagte Klug und verwies auf Umfragen, in denen sich 71 Prozent der westdeutschen Bürger und bis zu 84 Prozent der Schleswig-Holsteiner für diesen Weg ausgesprochen haben. Das neue Schulgesetz räume den Gymnasien diese Wahlfreiheit zur Dauer des gymnasialen Bildungsganges sowie auch das Nebeneinander von acht Jahren Gymnasialzeit (G 8) und neun Jahren (G 9) ein. "Über das Angebot entscheiden Schulleitung, Schulkonferenz und Schulträger", sagte der Minister, "das bedeutet für die Schulen ein Höchstmaß an Entscheidungsfreiraum."

Parallel zur Wahlfreiheit würden auch die Rahmenbedingungen für G8 verbessert, die in wesentlichen Teilen schon im laufenden Schuljahr griffen. So stünden acht zusätzliche Intensivierungsstunden in der Sekundarstufe I zur Verfügung, zudem würden offene Ganztagsangebote an Gymnasien gefördert. Und um das Pensum besser auf die verkürzte Schulzeit abzustimmen, würden zum kommenden Schuljahr außerdem Kern-Lehrpläne für die Hauptfächer Deutsch, Englisch und Mathematik definiert.

Bildungsminister Klug betonte, dass die G8/G9-Pläne Schleswig-Holsteins mittlerweile in anderen Bundesländern Schule mache. So plane zum Beispiel Nordrhein-Westfalen auch die Wahlfreiheit am Gymnasium.

Die Schulgesetznovelle sieht auch vor, Regional- und Gemeinschaftsschulen die Möglichkeit einzuräumen, sich zwischen dem Modell des gemeinsamen Unterrichts in einer Klasse und einer stärkeren Differenzierung in Lerngruppen zu entscheiden. "Niemand bekommt ein starres Korsett, die Schulen entscheiden vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen und in Kenntnis der besonderen Bedingungen vor Ort", sagte Klug. Diese Öffnung von Freiräumen biete zugleich die Voraussetzung dafür, dass Regiona- und Gemeinschaftsschulen mittelfristig zu einer Schulart zusammenwüchsen und sich damit neben dem Gymnasium als zweite allgemein bildende Schulart etablierten. Diese Perspektive, betonte der Minister, sei schon mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung sinnvoll.

Weitere Punkte des neuen Schulgesetzes:

  • Durch die (Wieder-)Einführung von Anerkennungsregeln für Schulabschlüsse soll der Aufwand der Prüfungen, der durch die Vorgänger-Regierung 2007 erhöht worden war, wieder auf ein sinnvolles Maß zurückgeführt werden.
  • Gemeinschaftsschulen sollen künftig auch den Status "öffentlich zuständige Schule" erhalten können.
  • Der Schullastenausgleich soll auf die "Vollkostenrechnung" umgestellt werden, d.h., kommunale Schulträger würden entlastet.
  • Im neuen Schulgesetz wird das Leitbild der inklusiven Beschulung verankert.
  • Die Förderung Hochbegabter wird neu in die schulrechtlichen Bestimmungen aufgenommen.

Der Bildungsminister sagte im Kieler Landtag, der Schulgesetzentwurf eröffne den Schulen Freiräume und sichere eine vernünftige Schulentwicklung. "Unsere Änderungen des alten Schulgesetzes helfen, das Augenmerk wieder stärker auf die Unterrichtsentwicklung zu richten", sagte Klug.


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