Bildungsministerin Erdsiek-Rave zur Leseuntersuchung IGLU-Studie: Reformen und gute Arbeit an den Grundschulen zahlen sich aus

Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave hat die Ergebnisse der internationalen Grundschul-Leseuntersuchung IGLU als Erfolg der deutschen Reformanstrengungen bewertet. Sie gratulierte allen Grundschulen zum hervorragenden Gesamtergebnis und bedankte sich bei den Lehrerinnen und Lehrern für ihre engagierte Arbeit. "Dieser Erfolg im internationalen Vergleich ist nicht vom Himmel gefallen, sondern das Ergebnis langjähriger Arbeit", sagte sie heute (28. November) zur Veröffentlichung der IGLU-Studie. Besonders erfreulich sei, dass leistungsschwächere wie leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler ihre Kompetenzen verbessert hätten. Vor allem bei den Jungen sei das Leseinteresse gewachsen.

29.11.2007 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Die Ministerin betonte, der Unterricht an Schleswig-Holsteins Grundschulen sei ein gutes Beispiel dafür, wie trotz unterschiedlicher Lernvoraussetzungen alle Schülerinnen und Schüler durch individuelle und differenzierte Lernangebote optimal gefördert werden könnten. "Dieses Prinzip des gemeinsamen Lernens und der individuellen Förderung kann durch das neue Schulgesetz nun auch in den weiterführenden Schulen konsequent fortgesetzt werden." Mit der inzwischen landesweit etablierten Verlässlichen Grundschule, der bis zu dreijährige Eingangsphase sowie der flächendeckenden Einführung von vorschulischen Sprachintensivkursen (SPRINT) habe Schleswig-Holstein wichtige Impulse gesetzt.

Erdsiek-Rave unterstrich die Bedeutung der Leseförderung. "Lesen ist wichtig für den Spracherwerb der Kinder und ihre Lernfähigkeit insgesamt", sagte sie. "Deshalb ist die Leseförderung inzwischen fest in den Schulen verankert und ein wesentlicher Bestandteil des umfassenden Sprachförderprogramms, das die Landesregierung seit Jahren gezielt verfolgt:" Dazu gehörten Lesetagebücher, gezielte vorschulische und schulische Sprachförderung, spezielle Programme für Hauptschulen, Lesewettbewerbe aber auch die Kooperation mit Bibliotheken und Büchereien bis hin zum Aufbau weiterer Schulbüchereien und die Zusammenarbeit mit Zeitungsverlagen.

Die IGLU-Studie zeigt nach Ansicht der Ministerin aber auch deutlich, an welchen Stellen es noch Verbesserungsbedarf gibt. "Die Leseleistung ist noch zu sehr abhängig von der Herkunft. Um für mehr Chancengleichheit zu sorgen, müssen wir vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Elternhäusern und aus Migrantenfamilien noch gezielter fördern."

Mit der internationalen Studie PIRLS/IGLU (Progress in International Reading Literacy Study/Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) wird alle fünf Jahre das Leseverständnis der Schülerinnen und Schüler am Ende der Grundschulzeit unter den Aspekten Verstehensprozess und Leseintention erfasst. Durch eine Befragung von Lehrkräften, Eltern, Schulleiterinnen und Schulleitern werden dabei auch die familiären, schulischen und sozialen Bedingungen des Lernens einbezogen.

Die wichtigsten Ergebnisse von IGLU 2006:

Leseleistung im internationalen Vergleich Im internationalen Vergleich gehört Deutschland zu den Staaten, in denen Kinder am Ende der vierten Jahrgangsstufe der Grundschulzeit eine hohe Lesekompetenz erreichen.
Kinder in Deutschland schneiden in allen getesteten Bereichen sehr gut ab. Kein Land erreicht am Ende der vierten Jahrgangsstufe signifikant höhere Testleistungen bei der Informationsentnahme von Texten. Gleichzeitig gelingt es Deutschland auch, die Leistungsstreuung vergleichsweise gering zu halten.

Anteil schwacher Leser

Der Anteil der Risikogruppe, d.h. der Schülerinnen und Schüler, die nicht in der Lage sind, relevante Informationen in Texten aufzufinden und miteinander in Beziehung zu setzen, ist in Deutschland auf 13,2 % gesunken. Nur in zwei der 35 Teilnehmerstaaten (Hongkong und Niederlande) ist der Anteil signifikant geringer.

Anteil der Spitzengruppe

Der Anteil von Schülerinnen und Schüler auf der höchsten Kompetenzstufe beträgt am Ende der vierten Jahrgangsstufe in Deutschland 10,8 % und entspricht damit dem Mittelwert der EU- sowie der OECD-Staaten.

Leseleistungen von Mädchen und Jungen

Die Differenz zwischen Mädchen und Jungen ist in keinem der Teilnehmerstaaten kleiner als in Deutschland. Jungen finden sich etwas häufiger in der Risikogruppe und etwas seltener in der Spitzengruppe.

Soziale Unterschiede

Schüler aus den unteren und oberen sozialen Schichten unterscheiden sich in ihren Leseleistungen erheblich. Die Differenz liegt in Deutschland bei 67 Punkten und damit über dem internationalen Mittelwert.

Migrationsbedingte Ungleichheit

Werden die Leistungsunterschiede zwischen Kindern, deren Eltern beide im Ausland geboren wurden, und solchen, deren Eltern beide im jeweiligen Staat geboren wurden, gemessen, so fällt die in Deutschland beobachtete Differenz mit 48 Punkten im internationalen Vergleich relativ hoch aus.
Gegenüber 2001 sind die migrationsbedingten Ungleichheiten in Deutschland jedoch deutlich zurückgegangen (von 55 auf 48 Punkte).

Lesemotivation

Im internationalen Vergleich berichten deutsche Schülerinnen und Schüler von einer hohen Lesemotivation und einem positiven Leseverhalten. In keinem anderen Teilnehmerland gibt es mehr Kinder, die angeben, täglich zu ihrem Vergnügen zu lesen.
Im Vergleich zur Studie im Jahr 2001 zeigt sich, dass die generelle Zunahme der Lesefreude vor allem auf die Jungen zurückzuführen ist.

Elternhaus und Lesekompetenz

Dem Elternhaus kommt bei der Entwicklung von Lesefreude und Leseinteresse eine herausragende Rolle zu. Im internationalen Vergleich lesen deutsche Eltern seltener mit ihren Kindern.

Schullaufbahnempfehlungen und Lesekompetenz Die Prognosen der Lehrkräfte entsprechen weitgehend dem getesteten Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler. Allerdings lässt sich vermuten, dass es dabei auch Fehleinschätzungen in beide Richtungen gibt: Ein Teil relativ schwacher Leser erhält eine Gymnasialempfehlung und ein anderer Teil relativ starker Leser erhält keine Gymnasialempfehlung.

Schließlich zeigt sich, dass das erwartete Leistungsniveau für eine Gymnasialempfehlung für sozial benachteiligte Kinder und Kindern mit Migrationshintergrund deutlich höher liegt als für Kinder aus bildungsnahen Elternhäusern.


Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden