Schleswig-Holstein

Bildungsministerin Waltraud 'Wara' Wende stellt Schulgesetzentwurf vor: "Wir stellen die Weichen für mehr Bildungsgerechtigkeit und längeres gemeinsames Lernen"

Bildungsministerin Prof. Dr. Waltraud ´Wara´ Wende hat heute (28. Mai) den Referentenentwurf für das neue Schulgesetz vorgestellt. "Wir stellen damit wichtige Weichen: Für mehr Bildungsgerechtigkeit im Schulsystem und für mehr längeres gemeinsames Lernen. Das macht mich stolz", sagte sie.

28.05.2013 Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Zum ersten Mal sei in den vergangenen Monaten mit dem erfolgreichen Bildungsdialog auch das Versprechen eingelöst worden, frühzeitig alle an Bildung beteiligen Gruppen in diesen Prozess einzubeziehen. "Der Entwurf mit seinen Änderungen wird schon jetzt von vielen getragen. Gute Bildungspolitik braucht diesen Konsens." Dafür bedankte sie sich noch einmal ausdrücklich bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Bildungsdialogs.

Der Referentenentwurf wurde heute vom Kabinett beraten und befürwortet. Jetzt nehmen die beteiligten Verbände in einer Anhörung Stellung. Im September ist die zweite Kabinettsbefassung geplant. Das Schulgesetz soll zum Schuljahr 2014/15 wirksam werden.

Kernelement der Schulgesetz-Änderungen ist die Einführung der zweigliedrigen Schulstruktur mit Gemeinschaftsschulen und Gymnasien. Die Landesregierung wolle den Eltern die Wahlmöglichkeit eröffnen zwischen Gymnasien, die auf frühzeitige Selektion der Schülerinnen und Schüler setzen, und Gemeinschaftsschulen, zu deren Programmschwerpunkt das längere gemeinsame Lernen der Schülerinnen und Schüler gehöre. Ziel der Schulgesetz-Änderung ist es, jedem Kind, unabhängig von seiner sozialen Herkunft, eine faire Chance auf einen bestmöglichen Schulabschluss zu ermöglichen.

Aus diesem Grund wurde bereits im Februar durch das vom Landtag verabschiedete Vorschaltgesetz der gesetzliche Rahmen geschaffen, um ein größeres Angebot an Gemeinschaftsschulen mit eigener Oberstufe bereitzustellen: "Wir wollen die Quote der Abiturientinnen und Abiturienten in Schleswig-Holstein nachhaltig erhöhen", sagte die Bildungsministerin.

Die wichtigsten neuen Regelungen im Einzelnen:

Gymnasien

An den Gymnasien wird in der Regel nach acht Jahren das Abitur erworben (G8); die im Schuljahr 2014/15 bereits bestehenden Gymnasien mit einem neunjährigen Bildungsgang oder einem acht- und neunjährigen Bildungsgang (das sogenannte Y-Modell) können fortgeführt werden.

Gemeinschaftsschulen

An den Gemeinschaftsschulen können drei Bildungsabschlüsse erworben werden: die ´Berufsbildungsreife´ nach neun Jahren, der ´Mittlere Abschluss´ nach zehn Jahren und das ´Abitur´ nach 13 Jahren (G9).

Kooperationen

Da nicht alle Gemeinschaftsschulen eine eigene Oberstufe haben, können Schulen ohne eigene Oberstufe Kooperationen mit allgemein bildenden Schulen mit eigener Oberstufe und/ oder Beruflichen Gymnasien eingehen. Diese Kooperationen gewährleisten, dass die Schülerinnen und Schüler bereits mit dem Wechsel von der Grundschule in die weiterführende Schule 'ihre' Oberstufe kennen. Zudem haben die Schülerinnen und Schüler - wenn sie die schulischen Leistungsvoraussetzungen erfüllen - damit auch eine Rechtsgarantie für den Besuch dieser Oberstufen. "Das bedeutet: Wenn die Schulträger von dieser Kooperationsmöglichkeit stark Gebrauch machen -, können kurz- bis mittelfristig nahezu alle weiterführenden Schulen im Land ihren Schülerinnen und Schülern de facto eine Oberstufe anbieten", sagte die Bildungsministerin.

Eine organisatorische Verbindung zwischen Gymnasium und Gemeinschaftsschule im Sinne der Bildung einer Schule ist nicht vorgesehen. Eine Ausnahmeregel gilt für die sechs Gymnasien, die eine organisatorische Verbindung mit einer Regionalschule eingegangen sind, diese sechs Gymnasien können eine solche organisatorische Verbindung mit einer Gemeinschaftsschule eingehen.

Abschlussbezogenen Klassenverbände

Abschlussbezogene Klassenverbände gibt es zukünftig nur noch an den Gymnasien. An den Gemeinschaftsschulen wird es mit Ausnahme der 'flexiblen Übergangsphase' keine abschlussbezogenen Klassenverbände mehr geben. Der Unterricht findet hier in binnendifferenzierender Form statt. Ab der Jahrgangsstufe 7 ist es allerdings möglich, die Lerngruppen nach Leistungsfähigkeit und Neigung der Schülerinnen und Schüler zu differenzieren.

Regionalschulen

Alle bestehenden Regionalschulen mit mindestens 240 Schülerinnen und Schülern werden zum 1. August 2014 in Gemeinschaftsschulen umgewandelt.

Abschlüsse

An die Stelle des ´Hauptschulabschlusses´ tritt die Bezeichnung ´Berufsbildungsreife´, an die Stelle des ´Realschulabschlusses´ die Bezeichnung ´Mittlerer Schulabschluss´.

Bildungsministerin Wende: "In dem neue Schulgesetz manifestiert sich nicht nur das, was mir, der Landesregierung und den regierungstragenden Fraktionen wichtig ist, sondern hier manifestiert sich vor allem auch das, was den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Bildungskonferenz wichtig war: Wir sind auf dem richtigen Weg."

Weitere Infos zum neuen Schulgesetz


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