10-Punkte-Plan

Bildungspaket braucht dringend Nachhilfe

(red/pm) Kostenfreie Nachhilfe für ärmere Kinder – das ist eine der Aufgaben, die vom Bildungspaket der Bundesregierung finanziert werden sollten. Aber die Nachhilfe komme bisher kaum bei den Kindern an. Eines der Hauptprobleme bestehe darin, dass die Lernförderung nicht als Mittel für den Bildungsaufstieg angelegt sei, sondern lediglich als Mittel gegen den Bildungsabstieg, so Sebastian Gallander, der jetzt im Auftrag von Vodafone Stiftung und Stiftung Neue Verantwortung zehn Empfehlungen erarbeitet hat, wie deutlich mehr Kinder Zugang zu dieser Art Lernförderung bekommen können.

28.02.2013 Artikel

"Auf dem steilen Weg zum Schulabschluss brauchen gerade die Kinder aus benachteiligten Familien ein starkes Seil, an dem sie sich hochziehen können. Doch was sie mit der Lernförderung bekommen haben, ist lediglich ein Sturzhelm", sagt Sebastian Gallander. Tatsächlich darf ein Schüler die Lernförderung aus dem Bildungspaket nur dann erhalten, wenn das Erreichen wesentlicher Lernziele - in der Regel die Versetzung - gefährdet ist. Dann ist es jedoch für viele Schüler schon fast zu spät. Hinzu kommt, dass der Schüler somit nur so lange Nachhilfe bekommen darf, bis er aus der akuten Gefahrenzone heraus ist. Allerdings ist es sehr wahrscheinlich, dass bei vielen Schülern die Leistungen dann wieder einbrechen, weil sie es ohne Nachhilfe einfach nicht schaffen. Dies sollte dringend geändert werden, empfiehlt Gallander. Hierbei können die Länder einen entscheidenden Beitrag leisten, wie das Beispiel Nordrhein-Westfalen zeigt.

Die Düsseldorfer Landesregierung hat mit einem eigenen Erlass die Lernförderung beispielsweise auch für die Schüler geöffnet, die zwar nicht versetzungsgefährdet sind, aber die dadurch ein höheres Lernniveaus erreichen können, um ihre Chancen auf dem Ausbildungsmarkt zu verbessern. Wenn alle Bundesländer sich darauf verständigen würden, eine solche begleitende Regelung zu erlassen, können sie die Lernförderung nachträglich fundamental verbessern. Eine weitere große Hürde können die Kommunen beseitigen: Zwischen Kind und Nachhilfeunterricht steht bisher ein kompliziertes Antragsverfahren, bei dem die Eltern viele bürokratische Schritte bewältigen müssen. Die Kommunen haben jedoch großen Spielraum bei der Umsetzung des Bildungspakets und können viele dieser Schritte bündeln. Sie könnten beispielsweise vor Ort jeweils nur eine zentrale Stelle bestimmen, die die Zusammenarbeit der zuständigen Behörden koordiniert und nach außen als alleiniger Ansprechpartner zur Verfügung steht. Außerdem können sie einen Gesamt-Antrag für alle Leistungen des Bildungspakets, wie beispielsweise Schulmittagessen, Klassenfahrt und Lernförderung, einführen, so dass die Eltern nicht für jede einzelne Leistung einzelne Anträge stellen müssen. Dies würde nicht nur die Eltern entlasten, sondern wahrscheinlich auch die hohen Verwaltungskosten des Bildungspakets reduzieren.

Auf lokaler Ebene kann außerdem noch eine weitere Verbesserung erreicht werden: Kommunen und Schulen könnten sich mit geeigneten Nachhilfeanbietern abstimmen, die sodann jeweils für eine oder mehrere Schulen die gesamte Lernförderung durchführen. Durch eine solche enge Anbindung an die Schule könnten die Lehrer nicht nur die Nachhilfe direkt mit dem regulären Unterricht verzahnen, sondern auch viel stärker auf die betreffenden Schüler und Eltern zugehen, um sie auf die Lernförderung aufmerksam zu machen. Die Schüler hätten den Vorteil, dass sie den Nachhilfeunterricht in ihrem vertrauten Schulgebäude wahrnehmen können und keine zusätzlichen Anfahrtswege in Kauf nehmen müssen. Die Eltern würden von der Last befreit, selbst einen Nachhilfelehrer suchen zu müssen. Und die Behörden wiederum müssten nicht mehr für jeden Schüler mit einem anderen Nachhilfeanbieter einzeln abrechnen, sondern könnten Sammelabrechungen vornehmen und dadurch die Verwaltungskosten weiter reduzieren.

Der Bund könnte mit mindestens einer zentralen Entscheidung helfen: Derzeit enthält das Bildungspaket noch zusätzliche Gelder für die Schulsozialarbeit, die Ende des Jahres 2013 auslaufen sollen. Diese Gelder werden jedoch dringend benötigt, da das Bildungspaket für die Schulsozialarbeiter einen deutlichen Zusatzaufwand verursacht. Vielerorts müssen sie als eine Art Bildungspaket-Lotse fungieren, um Eltern, Schüler und Lehrer durch die unübersichtlichen Regelungen zu steuern. Wenn diese Gelder wegfallen, wird sich also die ohnehin schwierige Situation vor Ort weiter verschlechtern. Deshalb sollten auch ab dem Jahr 2014 zusätzliche Bundesmittel für diese Aufgaben bereitgestellt werden.

10-Punkte-Plan Nachhilfe für das Bildungspaket


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