Bildungspolitik in Schleswig-Holstein: Karges Moos statt blühender Zitronen
Unter dem Motto "Bildung ist MehrWert!" begann am Mittwoch, den 21.11.07 in Rendsburg die 40. Landesdelegiertenversammlung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Drei Tage beraten die 160 Delegierten über Arbeitsbedingungen, Weiterentwicklung des Bildungssystems und Fragen der Bildungsfinanzierung. Die Bildungsgewerkschaft GEW vertritt in Schleswig-Holstein die Interessen von rund 8400 Mitgliedern aus Kindertageseinrichtungen, Schulen, Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen.
21.11.2007 Schleswig-Holstein Pressemeldung GEW Schleswig-Holstein"Wer unserer Bildungsministerin Glauben schenkt, hält Schleswig-Holstein für das Land, wo bildungspolitisch die Zitronen blühen. Wer jedoch genauer hinsieht, – und dazu braucht man keinen Feldstecher – der entdeckt statt blühender Zitronen eher kahle Stümpfe und karges Moos", sagte der GEW-Landesvorsitzende Matthias Heidn, der sich in Rendsburg zur Wiederwahl stellt, bei der Eröffnung. Überall fehle es am Geld und die Beschäftigten seien viel zu sehr auf sich alleine gestellt. Manch gute Idee aus der Bildungspolitik laufe so ins Leere.
"Ein neues Schulgesetz schafft noch keine neue Schule, wenn die Lehrkräfte keine Zeit haben, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen und neue Ideen umzusetzen! Neue Bildungspläne für Kitas rufen keine neue Bildungsqualität hervor, wenn sich mehr als zwanzig Kinder in den Gruppen tummeln! Bachelor und Master klingen zwar gut, führen aber nicht zu einer besseren Ausbildung, wenn die Studierenden in überfüllten Seminaren sitzen", setzte sich Matthias Heidn kritisch mit der schleswig-holsteinischen Realität auseinander.
Scharf griff der GEW-Landesvorsitzende die CDU-Landtagsfraktion an: "Die Kompensation an die Kreise für die Streichung der Elternbeiträge bei der Schülerbeförderung darf nicht zu Lasten des Bildungsbereichs gehen. Standards in Kindertagesstätten und Mitbestimmungsrechte von Beschäftigten, wie von der CDU ins Gespräch gebracht, eignen sich nicht als Ramschmasse im Koalitionspoker." Die GEW werde sich gegen Verschlechterungen mit Engagement und Phantasie wehren.
Um insgesamt mehr Geld für Bildung zur Verfügung zu stellen, appellierte Matthias Heidn an die Landesregierung, die Reform der Erbschaftssteuer zu nutzen. "Im Jahr werden in Deutschland 200 Milliarden Euro vererbt. Aber nur 4 Milliarden Euro fließen davon in die Erbschaftssteuer. Statt reiche Erben zu verschonen, sollte lieber mehr Geld für Bildung locker gemacht werden. In Kindertageseinrichtungen, Schulen, Hochschulen und in der Weiterbildung kann dieses sehr gut gebraucht werden."
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