Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig zur Diskussion um den Schulversuch Kompetenzraster und die Bedeutung von Benotungen

Zur aktuellen Diskussion um den am vergangenen Mittwoch von der Bürgerschaft beschlossenen Schulversuch Kompetenzraster in Hamburg sowie die Bedeutung von Benotungen in Zeugnissen erklärt Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig: "Hamburg will Schulen die Möglichkeit geben, Zensuren durch Kompetenzraster zu ersetzen. Dieser Entschluss basiert auf einer Reihe von Beweggründen und hat zu einigen Interpretationen geführt. Deshalb möchte ich einige Punkte klarstellen:

23.11.2007 Hamburg Pressemeldung Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB)
  • Kompetenzraster darf man nicht mit den Berichtszeugnissen aus früheren Jahren verwechseln. Diese waren oft wenig aussagekräftig und nicht standardisiert. Daher waren und sind Benotungen zur Einschätzung des Leistungsstandes von Kindern von großer Bedeutung. Wir haben deshalb dafür gesorgt, dass z.B. in den Grundschulen die Berichtszeugnisse in den Klassen 3 und 4 immer um Zensuren ergänzt werden müssen.
  • Mit der Einführung von Bildungsstandards durch die Kultusministerkonferenz werden faktisch erreichte Kompetenzen als zentraler Bezugspunkt von Leistungseinschätzungen etabliert. Kompetenzen sind verfügbare und erlernbare kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten, die von Schülerinnen und Schülern in fachlichen Lernbereichen und dort in beschreibbaren Situationen nachweislich gezeigt werden. Ihre Erfassung in Kompetenzrastern dient als Grundlage für individuelle Lernvereinbarungen mit dem Schüler. Durch diese Transparenz wird der einzelne Schüler in hohem Maße motiviert und bestmöglich gefördert. Auf der Ebene der Unterrichtsentwicklung in einzelnen Schulen ist eine pragmatische, aber fachdidaktisch begründete Vorgehensweise in Richtung Kompetenzorientierung wichtig.
  • Vor diesem Hintergrund wollen wir den Schulen jetzt die Möglichkeit geben, Zensuren durch Kompetenzraster zu ersetzen. Beispielhaft und einfach lässt sich dies an Kompetenzrastern zum Lesen für Zweitklässler illustrieren: Kompetenz 1: Texte flüssig und verständlich vorlesen.
    Kompetenz 2: Texte selbständig erlesen.
    Kompetenz 3: Texte verstehen und ihnen Informationen entnehmen.
    Diese drei Kompetenzen können sicher, überwiegend sicher, teilweise unsicher oder sehr unsicher ausgeübt werden.

Der Lehrer muss damit klar festlegen, welche Kompetenz ein Schüler erreichen soll und in welcher Stufe erreicht hat. Damit wird für Schüler und Eltern transparenter als mit einer reinen Note, was ein Kind kann und was es noch nicht kann.

Die Entwicklung von Kompetenzrastern steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Schulen, die solche im Rahmen des Schulversuchs einführen wollen, werden daher erhebliches Engagement zeigen müssen. Nur mit Zustimmung der Schulkonferenz (mit Schülern, Eltern und Lehrern) können sie eine Teilnahme beantragen. Gegen den Willen von Schülern und Eltern werden Kompetenzraster nicht eingeführt. Die Bildungsbehörde und eine wissenschaftliche Begleitung werden über die Qualität wachen. Es ist daher auch davon auszugehen, dass zunächst nur eine überschaubare Zahl von Schulen diesen Weg gehen wird und dass die konkrete Erarbeitung und Genehmigung im Regelfall einige Monate dauern wird. Für Abgangs- und Abschlusszeugnisse sowie die Sekundarstufe II inklusive des Abiturs bleibt die Benotung wegen einheitlicher Festlegungen der Kultusministerkonferenz für alle deutschen Länder unabdingbar.

Sinn und Zweck dieses Schulversuchs ist es schließlich, die gute Bildung unserer Kinder und Jugendlichen durch exaktere und hilfreichere Bewertungen voranzutreiben und damit auch ihre Anschluss- und Ausbildungschancen in Studium und Beruf zu erhöhen."


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