Bildungssystem muss sich den Kindern anpassen, nicht umgekehrt - Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf integrieren
Die Landeselterninitiative für Bildung und der Verein Miteinander leben lernen (MLLV) haben sich für eine gemeinsame Erziehung und Bildung von Kindern mit und ohne Behinderung in den Regelschulen ausgesprochen.
03.04.2007 Saarland Pressemeldung Landeselterninitiative für Bildung e.V."Wir wollen Schulen, in denen Kinder lernen, mit Unterschieden zu leben, in denen Kinder so angenommen werden, wie sie sind, ohne beschämt oder für ihr Anderssein bestraft zu werden", sagte der Sprecher der Elterninitiative Bernhard Strube. Dagegen seien im Saarland, so der Vorsitzende des MLLV, Uwe Junge, drei Viertel der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf vom Besuch einer Regelschule ausgeschlossen. Beide plädierten für eine vorurteilsfreie Diskussion. Der UNSonderberichterstatter für das Recht auf Bildung, Vernor Munoz, habe in seiner Analyse des deutschen Bildungssystems darauf hingewiesen, dass es Kinder mit Behinderung und Kinder aus Migranten- oder sozial schwachen Familien ausgrenze.
Zudem habe Munoz kritisiert, dass es kein wirksames Schulwahlrecht für Eltern von behinderten Kindern gebe. Derzeit gelte der Grundsatz, dass sich die Kinder dem Bildungssystem anpassen müssten, statt umgekehrt. Junge: "Die Schulen für Lernbehinderte sind in ihrer Wirksamkeit und Legitimation besonders umstritten."
Die wissenschaftliche Untersuchung von Prof. Hans Wocken (Annette Textor, Irene Dämmer (Hg.): Integration und Bildungspolitik im Dialog, 2007) habe gezeigt, dass lernbehinderte Schüler in der Regelschule im Schnitt 1 bis 1 1/2 Jahre Lernfortschritt gegenüber lernbehinderten Kindern in der Sonderschule hätten.
Mit diesem Wissen sei eine Fortführung der Förderschulen nur schwer denkbar. "Allerdings darf eine Abschaffung der Förderschulen nicht dazu führen, dass Integration ein Sparmodell wird. Die Bedingungen in der Integration behinderter Kinder müssen sich deutlich verbessern", so Junge.
Nach Berechnungen der Landeselterninitiative für Bildung liegt im Saarland der Anteil ausländischer Kinder an Schulen für Lernbehinderte, sog. Sonderschulen L, relativ hoch. Von insgesamt 2 115 Schülern an Sonderschulen L waren es 418 ausländische Schüler im Jahr 2005/2006; das entspricht einem Anteil von 19,8 %. Der Anteil ausländischer Schüler an den Regelschulen lag bei 8,2%. Die Wahrscheinlichkeit für ein ausländisches Kind, eine Sonderschule L zu besuchen, ist im Saarland fast dreimal so groß wie die eines deutschen Kindes (1,6 % deutsche zu 4,3 % ausl. Schulkinder).
(Nachweis: Statistisches Bundesamt "Bildung und Kultur" Schuljahr 2005/06, Fachserie 11, Tabellen 1.1.1 und 3.10; erschienen Oktober 2006 – siehe "Downloads")
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