"Bio-Bili" sehr erfolgreich
(bikl/idw) Biologie auf Englisch - wieso denn das? Diese Frage hört der Melsunger Biologie- und Englischlehrer Matthias Bohn immer seltener, seitdem sich auch unter Schülern herumspricht, dass der fremdsprachliche Fachunterricht (auch bilingualer Unterricht genannt) nicht nur dazu führt, dass man besser Englisch lernt, sondern gerade künftige Laboranten, Forscher, Manager, Juristen oder Mediziner auch besser auf Studium und Beruf vorbereitet werden.
13.09.2006 ArtikelNach dem großen Erfolg im letzten Jahr trafen sich deshalb am 8.September wieder mehr als 100 Lehrer aus 7 Bundesländern zum Workshop "Bilingualer Biologieunterricht an deutschen Schulen" in der Uni Kassel. "Damit haben wir den größten Teil der Lehrer erreicht, die in deutschen Schulen Biologie in englischer Sprache anbieten. Vielleicht werden im nächsten Jahr auch erstmals ausländische Kollegen teilnehmen. Wir haben inzwischen viele Anfragen aus anderen europäischen Ländern, in denen immer mehr naturwissenschaftliche Fächer auf Englisch unterrichtet werden" sagt der Organisator Dr. Matthias Bohn, der als designierter Vizepräsident des Verbandes deutscher Biologen (vdbiol) die Belange der deutschen Biologielehrer zukünftig auch bundesweit vertreten wird.
Außerordentliche Leistungen
In vier Arbeitsgruppen wurden Konzepte entwickelt, um anspruchsvolle Themen der Biologie von der Ökologie über die Neurobiologie bis zur Gentechnik englischsprachig zu vermitteln. Ko-Organisator Prof. W. Nellen, Genetiker an der Uni Kassel, ist von dem Engagement der Lehrer begeistert: "Diejenigen, die die zusätzliche Belastung bilingualen Unterrichts annehmen, zeigen meist auch hohe Fachkompetenz und ihre Schüler fallen durch überdurchschnittliche Leistungen zu Beginn des Biologiestudiums auf". Nellen ist auch Vorsitzender des Vereins 'Science Bridge', der eine Brücke zwischen schulischer und universitärer Ausbildung bildet.
30 Jahre bilingualer Unterricht
"We acquire languages by going for meaning first" - Diese Feststellung des amerikanischen Linguisten Stephen Krashen bildete die Grundlage für die rasante, weltweite Entwicklung des englichsprachigen Sachfachunterrichts. Angetrieben von dieser Erkenntnis und den Anforderungen einer zunehmend globalisierten Berufswelt, in der Englisch heute zur wichtigsten Sprache geworden ist, haben sich in den vergangenen 30 Jahren bilinguale Unterrichtsangebote an mehr als 800 deutschen Schulen etabliert. Das gerade der "Bio-Bili-Unterricht" außerordentlich erfolgreich ist, wurde jetzt auch erstmals in einer bundesweiten Studie mit 11000 Schülern für die Kultusministerkonferenz empirisch belegt (die so genannte DESI-Studie).
Auch für Fachunterricht vorteilhaft
Prof. Günther Nold (Uni Dortmund), der diese Studie geleitet hat, war einer der Hauptreferenten der Kassler Tagung und er berichtete den Teilnehmern, dass Schüler aus bilingualen Klassen, in denen Geografie oder Biologie auf Englisch unterrichtet werden, bereits am Ende der neunten Klasse über Englischkenntnisse verfügen, die von der Mehrzahl ihrer Mitschüler nie erreicht werden. Selbst die besten anderen Schüler (mit vergleichbaren Begabungen!) von nicht-bilingualen Schulen erreichen ähnliche Kenntnisse erst zwei Schuljahre später. Damit wurde bestätigt, was Eltern und Lehrer an bilingualen Schulen schon seit Jahren erfahren: der englischsprachige Fachunterricht erbringt auch in naturwissenschaftlichen Fächern wie der Biologie außerordentliche Leistungen.
Als ein Standardwerk des bilingualen Biologieunterrichts hat sich binnen kürzester Zeit das erste "Bilinguale Wörterbuch Biologie, Dt./Engl + Engl./Dt." etabliert. Dieses Werk mit über 40.000 Begriffen macht es den Lehrern und Schülern einfach, da Begriffe nicht bloß übersetzt, sondern ausführlich in beiden Sprachen erklärt werden. Autor Eckart Klein, selbst Biologie- und Englischlehrer hatte dieses 2 kg schwere Werk in fast 15 jähriger Nebentätigkeit erstellt und 2005 mit dem Verband deutscher Biologen publizieren können.
Links
Verband dt. Biologen
Informationen zum Wörterbuch
DESI-Studie
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