BLLV begrüßt Schaffung von mehr Lehrerstellen
Die heutige Ankündigung von Kultusminister Schneider, mehr Lehrerstellen zu schaffen, um die Unterrichtsversorgung und den Ausbau von Ganztagsschulen zu sichern, wird vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) ausdrücklich begrüßt. "Auch der Ankündigung, die Klassenhöchstgrenzen zu senken, stimmen wir zu", erklärte Wenzel. "Sollte die Staatsregierung für die erforderlichen Lehrerstellen richtig Geld in die Hand nehmen, kann der BLLV dies nur gut heißen", erklärte er. Gleichzeitig forderte Wenzel, bei der Umsetzung auf die jeweiligen Besonderheiten der Schulen einzugehen. Brennpunktschulen mit hohem Migrantenanteil oder schwieriger Schülerschaft sollte es beispielsweise erlaubt sein, bei 60 angemeldeten Schülern drei Klassen mit je 20 Schülern zu bilden, anstatt zwei Klassen mit jeweils 30 Schülern. "Dementsprechend müssen dann auch mehr Lehrerstellen zugewiesen werden, damit eine flexible Klassenbildung vor Ort ermöglicht wird."
02.04.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.Von der Senkung der Klassenhöchstgrenze an weiterführenden Schulen profitieren in erster Linie Realschulen und Gymnasien. "An diesen Schularten ist eine schnelle Erleichterung überfällig", betonte Wenzel. Auch die Absenkung der Klassenhöchstgrenze an Grundschulen auf maximal 25 Kinder ist ein Gewinn, bislang liegt sie bei 30. Den Hauptschulen bringt die Absenkung nicht viel, da der Anteil der Klassen mit über 30 Schülern in diesem Schuljahr derzeit bei nur 0,5 Prozent liegt.
Wenzel anerkannte die heute und in den vergangenen Tagen angekündigten Maßnahmen zur Verbesserung der Lern- und Unterrichtssituation an bayerischen Schulen. "Die Absenkung der Klassenhöchstgrenzen ist eine seit Jahren vom BLLV eingeforderte pädagogische Notwendigkeit, denn nur in kleinen Klassen, versehen mit ausreichend qualifiziertem Personal, können Schüler wirklich individuell gefördert werden." Der BLLV hofft auf die grundsätzliche Bereitschaft der Staatsregierung, Schul- und Bildungspolitik in Bayern von Grund auf zu reformieren - weg von der Auslese, hin zur Förderdiagnostik. Das schließt ein völlig neues Lern- und Leistungsverständnis, den Ausbau rhythmisierter Ganztagsschulen und eine längere gemeinsame Schulzeit mit ein. "Der BLLV bedauert, dass nach wie vor nur an einzelnen Schwachpunkten herumgedoktert wird und eine gut durchdachte Bildungsreform immer noch auf sich warten lässt."
Der geplante Einsatz von Grundschullehrkräften an Gymnasien und von Gymnasial-, Real- und Hauptschullehrern an Grundschulen zeigt, dass Staatsregierung und Kultusministerium zugeben, dass das derzeitige Übertrittsverfahren Schwächen aufweist. "Mit dem offenbar spontan beschlossenen und heute verkündeten geplanten Austausch von Lehrkräften innerhalb verschiedener Schularten wird das Kernproblem der frühen Auslese nicht gelöst. Ebenso wenig die Tatsache, dass es keine zuverlässigen Prognosen über die Schullaufbahn von neun- und zehnjährigen Kindern gibt. Für den BLLV stellt sich die Frage, warum die Staatsregierung nicht den konsequenten Weg geht und allen Kindern eine längere gemeinsame Schulzeit ermöglicht."
Wenzel kritisierte die heute verkündete Maßnahme eines freiwilligen Lehreraustausches als eine "viel zu kurz gedachte Notmaßnahme". "Sie wird bei Eltern und Lehrern in hohem Maß zu Verärgerung und Verunsicherung führen und ein verwaltungstechnisches Chaos nach sich ziehen." Zu viele Fragen sind unbeantwortet: So ist zum Beispiel offen, nach welchen Kriterien die künftigen "Austauschlehrer" ausgewählt und bezahlt werden sollen. Keine Antwort gibt es auch darauf, wie sie auf ihre neue Tätigkeit vorbereitet werden.
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