BLLV fordert Abschaffung der Zwischenzeugnisse

Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, hat wenige Tage vor dem Zeugnistermin gefordert, die Halbjahreszeugnisse abzuschaffen. "In der Regel sind die Informationen in diesen Zwischenberichten bekannt. Eltern können gut darauf verzichten", erklärte Wenzel. "Wichtiger ist es, dass sich Eltern und Lehrpersonen regelmäßig in Gesprächen austauschen und ihre gemeinsame Verantwortung für die Bildung und Erziehung der Kinder und Jugendlichen wahrnehmen." Dies setzt eine stabile Vertrauenskultur voraus, die sich in "Schulfamilien" entwickeln kann. "Wenn die Bildungs- und Erziehungsprozesse für alle Kinder und Jugendlichen gut gelingen sollen, müssen sich alle Erwachsenen im Umfeld der Schule ihrer Verantwortung bewusst sein. Dazu gehören Eltern und Lehrer, aber auch Vertreter der Kommune, der örtlichen Wirtschaft und der Beratungs- und Fürsorgeeinrichtungen. Die gegenseitige Information und Unterstützung in dieser ´Schulfamilie´ würde letztlich zu einer Entlastung aller Beteiligten und zu besseren Erziehungs- und Bildungserfolgen führen".

12.02.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Wenzel forderte alle Eltern auf, bereits vorhandene Gesprächsangebote der Schule zu nutzen und nicht nur in Konfliktfällen den Kontakt zur Schule zu suchen. "Regelmäßige Gespräche stabilisieren das Vertrauensverhältnis und er-leichtern einen offenen Gedankenaustausch. Durch regelmäßige Kommunikation können mehr Informationen transportiert werden als durch die im Wesentlichen aus ein paar Ziffern bestehenden Zwischenzeugnisse."

Im Hinblick auf den bevorstehenden Zeugnistermin bat der BLLV-Präsident die Eltern, "das Zeugnis ihrer Kinder nicht über zu bewerten und ihre Zuwendung nicht von Noten abhängig zu machen. Allerdings ist es für Schülerinnen und Schüler wichtig, dass sich die Eltern für ihr Zeugnis interessieren und es ernst nehmen. Wenn sie ihre Freude über gute Noten zeigen, spornen sie ihre Kinder an und motivieren sie. Weniger gute Noten dürfen jedoch nicht bestraft werden. Grundschulkinder reagieren besonders sensibel auf Vorwürfe und Enttäu-schung."

In vielen Familien lösen schlechte Noten Spannungen aus und die Kinder fühlen sich Schuld daran. Der BLLV-Präsident: "Das kann eine starke Last sein, an der Kinder schwer zu tragen haben. Nicht nur, dass sie den Erwartungen ihrer Elternnicht entsprechen, sie fühlen sich auch verantwortlich für häuslichen Unfrieden, oftmals sogar Streit und Tränen. Eltern müssen sich in so einer Situation klar machen, dass ihr Kind nicht mit Absicht ´versagt´ hat. Es leidet selbst am meisten unter seinen schlechten Leistungen."

Lehrerinnen und Lehrer sind im Moment leider gezwungen, Noten zu vergeben, obwohl sie wissen, dass sie wenig über den tatsächlichen Leistungsstand und individuellen Lernfortschritt eines Schülers aussagen. Auch sie wünschen sich mehr Zeit und leiden unter dem Diktat einer pervertierten, auf Noten und Berechtigungen fixierten Lernkultur. Eltern und Lehrer können nur gemeinsam an Politik appellieren, endlich umzudenken und die individuelle Förderung aller Kinder in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen zu stellen. Dazu sind kleinere Klassen und mehr Lehrer/innen erforderlich.


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