BLLV will Qualität des Gymnasiums erhalten
"Für die bayerischen Gymnasien werden die Weichen erneut völlig falsch gestellt." Mit dieser Kritik hat sich der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, in die nicht enden wollende Diskussion um die Reform der gymnasialen Oberstufe und die aktuelle Kritik an der verfehlten Einstellungspolitik eingeschaltet. "Die nicht verstummenden Klagen von Schülern, Eltern und Lehrern zeigen, dass das Gymnasium nicht zur Ruhe kommen kann, weil die Politik ganz offensichtlich an den Bedürfnissen der Betroffen vorbei agiert", stellte Wenzel fest. "Wenn trotz übergroßer Klassen und andauerndem Lehrermangel von allen ausgebildeten Referendaren nur etwa die Hälfte übernommen wird, wenn die Klagen über Zumutungen in der neuen gymnasialen Oberstufe nicht abreißen, dann wird das bayerische Gymnasium erheblich an Qualität verlieren und zur Paukanstalt verkommen."
15.01.2010 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.Nach der Realschule sind die Klassenstärken an den Gymnasien am größten. Die Lehrerinnen und Lehrer ächzen unter der Korrekturlast - insbesondere die Deutschlehrer. Im Krankheitsfall müssen Stunden von Kollegen vertreten werden oder fallen aus. "Wenn vor diesem Hintergrund angehende Gymnasiallehrer/innen in die Arbeitslosigkeit entlassen werden, ist die Wut und Enttäuschung nachvollziehbar. Diese ´Ohrfeige´ trifft nicht nur sie, sondern auch Schüler und Lehrerkollegen, die dringend auf mehr Personal angewiesen sind", erklärte Wenzel.
Derzeit unterrichten Referendare im zweiten Ausbildungsabschnitt bis zu 17 Stunden in der Woche. Sie decken damit so viel Unterricht ab, dass für diejenigen, die jetzt mit der Ausbildung fertig werden, zu wenig Stellen vorhanden sind. Im Jahr 2007 wurde die Einsatzzeit von Referendaren am Gymnasium von max. 16 auf max. 17 Stunden angehoben, dieser Schritt wurde damals mit der angespannten Personalsituation und der Sicherung der Unterrichtsversorgung begründet. "Wir haben dies schon damals heftig moniert und auch abgelehnt, weil die Folgen, die jetzt auch eingetreten sind, aus Sicht des BLLV absehbar waren." Natürlich wurde und wird auf diese Weise auch viel Geld eingespart, denn es ist billiger, Referendare mit 17 Stunden einzusetzen, als einen Planstellen-Lehrer. Wenzel forderte umfangreiche Übernahmen, zumindest auf Superverträgen, d.h. befristet angestellt, mit einer Garantie der anschließenden Verbeamtung sowie die Senkung der Unterrichtspflichtzeit im zweiten Ausbildungsabschnitt des Referendariats.
Die gymnasiale Oberstufenreform bezeichnete der BLLV- Präsident als anachronistisch: "Ihr liegen Vorstellungen eines veralteten Lern- und Leistungsverständnisses zugrunde." Der BLLV forderte daher das Kultusministerium auf, die Reform noch einmal kritisch zu überprüfen, die Beschwerden und Klagen der Betroffenen ernst zu nehmen und entsprechende Nachbesserungen einzuleiten.
Der BLLV plädiert für den Erhalt der Kollegstufe in ihrer früheren Form. Auch die ausgeweitete Verpflichtung bei den Abiturprüfungen muss zurückgenommen werden. Wenzel wies darauf hin, dass das Abschaffen der Kollegstufe nicht nur die Situation der Schüler/innen extrem verschlechtert habe: "Durch den Wegfall der Differenzierung in Grund- und Leistungskursen sind die Klassengrößen in der neuen Oberstufe höher. Darunter leidet nicht nur die Betreuung der Schülerinnen und Schüler der sog. Qualifikationsphase, Q11. Auch die Arbeitsbelastung der Lehrerinnen und Lehrer sei gestiegen, "wobei es besonders hart Lehrkräfte für Fremdsprachen, Mathematik und Deutsch trifft." Hinzu kommt, dass jeder Schüler nun 33 Wochenstunden belegen muss, um auf die Mindestzahl von 132 Stunden zu kommen. "Es leuchtet jedem ein, dass dies im Vergleich zur früheren Kollegstufe ein deutliches Mehr an Stunden ist, woraus sich zwangsläufig eine höhere Belastung ergibt."
Grundsätzlich hält der BLLV die Verpflichtung, in den Fächern Deutsch und Mathematik sowie in einer Fremdsprache die Abiturprüfung ablegen zu müssen, für problematisch: "Dass während des Studiums und in Spitzenberufen gute Deutsch-, Mathematik- und Fremdsprachenkenntnisse wichtig sind, ist eine Binsenweisheit. Und offenbar mangelte es den bayerischen Abiturienten bisher daran - jedenfalls weist die Wirtschaft immer wieder auf solche Defizite hin. Allerdings hilft gegen solche Defizite nach zwölf Jahren Schule auch eine Prüfung am Ende der Schullaufbahn nicht. Ein verpflichtendes Deutschabitur macht aus einem sprachlich unbeholfenen Zehntklässler keinen brillanten Literaturkritiker." Hier werde Lernen mechanisch verstanden - "diese Vorstellung ist naiv und überholt, weil sie sich auf den rein quantitativen Sektor beschränkt und die Lernprozesse vernachlässigt. Damit wird sie den Anforderungen des modernen Arbeitsmarktes in keiner Weise gerecht."
Wenzel kündigte an, noch vor dem Frühjahr ein umfangreiches Positionspapier zur Zukunft des bayerischen Gymnasiums vorzustellen. "Wir brauchen eine völlige Neuausrichtung.
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