bpv weist Forderung der bayerischen SPD nach Einführung von Gesamtschulen zurück

Der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes Max Schmidt hat die Forderung des bildungspolitischen Sprechers der SPD-Fraktion Pfaffmann nach der Einführung von Gemeinschaftsschulen in Bayern und einer Verlängerung der gemeinsamen Schulzeit für alle Schüler zurückgewiesen.

10.01.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)

"Dreh- und Angelpunkt bei der Bildungsgerechtigkeit sind die Lese- und Sprachfähigkeiten. Die Behauptung, allein die Gesamtschule schaffe größere Bildungsgerechtigkeit, ist gerade erst wieder widerlegt worden", sagte Schmidt unter Hinweis auf dieser Tage veröffentlichte Ergebnisse einer Langzeitstudie mit über 1500 Teilnehmern. Ihr Leiter Prof. Dr. Helmut Fend kommt in der "Zeit" vom 03. Januar wörtlich zu dem Schluss: "Die Gesamtschule schafft unterm Strich nicht mehr Bildungsgerechtigkeit als die Schulen des gegliederten Schulsystems – entgegen ihrem Anspruch und entgegen den Hoffnungen vieler Schulreformer". Zum selben Ergebnis kommt auch das Berliner Max-Planck-Institut in seinem Bericht über das deutsche Bildungssystem. Ganz im Gegenteil, so Schmidt, zeige der Blick nach England, dass sich im dortigen integrierten Gesamtschulsystem die sozialen Disparitäten zwischen den Bevölkerungsschichten sogar noch verstärkt hätten.

Zudem, so der bpv-Vorsitzende weiter, versage die Gesamtschule bei der Förderung der Leistungspotenziale ihrer Schüler völlig: "Zwei bis drei Jahre hinken die Leistungen ursprünglich vergleichbar begabter Gesamtschüler denen von Gymnasiasten und Realschülern hinterher. Allein dieser Befund disqualifiziert diese Schulart schon als Alternative für Bayern."

Die von der SPD alternativ geforderte längere gemeinsame Schulzeit für alle Kinder bezeichnete Schmidt "als taktischen Zwischenschritt auf dem Weg zur Gesamtschule", den sein Verband ebenso ablehne.

bpv für konsequente Frühförderung und erhöhte Durchlässigkeit im gegliederten Schulsystem

Der Philologenverband setzt stattdessen weiter auf Reformen innerhalb des bestehenden Schulsystems. Schwerpunkt soll dabei der weitere Ausbau der frühen Förderung und eine erhöhte Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Schularten sein, betonte der bpv-Vorsitzende: "Unser oberstes Ziel muss es sein, vor allem sprachlich bedingte Disparitäten bis zum Ende der vierten Grundschulklasse ausgeglichen zu haben. Für die Entscheidung über die weitere Schullaufbahn dürfen sie keine Rolle mehr spielen. Denn PISA hat ebenfalls klar nachgewiesen: Bei gleichen Lese- und Sprachfähigkeiten haben Migrantenkinder genauso gute Chancen wie deutschstämmige, eine weiterführende Schulart zu besuchen."


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