bpv zur heutigen G8-Anhörung im Landtag: Die Rahmenbedingungen, nicht die Inhalte sind das Hauptproblem

Eine Lanze für das Gymnasium hat der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes Max Schmidt gebrochen. Anlässlich der heutigen Expertenanhörung zur Situation des G8 sagte er: "Der in der Öffentlichkeit erweckte Eindruck, das bayerische Gymnasium überfordere die Schülerschaft inhaltlich und zeitlich, ist unhaltbar und gehört zurechtgerückt." Zur Begründung verwies Schmidt auf die vieldiskutierte Umfrage der Landes-Eltern-Vereinigung: "Rund zwei Drittel der ´G8-Eltern´ hat angegeben, ihr Kind erlebe nie oder allenfalls selten schulbedingte Stresssituationen. Deutlich ist auch die Mehrheit derer, die nie oder selten über Belastungen des Familienalltags durch das Lernpensum klagen. Es verwundert mich daher nicht, dass 67 Prozent der Eltern angegeben haben, ihr Kind benötige nie oder höchstens einmal wöchentlich Unterstützung bei den Hausaufgaben."

05.07.2007 Bayern Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)

Der Blick auf die Wiederholerzahlen spreche ebenfalls gegen die These von der generellen Überforderung der Schülerinnen und Schüler am Gymnasium: Die Quote der Pflichtwiederholer des achtjährigen Gymnasiums liege bei niedrigen 0,8 bis 2,3 Prozent und damit unter der der vielgerühmten Realschule. Forderungen nach weiteren umfangreichen Stunden- und Lehrplankürzungen erteilt der Philologenverband daher eine Absage: "In der Presse genannte Kürzungen von weiteren 30 Prozent der Lerninhalte sind absolut irreal. Ein wackliger Stuhl wird nicht besser, wenn man das falsche Bein zweimal absägt. Und schülerfeindlich sind Stoff- und Stundenkürzungen auch, denn sie entlasten nicht, sondern sie belasten nur: Aufgrund bestehender KMK-Vereinbarungen zu den gymnasialen Lerninhalten müssten sich die Schüler dann den geforderten Stoff bis zum Abitur gänzlich ohne schulische Unterstützung privat aneignen", machte der bpv-Vorsitzende auf diese kaum bekannte Tatsache aufmerksam.

Personal zur Unterstützung der Lehrkräfte einstellen

Das derzeitige Hauptproblem der Gymnasien sind nach Beobachtung des Philologenverbandes die mangelhaften Rahmenbedingungen, die Schüler wie Lehrer gleichermaßen betreffen. Die Politik stehe in der Pflicht, diese zu verbessern. "Das G8 wurde gegen unseren Widerstand durchgesetzt. Die Verantwortlichen müssen daher jetzt dafür sorgen, dass Schüler und Lehrer unter vernünftigen Bedingungen arbeiten können. Wir Lehrer lassen uns jedenfalls nicht den Schwarzen Peter für Schwierigkeiten aus der überhasteten Einführung zuschieben", wehrte sich Schmidt gegen diesbezügliche Schuldzuweisungen.

Aus Sicht des Philologenverbandes wäre schon viel gewonnen, wenn die Lehrerschaft von unnötigen Zusatzaufgaben entlastet würde und sich auf ihre eigentliche Aufgabe, das Unterrichten, konzentrieren könnte: "Bei der Essensausgabe, Aufsichten, der Betreuung und für die immer umfangreicheren Verwaltungsaufgaben sind Lehrer falsch eingesetzt. Da brauchen wir vor dem Hintergrund des zunehmenden Ganztagesbetriebes unbedingt zusätzliches Personal zur Unterstützung. Das wäre zu haben. Man muss es nur einstellen und bezahlen wollen", formulierte Schmidt eine Erwartung seines Verbandes. Eine Optimierung der Schülerbeförderung und Möglichkeiten zur Rhythmisierung des Unterrichts seien weitere Bausteine zur Verbesserung der Situation.

Notmaßnahmen, aber kein Patentrezept gegen aktuellen Lehrermangel

Dagegen gebe es gegen den akuten Lehrermangel kurzfristig kein Patentrezept, warnte der bpv-Vorsitzende vor überzogenen Erwartungen. Da der Markt zu wenig Junglehrer hergebe, sei qualifiziertes Lehrpersonal derzeit nur noch unter Pensionisten und Beurlaubten, vornehmlich Frauen in Elternzeit, anzuwerben. "Um diese für eine Rückkehr in den Schuldienst zu gewinnen, muss man bestehende Hindernisse abbauen", forderte Schmidt. Für Pensionisten heiße das beispielweise: Kein Abzug des Verdienstes mehr von der Pension und für junge Mütter: kostenlose Krippen- und Kindergartenplätze und kinderfreundliche Unterrichtszeiten. Auch den Einsatz von Lehramtsstudenten als Unterrichtsassistenten oder in der Betreuung könne er sich als Teil eines Bündels von Notmaßnahmen vorstellen, sagte Schmidt, der resümierend zusammenfasste: "Kurzfristig helfen dem Gymnasium deutlich aufgestockte Finanzmittel, um die erforderlichen Notmaßnahmen finanzieren zu können. Langfristig helfen nur die ehrliche Bereitschaft, den erhöhten Mittelbedarf des G8 dauerhaft zu finanzieren, und bessere Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte, kombiniert mit einer vorausschauenderen Einstellungspolitik."


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