Bundeskanzlerin Merkel auf Schulbesuch
Schulen sind die tragenden Säulen eines jeden Bildungssystems. In Löhne, Ilmenau und Stuttgart informierte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel über drei verschiedene Schulformen des deutschen Systems. Für die Kanzlerin ist diese Dreiteilung ein Ausdruck von Vielfalt und Qualität.
11.09.2008 Pressemeldung Presse- und Informationsamt der BundesregierungOb Hauptschule, Realschule oder Gymnasium - gemeinsam ist allen drei besuchten Schulen die gute Vorbereitung ihrer Schülerinnen und Schüler auf das Berufsleben. Auf ihrer Bildungsreise hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel immer wieder betont, wie wichtig ihr die Übergänge von einer Bildungsstufe in die nächste seien. Denn hier würden die Weichen für den Aufstieg gestellt.
Realschule: Integration durch Sprache und Kultur
Der letzte "Schulbesuch" der Kanzlerin auf ihrer Bildungsreise galt der Realschule Ostheim in Stuttgart. Besonderes Merkmal der Schule: 90 Prozent der rund 300 Schülerinnen und Schüler haben Migrationshintergrund, 50 Prozent besitzen einen ausländischen Pass. Die Herkunftsländer sind vielfältig: von Albanien über Kroatien bis zur Türkei.
Mit dem Literaturprojekt "Unterricht im Dialog" und dem Tanz- und Musikprojekt "jetzt" wollen die Jugendlichen sprachliche und kulturelle Grenzen überwinden. Voller Stolz präsentierten sie der Besucherin aus Berlin ihre Werke aus dem Literaturprojekt. Dort spielen aber nicht nur Gedichte, Dramen oder Romane eine Rolle, auch Comics können besprochen oder produziert werden. Veröffentlicht werden diese zum Beispiel im "Poetischen Kritzel II", das im Oktober erscheinen soll. Auch der Bundespräsident ist auf das literarische Projekt aufmerksam geworden. Er wird es 19. September in Berlin auszeichnen.
Im Tanz- und Musikprojekt "jetzt" wirken über 100 Jugendliche aus der Haupt- und Realschule Ostheim und dem Geschwister-Scholl-Gymnasium mit. Die Jugendlichen lernen so, sich über Sprach- und Kulturgrenzen aber auch Schulgrenzen besser zu verstehen. In drei Aufführungen im Sommer dieses Jahres im Stuttgarter Theaterhaus präsentierten sie ihr Projekt.
Aber nicht nur Sprache und Kultur werden in der Realschule groß geschrieben, auch dem Übergang in die Berufsausbildung wird viel Bedeutung beigemessen. Die Jugendlichen, die die Schule verlassen, sollen gute Aussichten auf einen guten Beruf haben. Deshalb beteiligt sich die Schule am fächerübergreifenden Projekt "Berufsorientierung in der Realschule".
Hier erwerben die Jugendlichen themenorientiertes Grundlagenwissen, erproben im Team projektorientiertes Arbeiten und erkunden Betriebe und Arbeitsplätze, beispielsweise im einwöchigen Berufspraktikum.
Gymnasium: Mit Spezialklassen gegen den Fachkräftemangel
Im Goethe-Gymnasium in Ilmenau geht es weniger lyrisch und tänzerisch zu. Hier konzentriert man sich auf die Naturwissenschaften. Rund 80 begabte Schülerinnen und Schüler besuchen die naturwissenschaftlich-mathematischen Spezialklassen des Gymnasiums.
Anhand von Experimenten überzeugte sich Merkel von den Kenntnissen der Jugendlichen. "Was die Schüler können, ist beeindruckend", befand die Kanzlerin anschließend. Beeindruckend sei aber auch die Motivation der Lehrerinnen und Lehrer.
Bemerkenswert ist auch der hohe Anteil der Mädchen in den Spezialklassen mit rund 50 Prozent. "Das zeigt, dass Mädchen und Jungen die Naturwissenschaften gleichermaßen können", betonte die Kanzlerin.
Ein Kennzeichen für das Gymnasium sind auch seine engen Kontakte zur Technischen Universität Ilmenau und zur Wirtschaft der Region. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität gestalten Unterrichtsstunden an der Schule oder geben Berufsorientierungen. Schülerinnen und Schüler hingegen studieren parallel an der Hochschule.
Hier setzt man dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel bewusst etwas entgegen, lobte Merkel. Das Beispiel der Goethe-Schule Ilmenau zeige zudem, dass die neuen Bundesländer in besonderer Weise hierzu etwas beitragen könnten.
Hauptschule: Mit praktischen Erfahren auf den Beruf vorbereiten
Der Kontakt zu den Unternehmen der Region ist auch der Hauptschule in Löhne wichtig, die die Kanzlerin bei den ersten Etappen der Bildungsreise besuchte. Im engen Kontakt mit den Unternehmen der Nachbarschaft und der Arbeitsagentur für Arbeit bereitet die Schule den Übergang ins Arbeitsleben vor. Und das funktioniert: "Wir haben Aussicht auf gute Berufe", berichtete ein Schüler der Kanzlerin.
Nach Besuch von Computerraum, Schulgarten und Hühnerhaus lobte Merkel: "Ich bin beeindruckt, wie die Kinder auf das Berufsleben vorbereitet werden." Wichtig ist der Schule aber auch die individuelle Förderung seiner Schülerinnen und Schüler. Diese laufe hier über kleine Klassen von etwa 20 Schülern und im engen Kontakt zwischen Schüler und Lehrer, erklärte der Schulleiter.
Merkel bestätigte die Schule in ihrem Konzept. "Mit intensiver praktischer Förderung kann es gelingen, jedem Kind eine Chance zu geben." Aber es sei der stete Einsatz von motivierten Eltern, engagierten Lehrerinnen und Lehrern, örtlichen Betrieben und den Mitarbeitern der Arbeitsagenturen erforderlich.
Die Hauptschule in Löhne wurde 2005 als drittbeste Hauptschule in Deutschland ausgezeichnet. Bei der Schulqualitätsanalyse 2007 kam sie als einzige Hauptschule unter die neun besten Schulen Nordrhein-Westfalens. Für die individuelle Förderung vergab die Landesregierung das Zertifikat "Schule mit Zukunft". Dass die Hauptschule eine Zukunft hat, wollte auch die Bundeskanzlerin mit ihrem Besuch unterstreichen.
Mit dem letzten Schulbesuch in Stuttgart hat sich die Bundeskanzlerin ein Bild über die drei Schulformen im deutschen Bildungssystem machen können. Für sie ist die Dreigliederung in Hauptschule, Realschule und Gymnasium Ausdruck von Vielfalt und Qualität. "Die Vielfalt unseres Bildungssystems hat sich aus meiner Sicht bewährt", sagte sie in einem Interview der BILD-Zeitung im August.
Auf den letzten Etappen ihrer Bildungsreisen wird Merkel sich auf die Hochschulbildung konzentrieren.
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