Das Sparen bei der Bildung hat längst begonnen
Die Leiterin des Referates "Schulleitung" beim Verband Bildung und Erziehung (VBE) Südbaden, Amanda Kanstinger (Freiburg), stellt grundsätzlich positiv fest, dass die Landesregierung Baden-Württemberg noch nicht zu den Vorreitern des Sparens im Bildungsbereich gehört. Noch seien uns die Worte des abtretenden hessischen Ministerpräsidenten im Ohr, dass "Sparen bei der Bildung" angesagt sei. In Bayern sollen 1000 Lehrerstellen gestrichen werden. Umso erfreulicher sei es, dass die Landesregierung Baden-Württemberg - vielleicht auch im Vorfeld der Wahlen - solche verbalen Bekundungen in der Öffentlichkeit möglichst vermeide.
08.06.2010 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergSchaue man aber genauer in die Praxis, so Kanstinger, dann habe an manchen Orten das Sparen bereits begonnen. Wie Kultusministerin Marion Schick kürzlich im Auditorium maximum in Freiburg zugeben musste, habe die Lehrerversorgung im Pflichtbereich deutlichen Vorrang vor der Aufstockung der Mittel für die Lehrbeauftragten an Schulen. Deshalb mussten bereits jetzt einige Lehrbeauftragte entlassen werden, andere bekommen nach den Sommerferien ihren Laufpass.
Neu komme hinzu, dass Versorgungslücken bei Ausfall von Lehrkräften im ländlichen Bereich in Kauf genommen werden. In den vergangenen Jahren konnten Lehramtsanwärter nach der 2. Dienstprüfung ihre Unterrichtszeit mit Angestelltenverträgen aufstocken und so bis zu 12 Stunden mehr unterrichten. Dadurch konnte mancher Unterrichtsausfall vermieden oder abgemildert werden. Nach der neuen Verwaltungsvorschrift vom 22. März 2010 (K.u.U vom 8. April 2010), so Amanda Kanstinger, sei dies künftig aber nur noch für Anwärter an Realschulen und für Studienreferendare (Gymnasien) möglich, Grund-, Haupt- und Sonderschulen bleiben außen vor. Obwohl auch in städtischen Gebieten nur der Pflichtbereich abgedeckt sei, werden Krankheitsfälle auch dort Lücken reißen.
"Auf dem Land hingegen sieht es ganz schlimm aus", weiß die Referatsleiterin. "Dort sind die Wartelisten leer und Unterricht wird entfallen, weil niemand mehr eingestellt und jetzt das einzelne Deputat auch nicht mehr ´aufgestockt´ werden kann. Für die Anwärter an Realschulen habe man eine größere Bürokratie vorgeschoben, so dass erst nach genauer Prüfung Zusatzstunden vergeben werden. Angesichts des Personalmangels in der Schulverwaltung kann man nur hoffen, dass ein solcher Antrag schneller genehmigt wird als der Erkrankte wieder gesund sei, hofft die Referatsleiterin.
Für die Schulleitungen hingegen kommen schwierige Zeiten, weil sie der erste Ansprechpartner für Dritte sind, wenn die Unterrichtsversorgung nicht klappe. Abhilfe könnten sie aber auch nicht schaffen, wenn kein Ersatz für Unterrichtsausfälle genehmigt werde.
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