"Das Vertrauen der Eltern in Schule fördern"
(red) An der Montessori-Gemeinschaftsschule in Berlin-Steglitz lernen nicht nur Kinder, sondern auch Eltern. Seit mehr als zehn Jahren bietet die Schule Elternseminare an. Schulleiterin Eva Schmoll hat das Projekt initiiert und macht mittlerweile auch andere Lehrkräfte fit für diese Seminare. Im Interview erklärt sie, warum das Angebot so erfolgreich und so wichtig ist.
21.01.2015 ArtikelFrau Schmoll, warum sollen Eltern noch einmal die Schulbank drücken?
Eva Schmoll: Der Begriff "Schulbank drücken" trifft unser Angebot nicht, weil wir als Schule Eltern gar nicht belehren wollen, sondern es geht darum, dass wir Erwachsenen gemeinsam einen Abgleich beginnen. Einen Abgleich hinsichtlich unserer Werte, Normen und Erziehungsvorstellungen. Da geht es um Themen wie Konfliktmanagement, Konsequenz und Strafe, Lob und Ermutigung. Es geht auch darum, wie wir methodisch agieren, nämlich im offenen Unterricht. Übrigens auch in den Elternseminaren. So erleben Eltern die Wirksamkeit dieser Methode hautnah. Es geht um Transparenz und darum, das Vertrauen der Eltern in Schule zu fördern.
Wie motivieren Sie Eltern, die kein Interesse an einer Teilnahme haben?
Eva Schmoll: Das ist ganz einfach: Eltern, die Ihr Kind zu uns schicken wollen, müssen vorher das Seminar besuchen. Anfangs haben wir damit gerechnet, dass zahlreiche Eltern mit dem Argument "das habe ich nicht nötig" abspringen. Doch wir wurden eines Besseren belehrt: Beim ersten Mal hatten wir 98 Anmeldungen für 45 Schulplätze und lediglich zwei Eltern haben so argumentiert. Die anderen Eltern sprangen auch nach der ersten Veranstaltung nicht ab, weil sie so viel Wertschätzung in Schule bisher kaum erlebt hatten. Nach zwei, drei Jahren forderte dann ein Vater, dass nicht nur ein Elternteil teilnehmen muss - in der Regel waren das die Mütter - sondern beide. Jetzt sind die Seminare auch verpflichtend für die Väter, sodass auch getrennt lebende Elternteile kommen.
Welche Auswirkungen hat diese besondere Art der Zusammenarbeit von Elternhaus und Schule?
Eva Schmoll: Die Eltern kommen begeistert von den Seminaren nach Hause mit der Folge, dass die Kinder am ersten Schultag mit einer positiven, offenen Einstellung zu uns kommen. Und die Eltern bringen dann das gewachsene Vertrauen den neuen Klassenlehrern entgegen. Es sind im Laufe der Zeit auch weitere Projekte auf Anregung der Eltern entstanden, wie zum Beispiel "Eltern für Eltern". An diesen Elternabenden stehen dann "alteingesessene" Eltern den "neuen" Eltern als Ratgeber zur Seite. Da braucht es also gar nicht immer die Lehrer.
Dazu auf der didacta 2015 in Hannover
Dienstag 24. Februar 2015
ENT-wicklung von schwer erreichbaren Eltern und schwer erreichbaren LehrernWoran liegt es, dass Schule für einen Teil der Eltern nur schwer erreichbar erscheint? Wie können Hürden überwindbar gemacht werden? Wie kann eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Eltern gestaltet werden? Eva Schmoll, Schulleiterin der Montessori- Gemeinschaftsschule in Berlin-Steglitz,Ausbilderin für Elternseminare an Schulen, 12.00 bis 13.00 Uhr, Forum Unterrichtspraxis, Halle 16, Stand E36
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